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Sprachbar

Herr Ober, zahlen bitte!

Nach jedem Restaurant- oder Kneipenbesuch wartet sie auf einen: die Rechnung. Aber wie komme ich an sie heran? Mit manchen Aufforderungen kann man sich ganz schön in die Nesseln setzen.

Eigentlich haben wir heute keine Lust zu kochen. Was tun? Den Pizzadienst kommen lassen? Der war erst vorletzte Woche da. Vielleicht nebenan in die türkische Dönerbude gehen? Die Fleischspießbrötchen hatten wir erst am Samstag. Nein, dieses Mal muss es was Deftiges, gut Deutsches sein. Also, ab in ein Brauhaus. Das ist nicht weit entfernt, und wir machen uns auf.

Wie heißt es richtig?

Ein Kassenzettel

„Herr Ober, die Rechnung bitte!“

Es herrscht Trubel, als wir das Lokal betreten. Zwei freie Plätze sind schwer zu finden, aber wir haben Glück. Nach intensivem Studium der Speisekarte entscheiden wir uns für ein kalorienreiches Eisbein. Das muss auch mal sein – schlanke Linie hin oder her. Nach etwa drei Stunden, in denen wir uns den höchsten, typisch rheinischen Gaumenfreuden hingeben durften, entscheiden wir zu gehen. Aber erst muss gezahlt werden. Das Brauhaus hat sich inzwischen geleert. Ungewollt laut erschallt der Ruf meiner Begleitung: „Herr Ober, die Rechnung bitte!“ Statt des herbeigerufenen Herrn Ober kommt eine Kellnerin und guckt uns ziemlich unfreundlich an.

Goethes Gedicht „Dem Kellner“ kommt mir spontan in den Sinn: „Setze mir nicht, du Grobian, den Krug so derb vor die Nase! Wer mir Wein bringt, sehe mich freundlich an, sonst trübt sich der Eilfer im Glase.“

Belehrungen erster Teil

Bild von der katholischen Mutter Maria Bernarda Bütler

Eine Mutter Oberin...

„Sie wissen, dass man das nicht mehr sagt“, meint die Kellnerin zu uns. Vom Aussehen und Alter erinnert sie mich an eine frühere Deutschlehrerin. „Der Begriff Ober – übrigens eine Abkürzung für Oberkellner – ist völlig veraltet. Genauso wie das Fräulein. Früher bezahlte man auch nur beim Oberkellner, weil er der Chef des gesamten Serviceteams war.“

Das kann doch nicht wahr sein, denke ich mir. Diese Belehrungen. „Den Begriff Kellner oder Kellnerin lasse ich ja noch gelten“, sprudelt die Bedienung weiter. „Können Sie sich vorstellen, dass mich zuletzt jemand als Frau Oberin angesprochen hat. Sehe ich etwa aus wie die Leiterin eines Nonnenklosters?“ In diesem Moment liegt mir nur ein „Ja“ auf der Zunge, das ich mir allerdings höflich verkneife.

Belehrungen zweiter Teil

Eine Kellnerin in einem Lokal mit Auißenwirtschaft nimmt an einem Tisch mit Gästen eine Bestellung auf

In der Umgangssprache weiter üblich: Die „Kellnerin“ nimmt eine Bestellung auf

Nun, die Leute am Nebentisch scheinen die Ausführungen der – ich nenne sie jetzt Frau Oberin – jedenfalls interessant zu finden. Sie schauen in unsere Richtung und hören zu. Bestärkt darin, dass ihre Erklärungen offenbar auf Interesse stoßen, fährt die Frau Oberin fort:

„Seit 1980 sind wir ja offiziell Restaurantfachleute, aber in der Umgangssprache hat sich leider Kellner und Kellnerin und kellnern für die Tätigkeit der Bedienungen in Restaurants, Gaststätten, Bars und Bierkneipen gehalten. Und wo wir jetzt gerade dabei sind. Soll ich Ihnen noch etwas sagen? Nehmen Sie dem „Kellner“ mal das n weg. Na was bleibt dann? Richtig: Keller. Der Keller.“

Belehrungen dritter Teil

Weinkeller auf Schloss Seggau. Bild: cc-by-sa-Norbert Kaiser

Gut gelagert im unterirdischen Keller: Wein

In diesem Moment will ich fragen, ob sie vielleicht einmal Deutsch unterrichtet hat. Aber ich verkneife mir die Frage und trinke noch einen Schluck Kölsch. Frau Oberin wird an einem anderen Tisch verlangt und verspricht uns, sofort zurückzukommen. Wir nutzen die unerwartete Ruhe zur geistigen Entspannung und werfen uns fragende Blicke zu. Woher weiß unsere Kellnerin das bloß alles? In diesem Moment kommt sie zurück und setzt ihre Ausführungen fort, als ob sie gar nicht weggewesen wäre.

