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Kultur

Hermann der Überläufer

Vor 2000 Jahren hat Hermann den römischen Feldherrn Varus bei Osnabrück vernichtend geschlagen. Lange Jahre wurde er dafür verehrt. Doch seine Motive waren nicht besonders selbstlos, zeigt jetzt eine Ausstellung.

Darsteller der Varusschlacht (Foto: K.K.)

Glück gehabt: Diese Germanen spielen die Schlacht nur nach

Eines steht fest: Bei dem Ort Kalkriese nahe Osnabrück wurde vor rund 2000 Jahren eine Schlacht geschlagen. Die Frage ist nur: welche? Dass es die berühmte Schlacht der Römer unter ihrem Feldherrn Varus gegen die Germanen war, mit denen sich der römische Statthalter Quintilius Arminius, in der deutschen Mythologie als Hermann der Cherusker bekannt, verbündet hatte, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen. Allerdings nimmt Kalkriese unter den rund 700 Orten, die man im Laufe der Zeit als angebliche Schlachtstätten ins Spiel gebracht hat, den ersten Platz ein. Denn nur hier wurden Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Reste von Wehrbauten und auch menschliche Überreste gefunden, die es zumindest plausibel erscheinen lassen, diesen Ort als Schauplatz dieser gewaltigen Schlacht anzunehmen.

Schlachtgemälde von Peter Janssen d. Ä. (1870-73)

Keine Schlacht, ein Gemetzel: Gemälde von Peter Janssen (entstanden 1870-73)

Vernichtende Niederlage

Was war geschehen? Wenige Jahre vor Christus hatte sich das römische Imperium enorm ausgedehnt. Seine nördliche Grenze bildete der Rhein. Im Jahre 12 vor Christus rückten die römischen Armeen noch weiter vor, überquerten sogar die Elbe. In Germanien brachen darauf Unruhen aus, die Varus niederschlagen sollte. Wohl im September des Jahres 9 wurde er mit seinem Heer auf dem Gebiet des heutigen Kalkriese von den Germanen überraschend angegriffen. Die 17., 18. und 19. Legion, die ihm unterstanden, wurden geschlagen – und zwar so vernichtend, dass die Römer fürs erste nicht mehr daran dachten, das Gebiet der Germanen unterwerfen zu wollen.

Arminius wechselt die Seiten

Möglich war dieser Sieg nur, weil die Germanen einen Verbündeten hatten, der die römische Kriegsstrategie bestens kannte: Quintilius Arminius. Er hatte viele Jahre im römischen Militär gedient und höchste Ränge bekleidet. Warum er sich dann aber gegen Rom wendete, ist bis heute nicht restlos geklärt. Dass er auf Kriegsbeute hoffte, ist unwahrscheinlich: Als Statthalter Roms hätte er ungleich reicher werden können. Eher kann man annehmen, dass er sich am Ende seiner Karriereleiter sah, denn im römischen Reich hatten sich seine Aufstiegsmöglichkeiten erschöpft. So verbündete er sich mit den Germanen – und zwar auf eine derart diskrete Art, dass kaum jemand in der römischen Heeresleitung nur auf den Gedanken kam, dass Arminius ein doppeltes Spiel treiben könnte. Als ein Anhänger von Varus diesem hinter vorgehaltener Hand mitteilte, Arminius habe sich auf die Seite der Feinde geschlagen, wollte dieser von solchen Verdächtigungen nichts hören.

Darsteller der Varusschlacht (Foto: Kersten Knipp)

Varusschlacht zum Nachspielen - im Park Kalkriese

Das Vertrauen kostete Varus und tausende seiner Soldaten in den Kämpfen mit den Germanen am Ende das Leben. Allerdings führt der Begriff "Schlacht" in die Irre. Eher handelte es sich um ein drei Tage und Nächte anhaltendes Gemetzel, in dem die völlig überraschten Römer sich nach Kräften, aber vergeblich verteidigten. Doch neben den Waffen der Germanen setzten ihnen ebenso Wind und Regen sowie mangelnde Ortskenntnis zu.

Eindrucksvolle Ausstellung

Die Ausstellung "Imperium. Konflikt. Mythos" im Museum und Park Kalkriese setzt diese Schlacht eindrucksvoll ins Szene. Der Spaziergang durch das sorgsam hergerichtete Gelände gibt einen Eindruck von den Fronten und Schlachtplätzen und lässt die Notlage erahnen, in die die Römer geraten waren. Gleich zwei Ausstellungen dokumentieren in Kalkriese die Funde, die insbesondere in den letzten 20 Jahren zusammengetragen worden sind. Zwei weitere Ausstellungen in Detmold und Haltern am See dokumentieren die Schlacht und ihre Folgen zusätzlich.

Blick auf den zentralen Bereich der antiken Schlacht im Osnabrücker Land (Foto: dpa)

Hier soll sich die Varusschlacht abgespielt haben.

Heutzutage, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag (15.05.2009) auf der Eröffnungsfeier in Kalkriese, lebten die Germanen oder besser deren deutsche Nachfahren in Frieden. Diesen Frieden hätten sie allerdings nicht aus eigener Kraft bewerkstelligen können. Dazu hätte es vielmehr des europäischen Gedankens bedurft. Das erklärt auch, warum die Deutschen heute mit Arminius alias Hermann nicht mehr allzu viel anzufangen wissen. Er war eben kein Freiheitskämpfer, sondern betrieb den Krieg, um seinen politischen Ehrgeiz zu befriedigen. Solche Politiker will Europa sich nicht mehr leisten.

Autor: Kersten Knipp

Redaktion: Manfred Götzke

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