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Kultur

Hering, Wal und Kabeljau: Ozeaneum wird eröffnet

Stralsund lädt ein zur Erkundung der Kaltwassermeere. Im Ozeaneum können nun bald die kleinen und großen Meeresbewohner bestaunt werden. Dabei verfolgen die Museumsmacher auch ein ernstes Anliegen.

Vor dem Schwarmfischbecken (Quelle: Behnisch & Partner)

Vor dem Schwarmfischbecken

Die beschauliche Hansestadt Stralsund reizt nicht nur mit ihrer UNESCO-geschützten Altstadt, sondern auch mit einem prächtigen Meeresmuseum, das jährlich rund 600.000 Besucher anzieht. Ab kommendem Freitag (11.07.2008) ist die Stadt um eine weitere Attraktion reicher. Dann nämlich eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ozeaneum, eine Dependance des Meeresmuseums, das in attraktiver Hafenlage die Welt der europäischen Kaltwassermeere präsentieren wird.

Meeresbiologin Spindler vor einem Quarantänebecken für Lippfische und Seelachse (Foto dpa)

Bald können die Fische in ihr neues Heim im Ozeaneum umziehen

Noch wird auf allen Etagen eifrig gehämmert, gebohrt, geschweißt, gemalt, gesägt und verputzt: Endspurt im Ozeaneum, mit dem auf Stralsunds Hafeninsel die Moderne spektakulär Einzug gehalten hat. Denn zwischen liebevoll restaurierten Backsteinspeichern hat das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten ein luftiges Gebäudeensemble gesetzt, das an wasserumspülte Kieselsteine erinnert. Die weiße Fassade des Eingangsbereichs bläht sich auf wie ein Segel im Wind. Das Meer hat hier angedockt, und lädt zur Erkundung.

Artgerecht und publikumswirksam inszeniert

"Wir haben vor der Haustür einen unheimlich schönen Lebensraum, den wir den Besuchern näher bringen wollen", sagt die Meeresbiologin Gitta Spindler, die nun sorgsam darauf achtet, dass jeder Bewohner des Ozeaneums in das richtige Aquarium einzieht.

39 Aquarien gibt es insgesamt, die sich nicht nur in der Größe, sondern auch in Salzgehalt und Wassertemperatur unterscheiden. So wird der Besucher des Hauses auf eine Reise mitgenommen, die im Stralsunder Hafenbecken beginnt, durch Ostsee und Kattegat führt und schließlich im Polarmeer endet.

Präparatorin Goldbecher beim Bemalen eines zwei Meter großen Heilbutt aus Kunststoff (Foto dpa)

Täuschend echt sehen die präparierten Ausstellungsobjekte aus

Spindler schwärmt von den vielseitigen Hintergründen ihrer Schützlinge: "Wir haben sehr viele Tiere wirklich einzeln geholt; teilweise von Fischzüchtern in ganz Deutschland, andere Tiere haben wir wild gefangen in Norwegen und in Schweden."

Die Unterwasserwelt vor Helgoland mit ihren Taschenkrebsen, Hummern und Knurrhähnen kann man in einem Tunnelaquarium durchschreiten, während hinter einer in den USA gefertigten, 30 Zentimeter dicken und 80 Quadratmeter großen Scheibe Raubfische wie Dorsch und Katzenhai dafür sorgen werden, dass die rund 1500 Heringe das typische Schwarmverhalten zeigen. Etwa 150 Arten präsentiert das Ozeaneum, vom Seeigel über den Stichling bis hin zu Stör und Polarkrabbe.

Lernen steht im Mittelpunkt

Weil das Haus ausdrücklich Ort der Bildung sein möchte, sind all die Aquarien in Museumstrakte eingebettet, in denen multimediale Lichttische, Mikroskopierstationen und Studienmodelle den Blick fürs Detail schärfen und auf die Gefährdung des Lebensraumes Meer aufmerksam machen. "Bei uns hört man, dass ein Blauwal Schwierigkeiten hat, überhaupt noch einen Paarungspartner zu finden. Das ist einfach eine Information, die wir geben wollen, und die nachdenklich machen wird", erklärt Jens Oulwiger, der Pressesprecher des Hauses.

Das 60 Millionen Euro teure Gebäude des Ozeaneums haben Bund, Land und Stadt bezahlt. Seine Betriebskosten aber muss das Haus selbst erwirtschaften, für die Ausstellungen ist es bereits auf Sponsorensuche gegangen.

Die Umweltorganisation Greenpeace finanziert etwa die imposante Schau "Riesen der Meere". Für die haben Präparatoren und Bildhauer einen lebensgroßen, täuschend echten Blauwal, einen Orca sowie einen Buckelwal mit Kalb angefertigt. Mit einem Kran sind die Giganten in eine fast 20 Meter hohe Halle gehievt worden, von deren Decke sie nun herabhängen. Ein Pottwal im Kampf mit einem Riesenkalmar soll die Inszenierung noch ergänzen.

Und wenn dann das letzte Baugerät entfernt sein wird, pünktlich zur Eröffnung des Ozeaneums, werden die Besucher den Gesängen der Wale lauschen können und vielleicht den Wunsch verspüren, sich für deren Überleben zu engagieren.

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