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Welt

Herrmann: "Eine frustrierende Geschichte"

Vor Australien suchen Flugzeuge und Schiffe nach dem Wrack der verschollenen Boeing 777. DW-Journalist Dieter Herrmann kennt sich mit solchen Situationen aus und spricht von den Tücken der Wrack-Suche auf hoher See.

DW: Herr Herrmann, lassen sich Wrackteile als solche für Piloten mit bloßem Auge identifizieren?

Dieter Herrmann: Das geht. Es kommt natürlich darauf an, wie hoch er fliegt, und wie gut das Wetter ist. Als die Piloten am Donnerstag angefangen haben zu suchen, war das Wetter sehr, sehr schlecht. Sie haben nichts gesehen. Aber eines der Flugzeuge hat mit seinem Bodenradar feststellen können, dass tatsächlich

irgendwelche Teile

im Wasser schwimmen. Es ist natürlich immer noch nicht bestätigt, dass das tatsächlich Flugzeugteile sind.

Was könnte es sonst sein?

Container. Es passiert immer wieder, dass Schiffe Container verlieren. Auf den Ozeanen treiben wohl hunderte davon herum. Allerdings ist das, was dort im Meer gesehen wurde, weiß. Und Container sind äußerst selten weiß.

Ist das Wetter das größte Problem bei der Suche?

Das Wetter ist tatsächlich das größte Problem für die Besatzungen der Flugzeuge. Im Moment ist es noch relativ trüb in der Region, in der gesucht wird. Aber die Wolkendecke liegt nicht mehr sehr tief. Das heißt: Die Flugzeuge können im Moment unter den Wolken fliegen und unter den Wolken ist es klar. Deswegen können sie relativ gut sehen.

Ist der hohe Wellengang beim Tieffliegen hinderlich?

Der Wellengang ist wirklich stark. Der erste Pilot, der heute zurückgekehrt ist, sprach von Wellen in Höhe von sieben bis acht Metern. Das behindert natürlich enorm die Sichtweite, weil man nur die Wellenberge sehen kann. In die Wellentäler kann man gar nicht reinschauen, wenn man so tief fliegen muss.

Welche Schwierigkeiten kommen noch auf die Piloten zu?

Solch eine Suche ist eine frustrierende Geschichte, weil man bei weitem nicht überblickt, was man überblicken möchte. Selbst wenn man etwas höher fliegt. Ein Problem ist die Erdkrümmung. Man sieht natürlich immer nur bis zum Horizont. So ein Trümmerteil ist ein ziemlich kleines Objekt. Man hängt in diesem Flugzeug mit Ferngläsern und sucht die Wasseroberfläche ab. Die Piloten haben keine andere Aufgabe, als im Zickzack eine bestimmte Fläche nach einem vorherberechneten Kurs abzufliegen.

Gab es Suchaktionen die ähnlich schwierig waren wie die nach der Boeing 777?

Der Absturz der Air France 447 war zumindest ähnlich. Das war vor ziemlich genau fünf Jahren, 2009 im Atlantik. Das Flugzeug war auf dem Weg von Brasilien nach Paris. Damals hat man Wrackteile auch erst nach ungefähr zehn Tagen gefunden. Die beiden sogenannten Blackboxen sind erst nach zwei Jahren gefunden worden.

Ist ein großes Wrackteil resistent gegen Wellenbewegungen im Meer, oder muss man damit rechnen, dass es sich um viele Kilometer bewegt?

Es ist überhaupt nicht resistent gegen irgendwelche Meeresströmungen und das ist das entscheidende Problem im Moment. Ein Ozeanologe von Tasmanien hat errechnet, dass diese Teile sich seit der Ortung mehrere hundert Kilometer bewegt haben können. Sonst wäre das Suchen einfach. Man kannte ja die Koordinaten, als der Satellit die Bilder gemacht hat.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei den Teilen um das vermisste Flugzeug handelt?

Die Wahrscheinlichkeit ist vor allen Dingen aus zwei Gründen ziemlich hoch: Das größte der gesichteten Teile hat mit 24 Metern ziemlich genau die Länge einer Boeing 777 Tragfläche. Der andere Punkt ist, dass dort, wo die Blechteile von dem Satelliten fotografiert worden sind, genau die Region ist, die man als Absturzstelle des Flugzeugs errechnet hatte. Genau dort hätte der Treibstoff zu Ende sein müssen.

Wie werden die Behörden weiter vorgehen?

Die Suchflüge werden fortgesetzt. Sechs Flugzeuge sind im Einsatz. Für jedes Flugzeug bleiben aber nur zwei Stunden Suchzeit, da sie vier Stunden zu der Stelle und vier Stunden zurück fliegen müssen. Deshalb fliegen sie auch gestaffelt im Abstand von zwei Stunden los.

Und unten suchen Schiffe nach dem Wrack?

Eines ist schon angekommen. Das ist ein ziviles norwegisches Schiff. Chinesische Schiffe und ein australisches Marineschiff sind unterwegs. Das norwegische Schiff war eigentlich unterwegs nach Südafrika, bleibt aber jetzt bis auf weiteres im Suchgebiet und hilft dort bei der Suche.

Sehen die Schiffe mehr als Flugzeuge?

Das kann man nicht vergleichen. Schiffe sehen deutlich weniger. Sie können nur über ihre Radargeräte orten, aber auch das ist unwahrscheinlich. Man hält das norwegische Schiff, glaube ich, aus einem anderen Grund in der Region. Sollte da nämlich von Flugzeugen tatsächlich was gefunden werden, kann ein Flugzeug nur den Punkt lokalisieren. Dann bittet man das nächste Schiff, dort hinzufahren.

Dieter Herrmann arbeitet als Journalist in Australien. Der Luftfahrtexperte war selbst Pilot und suchte einst in der Nordsee im Flugzeug nach einem verschollenen Fischerboot.

Das Interview führte Christian Ignatzi

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