„Der Keller – lateinisch cellarium, althochdeutsch kellari, keller, kelre und mittelhochdeutsch keller – war in der Antike ein oberirdischer Vorratsraum, eine Art Speicher. Der Kellner war ursprünglich der Vorsteher eines Vorratshauses, cellarius oder cellerarius genannt, der sich um alles kümmerte.

Belehrungen vierter Teil

Ein antiker Teller, auf dem ein Mundschenk (rechts) zwei weiteren Personen Wein serviert

Wein aus der Hand eines „Kellerknechts“

In diesen cellarien, diesen Vorratsräumen, wurden Gemüse, Obst, Öl und Wein nicht nur gelagert, sondern auch verkauft. Aus cellarius wurde im Laufe der Jahrhunderte der Kellerer, der die Aufsicht über die Weinberge hatte. Noch heute weist der deutsche Nachname Kellerer oder Keller daraufhin, dass die Vorfahren einmal ein solches Amt bekleideten. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff Kellner für eine Servicekraft verwendet.“

Mein Verdacht, dass es sich tatsächlich um eine frühere Deutsch- und Lateinlehrerin handeln könnte, erhärtet sich. Ihre Erklärungen von eben rufen mir die netten Anekdoten aus dem alten Rom wieder ins Gedächtnis, die uns unser Lateinlehrer immer erzählt hatte.

Belehrungen fünfter Teil

Ein Ratskeller mit der Aufschrift Ratskeller an einem Rathaus

Ratskeller: ein Ort für leckere Spezialitäten aus der Region

„Der Keller“, so die uns bedienende „Oberlehrerin“, „wurde erst zu dem, was er heute ist, als die Städte entstanden: ein unterirdischer Raum. Der Wohnraum war begrenzt, also baute man sowohl in die Höhe als auch in die Tiefe.

So entstanden auch die unterirdischen Weinkeller. Ein Kellerknecht sorgte dafür, dass den Gästen in der Gaststube der gekühlte Rebensaft serviert wurde. Und diese Form von Kellerwirtschaften finden Sie noch heute in Form der Ratskeller – und fast jede deutsche Stadt hat einen Ratskeller. Dort gibt es in der Regel Spezialitäten aus den jeweiligen Regionen sowie Bier und Wein. So, jetzt habe ich Sie aber genug aufgehalten. Eine alte Berufskrankheit. Ich war früher einmal Lehrerin.“ Ihr Gesicht ist nun merklich entspannt. „Ach, Sie wollten ja zahlen und wussten nur nicht wie! Am unverfänglichsten ist einfach nur Zahlen, bitte! zu sagen.“

Ein Eilfer zum Schluss

„Zahlen bitte!“, sage ich zu ihr. „Aber eine Frage habe ich noch an Sie: Haben Sie vielleicht einen Eilfer?“ „Was ist das denn?“, entgegnet sie, und dieses Mal stehen ihr die Fragezeichen auf der Stirn geschrieben. „Nun, ein Jahrgangswein aus dem Jahre 1811, dem Goethe in seinem Gedicht Dem Kellner ein Denkmal gesetzt hat!“




Fragen zum Text

Ober ist …
1. die Abkürzung für Oberkellner.
2. ein Adjektiv, das als Attribut verwendet wird.
3. ein Militärrang.

Das Wort Keller basiert nicht auf einem … Wort.
1. lateinischen
2. mittelhochdeutschen
3. slawischen

Ratskeller sind …
1. Gaststätten, in denen man Spezialitäten aus der Region essen kann.
2. Gebäude, in denen der Rat einer Stadt seine Versammlungen abhält.
3. Räume, in denen Menschen mit Problemen Ratschläge erteilt werden.


Arbeitsauftrag
Sucht alle Komposita und Redewendungen zu Keller und Kellner im Lexikon heraus. Verfasst eine eigene kleine Geschichte, in der ihr alle entsprechenden Wörter und Redewendungen verwendet.

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