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Kultur

Hermann Görings Ausweis unterm Hammer?

In vielen Fällen steht Recht gegen Moral: Der Handel mit NS-Objekten ist fast überall auf der Welt legal, öffentliche Auktionen sind aber selten. In Paris sorgte eine geplante Versteigerung nun für Diskussionen.

Hermann Görings Ausweispapiere, ein Zierdeckchen mit Hakenkreuzen und Reichsadler, Geschirr aus Adolf Hitlers Küchenschrank – Das Pariser Auktionshaus

Vermot de Pas

wollte Ende diesen Monats persönliche Besitztümer aus Hitlers bayerischer Alpenresidenz Berghof am Obersalzberg und dem benachbarten Haus von Göring versteigern. Französische Soldaten hatten sie nach Kriegsende in die Republik gebracht.

In Frankreich sorgte die geplante Versteigerung für Empörung. Jüdische Organisationen liefen Sturm und erhielten großen Zuspruch seitens Bevölkerung und Politik. Das Auktionshaus verzichtete schließlich auf die Auktion, was die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti als eine "aus historischer und moralischer Sicht notwendige Entscheidung" bewertete.

Angst vor Personenkult

Hitler und Göring im Haus der Deutschen Kunst 1937

Adolf Hilter und Hermann Göring im Haus der Deutschen Kunst 1937

Für die größte jüdische Organisation Frankreichs

CRIF

ist der Auktionsstopp ein Schritt in die richtige Richtung, aber bei weitem noch nicht genug. Vizepräsident Yonathan Arif bekräftigt im DW-Interview, man sei nicht grundsätzlich gegen den Verkauf von NS-Objekten. Die Gegenstände dürften nur nicht von jedem Ottonormalverbraucher wie jedes andere Produkt erworben werden. "Wir wollen nicht, dass ein Personenkult mit diesen Objekten betrieben wird." Die CRIF fordert, dass nur Museen und anderen historischen Institutionen der Kauf von NS-Devotionalien erlaubt wird.

Auch in Deutschland ist der Erwerb und der Besitz von Gegenständen aus der NS-Zeit völlig legal - solange alle Nazi-Symbole fein säuberlich abgeklebt sind, denn das Tragen oder öffentliche Zeigen von Nazi-Symbolen ist verboten. In Italien, England oder auch den USA hingegen müssen die Nazi-Symbole noch nicht einmal verdeckt werden. In Deutschland regelt Paragraf 86 des Strafgesetzbuches zudem, dass solche Objekte nicht eingeführt oder hergestellt werden dürfen. Und trotzdem floriert der Handel. So landen historische Orden, Uniformen, Waffen oder Bücher auf Flohmärkten, im Internet oder auf sogenannten Militaria-Auktionen. Die meiste Ware kommt aus Polen.

Sammlerkreise zahlen Höchstpreise

NS Orden

Verbotene NS-Symbole in einer Ausstellung des Verfassungsschutz

"Den Markt mit NS-Objekten gibt es schon seit langem", erklärt der deutsche Kunsthistoriker Hans Ottomeyer. Vor allem in Deutschland und den Vereinigten Staaten gäbe es Sammlerkreise, die zu Höchstpreisen NS-Objekte erwerben. Eine SS-Uniform geht da locker für ca. 4000 Euro weg. Allerdings sei der Handel in Deutschland in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen. "Man muss außerdem darauf hinweisen, dass mittlerweile viel gefälscht und ummontiert wird", so Hans Ottomeyer. Etwa zehn bis 20 Prozent der Waren seien Imitate.

Als ehemaliger Präsident der Stiftung des deutschen historischen Museums in Berlin hat Hans Ottomeyer über sieben Ausstellungen über das Dritte Reich mitorganisiert, "immer unter der Prämisse, dass es besser ist, etwas anzusprechen und zu erörtern, als zu verbergen und zu verschweigen." Für Hans Ottomeyer sei es eine bittere Pflicht gewesen. Die Ausstellungen sollten nicht zur Identifikation und zur Verherrlichung beitragen, sondern den Besucher ein klares und kritisches Bild vermitteln. Etliche Besucher strömten in das Berliner Museum und niemand nahm in diesem historischen Rahmen Anstoß an den Exponaten.

Kein generelles Verbot

Nazi Schmuck

Gestohlener Nazi-Schmuck

Schwierig wird es, wenn Objekte aus der NS-Zeit in den Privatbesitz gelangen. Bei den meisten Sammlern handelt es sich zwar nicht um Rechtsextreme, dennoch kann niemand nachvollziehen, wozu die Objekte gebraucht oder missbraucht werden. Die deutsche Politik diskutiert bereits seit Jahrzehnten über den richtigen Umgang mit NS-Devotionalien. Trotz der regelmäßig aufflammenden Kontroversen bleibt der Handel mit NS-Devotionalien aber weiterhin erlaubt.

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