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Herbstgeräusche

Der Herbst hat seine eigene Geräuschkulisse. Das Rascheln der Blätter und das Pfeifen des Windes sind typisch für diese Jahreszeit. Aber auch das Schniefen und Husten der erkälteten Mitmenschen gehören dazu.

"Es fällt das Laub wie Regentropfen / So zahllos auf die Stoppelflur;
Matt pulst der Bach wie letztes Klopfen / Im Todeskampfe der Natur."

Theodor Fontane lässt den Herbst hier sehr herb und traurig erklingen. Und in der Tat: Von seinen Ursprüngen her hat der Herbst etwas Abschließendes, sogar Einschneidendes. Er trennt uns vom Sommer.

Sch(n)eiden tut weh

Alte Quellen verweisen beim Herbst auf Wörter, die "schneiden" und "trennen" ausdrücken. Zum Beispiel das lateinische "scalpere" oder das indogermanische "sker". Und tatsächlich, man kann ihn hören.

Ein typisches Herbstgeräusch ist das Sausen der Sicheln und Sensen, das Brummen der Mähdrescher, das Dröhnen und Rumoren anderer Erntegeräte, die der Bauer einsetzt, im Herbst, der Erntezeit, wenn das Wetter es ihm erlaubt.

Alles fällt

Der Herbst bringt ein hörbar anderes Wetter: Das Pladdern, wenn Regentropfen auf nasses Laub und auf Hausdächer fallen, und das Plätschern und Gurgeln steigender Bäche. Der Herbst bringt auch das Plumpsen reifer und das Platschen überreifer Früchte auf den Boden; man hört das Ploppen und fast hölzerne Kullern der Kastanienfrucht aus ihrer stachligen Hülle nach dem Aufprall auf dem Waldboden.

Das Lachen der Kastanien sammelnden Kinder – auch das ist ein Herbstgeräusch. Trockenes Laub raschelt unter Füssen. "Gepflückt" hat die Blätter der Herbstwind, der durch die Baumkronen rauscht und – stärker werdend – durch die Zweige pfeift, so dass die Bäume zu ächzen scheinen. Und immer mehr Blätter segeln zu Boden – lautlos.

Milde Harmonie

Wer aber ein mürbes, welkes Blatt in die Hand nimmt, kann es knistern lassen, knistern wie ein Herbstfeuer im offenen Kamin. Sehr schön. So übel sind sie nicht, die Herbstgeräusche … Auch der "Todeskampf" der Blätter hat seine schönen Seiten. Und so klingt es bei Ludwig Uhland auch entsprechend anders als bei Fontane:

"Des Herbstes goldner Sonnenstaub / Umwebt der Reben üppig Laub,

Und aus dem Laube blinkt hervor / Der Winzerinnen bunter Chor."

Nun sind – zugegeben – Uhlands Blinken und Umweben nicht sehr hörbar, aber die Melodie, der sanfte Rhythmus des Gedichts lässt eine Ahnung aufkommen von milder Harmonie und den passenden gedämpften Geräuschen. Man meint sie zu hören, die Winzerinnen zwischen den Rebstöcken, und dazu unten vom Dorf herauf das beruhigende "Scht, scht, scht" des Reisigbesens …

Lautes Pusten

Doch was ist das für ein Röhren? Es ist ein sogenannter Laubbläser. Sobald die ersten Blätter von den Bäumen fallen, kommen – meist in orangenfarbenen Schutzwesten – städtische Angestellte und lassen vom ohrenbetäubenden Laubbläser alles wegpusten, was sich nicht festhalten kann. Der Laubbläser – ein moderner Herbstgeräuschemacher.

Der Nebel ist an und für sich geräuschfrei, aber wenn er "aus den Wiesen steiget wunderbar", kann er für wahre Geräuschorgien sorgen. Reifen quietschen, Bleche scheppern, das heißt: Wieder einmal hat sich ein Auto – wie es im Verkehrsmeldungsdeutsch heißt – mit "nicht den Verhältnissen angepasster Geschwindigkeit" über die Straße bewegt.

Schlimmes Husten

"Und der Wind verklagt die Erde, und klagend heult er um die Ecken, in enge Nasengänge wühlt er sich ein, Huuh macht er in den Stirnhöhlen, denn der Wind bekommt Prozente von den Nasendoktoren."

So verdächtig war Kurt Tucholsky der Herbstwind. Zu recht: Schniefen und Schnäuzen sind sehr "beliebte" Herbstgeräusche. Und Husten, ja Husten hört man auch.

In einem 200 Jahre alten medizinischen Ratgeber wird das sehr blumig beschrieben: "Die stinkenden, fressenden, scharfen Nebel legen sich im Munde, im Schlunde und in der Luftröhre an und werden solcher Gestalt mit dem Schleime in allen diesen Teilen vermischt." Na, dann Gesundheit. Und ab ins Bett!

Wie gewonnen, so zerronnen

Und da wir gerade im Bett sind: In den Herbst fällt in einigen Ländern auch die Umstellung der Uhrzeit von der Sommer- auf die normale Zeit. Das bringt – zumindest einmal – das Herbstgeräusch des erleichterten Seufzens. Eine Stunde ist "gewonnen", eine Stunde länger schlafen können. Klar, die Stunde ist bloß zurück gewonnen, aber was ist dieser leise Unsinn gegen die sogenannten Herbstgutachten? Sieben Wirtschaftsprofessoren zitieren alljährlich im Herbst daraus Sätze, in denen beispielsweise von "einer abflauenden Konjunkturerholung" die Rede ist. Da möchte man schimpfen wie einst Goethe:

"Eure Reden sind unerquicklich wie der Nebelwind, der herbstlich durch die dürren Blätter säuselt."

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Fragen zum Text

Welches Geräusch macht Herbstlaub?

1. Es raschelt.

2. Es plätschert.

3. Es pfeift.

Was macht eine Winzerin beruflich?

1. Sie sammelt Kastanien.

2. Sie pustet Laub weg.

3. Sie produziert Wein.

Welche Aussage stimmt nicht? In einigen Ländern wird im Herbst die Uhr …

1. eine Stunde zurückgestellt.

2. auf die Winterzeit umgestellt.

3. eine Stunde vorgestellt.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben jemandem einen Brief, in dem Sie erzählen, wie Sie einen für Sie typischen Tag im Herbst verbracht haben. Sie können zum Beispiel das Wetter beschreiben und die Natur, einen Spaziergang durch den Wald oder wie Sie einen Drachen haben steigen lassen. Oder Sie berichten darüber, wie anders der Herbst in Ihrem Heimatland gegenüber dem Herbst in Deutschland ist.

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