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Politik

Herrchen besucht Pudel

US-Präsident Bush reist am Dienstag (18.11.) zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Großbritannien . Die Sicherheistvorkehrungen sind enorm, denn viele Briten wollen Bush einen heißen Empfang bereiten.

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In dem Film "Love Actually" spielt Hugh Grant einen britischen Premierminister, der dem amerikanischen Präsidenten die Leviten liest. Man habe es satt, sich ständig von den Amerikanern herumkommandieren zu lassen, sagt er dem fiktiven US-Präsidenten vor aller Öffentlichkeit ins Gesicht und avanciert dafür prompt zum Helden der Nation.

Präsident Bush weiß, dass ihm dies mit Sicherheit nicht passieren wird, wenn er in dieser Woche zum Staatsbesuch an die Themse reist. Aber er kann sich auf einen heißen Empfang einstellen. Mehr als hunderttausend Menschen wollen in London gegen den ungeliebten Freund von der anderen Seite des Atlantiks demonstrieren. Und selbst die Gastgeberin, Königin Elisabeth II., dürfte nicht besonders amüsiert sein.

Erkennungsmarke für die Queen?

Nach Informationen der BBC soll sie auf Geheiß der Sicherheitsbehörden selbst eine Erkennungsmarke tragen während die Bushs in den königlichen Gemächern von Buckingham Palace übernachten. Wer weiß schon, ob jeder der mehreren hundert Secret Service-Agenten Bushs die "Queen" so ohne weiteres erkennt. Umbauten, die ihren Palast eigens für den Staatsgast in einen bombensicheren Luftschutzbunker verwandelt hätten, gingen der Königin dann allerdings doch zu weit.

Zwar verbindet Großbritannien und die USA schon seit langem die berühmte "special relationship" - doch der Irak-Krieg war auch in der britischen Bevölkerung höchst unpopulär. Premierminister Tony Blair hat den Amerikanern dennoch die Stange gehalten, was ihm nicht unbedingt mehr Freunde eingebracht hat. Der bevorzugte transatlantische Partner der USA zu sein bedeutet dem Briten viel. Diese Achse will man nicht von aktuellen politischen Stimmungen abhängig machen.

Zeichen des "goodwill" erwartet

Dennoch hat man keinerlei Grund sich vor den Amerikanern zu verstecken. Die britischen Soldaten in der südlichen Besatzungszone im Irak machen einen guten Job, das bestätigt ihnen auch die US-Regierung. Bislang blieb der von ihnen kontrollierte Teil von einem Guerillakrieg wie im sunnitischen Dreieck, das von den USA kontrolliert wird, weitgehend verschont. Präsident Bush braucht die Briten außerdem als politisches Gegengewicht zu Frankreich in der Europäischen Union. Premierminister Blair weiß also, dass er von Bush ein Zeichen des politischen "goodwill" erwarten darf. Nur so kann er das Image loswerden, Bushs Pudel zu sein, als den ihn die britische Presse gelegentlich karikiert.

Dieses Entgegenkommen könnte es in der Frage der Guantanamo-Häftlinge geben. Unter ihnen sind einige britische Staatsbürger, die man im Königreich unter keinen Umständen vor US-Militärtribunalen wiedersehen will. In einem jedoch ist der Einfluss Blairs auf Bush begrenzt. Wenn es darum geht für die Sicherheitsinteressen Amerikas erneut in den Krieg zu ziehen , würde Bush keinen Moment zögern, ließ er in einem Interview das Massenblatt "The SUN" wissen. Zur Not auch allein, ohne seinen treuesten Verbündeten.