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Ernährung

Herbst-Heerwurm frisst südliches Afrika kahl

Er ist einer der gefräßigsten Schädlinge Nord- und Südamerikas. Jetzt hat er den Atlantik überquert. Wenn die Raupe satt ist, müssen die Menschen hungern.

Herbst-Heerwurm (gemeinfrei)

Heerwurm im Flecktarn: Die nimmersatte Raupe ...

Der Name klingt martialisch. Und das hat seinen Grund. Der Herbst-Heerwurm (auf Englisch: Fall armyworm) wird kaum vier Zentimeter groß. Doch wenn sich tausende dieser kleinen Schädlinge auf ein Feld stürzen, dann bleibt dem Landwirt nur der bleiche Schrecken - die Ernte ist dahin. Am liebsten mag die Raupe eines Falters, die auf Lateinisch Spodoptera frugiperda heißt, Mais.

Tatsächlich bewegen sich die Tiere wie eine Streitmacht. So, wie sie kommen, in geschlossener Formation, so ziehen sie auch wieder ab. Und sie überqueren sogar Ozeane. Wahrscheinlich wurde die Raupe, die in Amerika seit Jahrzehnten berüchtigt ist, als blinder Passagier nach Afrika eingeschleppt, per Luftfracht.

Dort kommt die Plage zur Unzeit: Der Süden des Kontinents erholt sich gerade von einer Dürre, von der 2016 rund 40 Millionen Menschen betroffen waren. Jetzt sollte es wieder gute Ernten geben. Doch dann fiel das Raupenheer ein.

"Wir können ihn nicht vernichten"

Wenn sich Spodoptera frugiperda weiter so schnell ausbreite, sei bald die Versorgungssicherheit gefährdet, sagt David Phiri, der Koordinator der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) für das südliche Afrika. Im Klartext: Es droht eine Hungersnot.

Die betroffenen Länder beraten auf einer Krisensitzung mit den Vereinten Nationen, was zu tun ist. Doch auch die drei Tage, auf die das Treffen in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, angesetzt ist, dürften nicht genügen, um eine Waffe gegen den Wurm zu finden. UN-Koordinator Phiri räumt ein: "Wir können ihn nicht vernichten."

Herbst-Heerwurm (CC by Andy Reago & Chrissy McClarren)

... verwandelt sich nach dreiwöchigem Labsal in einen Eulenfalter

Neben Pestiziden kommen auch traditionelle Methoden zum Einsatz. So heben die Bauern um ein befallenes Feld herum Gräben aus. Dann lassen sich die Raupen abtöten, wenn sie versuchen, auf benachbarte Äcker zu gelangen.

Krieg "Raupe gegen Bauer"

In Sambia sind schon 130.000 Hektar Mais betroffen, eine Fläche, die der Hälfte des Saarlands entspricht. Im benachbarten Simbabwe wütet der Wurm in neun von zehn Provinzen. Auch in Südafrika, wo ein Befall bisher nur als "wahrscheinlich" galt, hat der Krieg "Raupe gegen Bauer" inzwischen begonnen.

Simbabwe Landwirtschaft Tatenda Mapfumo (DW/C. S. Mavhunga)

Angst vor der Raupenarmee: Ein Landwirt in Simbabwe inspiziert seinen Mais (Archivbild)

Leider ist die Leibspeise des Wurms auch das Grundnahrungsmittel der Menschen: Mais ist im Süden des Kontinents der wichtigste Nährstofflieferant. Er wird beinahe auf drei Viertel der Ackerflächen gezogen. Die FAO schätzt, der Schädling könnte 70 Prozent einer Ernte vernichten.

Meister der Großoffensive

Die kleinen Soldaten sind Meister der Großoffensive. Die Raupen fressen sich etwa drei Wochen lang satt. Dann verwandeln sie sich in Eulenfalter (Noctuidae), die sich bei günstigem Wind rasch über hunderte Kilometer verbreiten. Für ihre Vermehrung sorgen sie dabei selbst - ein Weibchen legt bis zu 1000 Eier. Wegen des milden afrikanischen Klimas gehen die Schädlinge auch im Winter nicht an Frost zugrunde. Daher könnte es pro Jahr bis zu zwölf Generationen geben.

Anfang 2016 wurde der Herbst-Heerwurm erstmals in Nigeria nachgewiesen. Ein Jahr später ist er bereits rund 5000 Kilometer weiter südlich aktiv. Jetzt warnen Experten vor dem nächsten Kriegsschauplatz. Auch Europa, so die Forscher, sei keineswegs sicher: Für ihren nächsten Eroberungsfeldzug könnte die gefräßige Armee die Anrainerstaatem des Mittelmeers ins Visier nehmen. "Es wird wohl dazu kommen", erklärte unlängst Matthew Cock vom Zentrum für Landwirtschaft und Biowissenschaften (CABI) im englischen Egham. "Und wir können den Heerwurm nicht ausrotten."

jj/qu (dpa, afp)

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