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Kultur

Herlinde Koelbl zeigt Feindbilder

Sechs Jahre lang besuchte Herlinde Koelbl Truppenübungsplätze in fast 30 Ländern. Sie fotografierte, worauf Soldaten zielen. Die Bundeskunsthalle widmet den "Targets", den nationalen Feindbildern, eine Ausstellung.

Immer wieder Menschen hat die Wahlmünchnerin aufs Korn genommen - mal mit der Foto- und Videokamera, mal mit dem Mikrofon, mal mit dem Bleistift. Bedingungslos neugierig näherte sie sich den - zumeist prominenten - Exemplaren der Spezies. Mit frappierender Direktheit hat sie hinter Fassaden geschaut, Milieus erkundet, Gefühls- und Gedankenwelten ausgelotet. Und schuf dabei Bilder von großer Schärfentiefe.

Die Fotografin Herlinde Koelbl. Foto: AP/Fritz Reiss

Spuren der Macht - Herlinde Koelbl vor Fotos von Angela Merkel

Über die Jahre entstanden Fotoserien, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Mächtige Männer wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, starke Frauen wie Kanzlerin Angela Merkel aber ebenso Künstler, Medienleute, Soldaten - sie alle hat Herlinde Koelbl auf die Platte gebannt. Für die Serie "Spuren der Macht" begleitete sie Polit-Talente wie Merkel über mehrere Jahre. Die Fotos lassen ahnen, was Macht aus Menschen macht. Ihre Bilder werden in auflagenstarken Zeitschriften gedruckt, füllten Ausstellungwände in Museen, Werbeplakate am Straßenrand oder finden sich zunehmend auf Internetseiten.

Zaungäste mit Abstand

Wie tickt die Welt? Was bewegt Menschen? Herlinde Koelbl will es wissen - und stellt Fragen. Sie tut das sprichwörtlich in ihrer Interviewserie für die Wochenzeitung "Die Zeit", die ihre prominenten Gesprächspartner in einer Mischung aus Direktheit und gesichtswahrender Einfühlsamkeit aufschließt. Offenbar liegt darin das Erfolgsrezept der Künstlerin - sie ist unsere Nahtstelle zu besonders kreativen, schlauen, ehrgeizigen und erfolgreichen Zeitgenossen. Wir werden zu Zaungästen, wenngleich mit Ab- und Anstand.

Ausstellung TARGETS Fotografien von Herlinde Koelbl. Foto: Herlinde Koelbl

Schießziele deutscher Soldaten, fotografiert von Herlinde Koelbl

Als Seelenforscherin könnte Herlinde Koelbl in die Fotografie-Geschichte eingehen. Bis dahin hält sie der Gesellschaft noch kräftig den Spiegel vor, indem sie Themenfelder abgrast und ganz nebenbei das eigene Innenleben erkundet. Ins Fotogeschäft war sie - nach einem Berufsstart in der Modebranche - als 30-jährige Späteinsteigerin geraten. Den Umgang mit der Kamera brachte sie sich selbst bei. Sie begriff das als Langzeitprojekt, wie überhaupt sie jeden ihrer künstlerischen Schritte von langer Hand plant und mit großer Geste ausführt.

Targets, Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn. Foto: Herlinde Koelbl

Libanesische Schießziele: Targets

Schießziele erklären Gesellschaft

Auch für "Targets", die jüngste Ausstellung in der Bonner "Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland", hat sie viel Zeit investiert. Bei Reisen in fast 30 Länder besuchte und fotografierte Herlinde Koelbl sechs Jahre lang Truppenübungsplätze. Die Pirsch nach landestypischen Schießzielen war schwierig. In China, Russland oder den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt sie Fotogenehmigungen erst nach hartnäckigen Verhandlungen.

Die mitgebrachten Fotos zeigen Feindbilder: Da schießen Soldaten im Libanon auf die Figur einer pistolenbewehrten jungen Frau mit wallendem schwarzem Haar, in Jeans und freizügigem rosa Top. Deutsche zielen auf dickbäuchige, Kleid tragende Pappkameraden inmitten einer Kuhherde. US-Schützen proben den Häuserkampf gegen vermummte Kapuzenpulliträger. "Die Schießziele sagen etwas über die Gesellschaft in den jeweiligen Ländern aus", sagt Herlinde Koelbl. Das klingt fast wie ihr fotografisches Manifest.

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