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Asien

Herr Li baut um

Multimilliardär Li Ka-shing strukturiert sein Firmenimperium um. Unternehmenssitz seiner neu geordneten Konzernteile wird aber nicht mehr Hongkong sein. Die Anleger sind begeistert, Peking zeigt sich verschnupft.

Er ist der reichste Mann Asiens und seit dieser Woche ist er noch ein bisschen reicher: Hong Kongs Investorenlegende Li Ka-shing lagert den Immobilienbesitz aus seinen beiden Mischkonzernen Hutchison Whampoa und Cheung Kong aus und fasst sie in einer neuen Aktiengesellschaft zusammen. Allein die Bekanntgabe dieses Schachzugs machte ihn an nur einem Tag um zweieinhalb Milliarden US-Dollar reicher: Als sich die Nachricht an der Börse herumsprach, gingen die Kurse durch die Decke: die Aktien von Hutchison Whampoa legten an nur einem Handelstag (12.1.) um zwölfeinhalb Prozent zu, die von Cheung Kong stiegen um 15 Prozent.

Im Rahmen der Umstrukturierung entsteht der neue Konzern CK Hutchison Holdings, während das gesamte Immobiliengeschäft als CK Property an die Börse gebracht werden soll. Li Ka-shings milliardenschwerer Gemischtwarenladen Hutchison Whampoa, dessen Aktien seit 1978 an der Börse von Hong Kong gelistet sind, und in dem bislang die Beteiligungen an Energieversorgern, Häfen, Handels- und Telekom-Unternehmen gebündelt waren, wird vom Kurszettel verschwinden.

Mehr als ein Konzernumbau?

Hongkong Gebäude der Bank of China, Cheung Kong Center und HSBC

Teil der Skyline von Hong Kong: Li Ka-shings Wolkenkratzer Cheung Kong Centre (Bildmitte)

Neuer Konzernsitz werden die Cayman Islands sein. Ob das als Botschaft in Richtung Peking zu werten ist – darüber wurde zuletzt in Hongkong lebhaft diskutiert. Während der Blockade zentraler Teile Hongkongs durch die Occupy Central-Protestbewegung im Herbst 2014 hatte die Staats- und Parteiführung in Peking wiederholt versucht, führende Geschäftsleute wie Li Ka-shing zu einer scharfen Verurteilung der Demonstranten zu bewegen. Li blieb jedoch in seinen Äußerungen eher zurückhaltend und rief die Occupy Central-Teilnehmer lediglich dazu auf nach Hause zu gehen, damit "aus der Leidenschaft von heute nicht die Reue von morgen wird". Allerdings ließ der 86-Jährige die Öffentlichkeit Mitte Januar auch wissen, man müsse die von den Occupy-Aktivisten kritisierte Wahlreform schnell verabschieden, sonst würden alle Menschen in Hongkong darunter leiden - auch er. "Wenn es keinen ersten Schritt gibt, wie soll dann der zweite Schritt erfolgen? Wie können wir dann die Demokratie voranbringen?", sagte Li im Anschluss an die Pressekonferenz, auf der er den Konzernumbau und -Umzug bekannt gegeben hatte.

Verbale Attacken aus Peking

Jack Ma

Pekings Liebling, Alibaba-Gründer Jack Ma

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der reiche Herr Li aus Hongkong in Peking nicht mehr wohlgelitten ist. So war in einem Kommentar der parteinahen "Global Times" zu lesen: "Li hat für seine Generation Wunder gewirkt, aber Jüngere wie (Alibaba-Gründer) Jack Ma scheinen besser in der Lage zu sein, sich auf die Umbrüche in China einzustellen und risikoreiche Entscheidungen zu treffen…"Er (Li) hat sich den Spitznamen 'Superman' zwar verdient, aber in Zukunft scheint er nicht mehr als Leithammel geeignet zu sein", ließ die "Global Times" verlauten.

Westliche Anleger setzen dagegen weiter auf das goldene Händchen bei Lis Investments: "Wenn ich etwas gelernt habe in den letzten 20 bis 25 Jahren, dann ist es, Li Ka-shing zu folgen", sagte Peter Churchouse, der seit 1980 von Hong Kong aus die Immobilienmärkte Asiens verfolgt, im US-Finanzsender CNBC.

Bereits 2013 hatte Li damit begonnen, seine Beteiligungen auf dem überhitzten Immobilienmarkt in China immer weiter zurückzufahren und sein Geld vor allem außerhalb Asiens zu investieren. Besonders sein Ausstieg bei der Nobel-Immobilie Pacific Century Place in Peking im April 2004 hatte für Aufsehen gesorgt. Innerhalb eines Jahres trennte sich Li außerdem vom Metropolitan Plaza in Guangzhou, dem Oriental Financial Center in Shanghai, und dem International Financial Center in Nanjing - für insgesamt knapp drei Milliarden US-Dollar.

China Pacific Century Place in Peking

Von Li abgestoßen: Pacific Century Place in Peking

Vermögensverwalter Richard Harris erinnert an Lis legendäres Timing bei Investment-Entscheidungen: "Er ist allen anderen meilenweit voraus. Ich glaube, was er mit dem Konzerumbau bezweckt, ist die Internationalisierung seines Unternehmens, ein globales Unternehmen mit fast 300.000 Mitarbeitern. Das ist ziemlich groß. Also, warum sollte er sich an Hong Kong binden, das vergleichsweise klein ist?"

Alte und neue Nummer Eins in Asien

Nicht nur in Hongkong gehören dem hochbetagten Konzernlenker mit der Hornbrille unzählige Immobilien oder Unternehmen wie der Versorger Hongkong Electric: In Deutschland ist er an der Drogeriekette Rossmann, in den USA an Facebook beteiligt.

Ende 2014 hatte Pekings Liebling, Alibaba-Gründer Jack Ma, kurzfristig Li Ka-shing als reichsten Mann Asiens überholt. Doch seit der aktuellen Kursrallye nach der Verkündung des Konzernumbaus liegt Superman Li mit einem Privatvermögen von mehr als 30 Milliarden US-Dollar wieder deutlich vorn.

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