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Kultur

Herta Müller mit Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln geehrt

Bei einem Festakt bekam die Nobelpreisträgerin den renommierten Literaturpreis überreicht. Sie erinnerte in ihrer Dankesrede daran, dass viele Flüchtlinge ab 1933 auch aus Deutschland fliehen mussten.

Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde Müller am Freitagabend (20.11.2015) im Historischen Rathaus von Köln von der neugewählten Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker überreicht. Es war Rekers erste Amtshandlung seit dem Attentat am Wahltag. Sichtlich bewegt übergab sie unter großem Applaus der Schriftstellerin Herta Müller die Urkunde und hielt eine kurze eindrucksvolle Rede.

Seit 1985 vergibt die Stadt Köln alle zwei Jahre den Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Literatur. Herta Müller habe ihre rumänische Heimat als literarischen Ort neu für die deutsche Sprache gewonnen, begründete die Jury ihre Entscheidung. Außerdem sei keine andere Autorin dem Geist des Kölner Schriftstellers Heinrich Böll so nah wie Müller, beide hätten lange als Außenseiter und kritische Beobachter der Gesellschaft geschrieben.

Schonungslos und offen

Die Schriftstellerin stammt aus dem deutschsprachigen Banat im rumänischen Siebenbürgen. In ihren Büchern thematisiert Müller die Folgen der Ceaușescu-Diktatur in Rumänien, unter der sie aufgewachsen ist. In ihrem 2009 erschienen Roman "Atemschaukel" beschreibt sie schonungslos und offen den Alltag in einem sowjetischen Gulag. Das brachte ihr schließlich auch im selben Jahr den Literaturnobelpreis.

Flucht vor dem Geheimdienst

1987 verließ Herta Müller ihre Heimat, nachdem die Regierung ihr einen Maulkorb verpasst hatte und sie den Repressalien des Geheimdienstes Securitate ausgesetzt war. Seitdem lebt die 61-Jährige in Berlin.

Herta Müller Nobelpreis Literatur

10.12.2009: Herta Müller erhält den Nobelpreis für Literatur aus den Händen von König Carl XVI. Gustaf von Schweden

Zu ihren wichtigsten Werken neben der "Atemschaukel" zählen der Roman "Der Fuchs war damals schon der Jäger", die Essaybände "Hunger und Seide" und "Der König verneigt sich und tötet" sowie die Prosabände "Niederungen" und "Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt". In ihrem jüngsten Buch "Mein Vaterland war ein Apfelkern" blickt sie auf ihr Leben zurück.

Zu den Preisträgern des Heinrich-Böll-Preises zählen auch Ralf Rothmann, Jürgen Becker, Rainald Goetz und Ulrich Peltzer. Zuletzt ging die Auszeichnung 2013 an die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse.

sw/nf/jb (dpa/epd)