1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Herbie Hancock: Der musikalische Innovator

Herbie Hancock hat die populäre Musik wie wenige andere geprägt und verändert. Der genreübergreifende Pianist, Komponist und mehrfacher Grammy-Gewinner wurde am 12. April 75 Jahre alt.

In der Musikindustrie heißt es: Man ist nur so alt wie man klingt. Keiner verkörpert den alten Spruch so energisch wie Herbie Hancock - der am 12. April 1940 in Chicago als Sohn einer Sekretärin und eines staatlichen Fleischinspektors geboren wurde.

Im Alter von 11 Jahren spielte der überaus begabte Pianist mit dem Chicago Symphony Orchestra als Solist bei einem Klavierkonzert Mozarts. Das war im Jahr 1951, und er war Afroamerikaner - was die Errungenschaft umso erstaunlicher machte.

Hancock wollte sich jedoch nicht auf die Musik der Vergangenheit beschränken: Ihn faszinierte die Zukunft - und Anno 1963 wurde die musikalische Zukunft immer noch von Miles Davis verkörpert. Davis lud ihn ein, in seinem legendären zweiten Quintett mitzuspielen. Bis 1968 dauerte die Zusammenarbeit. Unzufrieden damit, lediglich mitzuwirken, entwickelte Hancock gleichzeitig seine Solokarriere mit zwei Alben, die Meilensteine in der Entwicklung des Jazz markieren sollten: "Empyrean Isles" (1964) und "Maiden Voyage" (1965).

Hancock mit dem Berliner Jazzmusiker und -förderer Sedal Sardanim Berliner Jazzclub A-Trane. Copyright: A-Trane/Marc von Lüpke

Hancock mit dem Berliner Jazzmusiker und -förderer Sedal Sardanim im Berliner Jazzclub A-Trane

Generationsübergreifende Klänge

1969 verließ Hancock die relative Sicherheit des renommierten Jazz-Labels Blue Note Records und unterschrieb einen Vertrag mit Warner Brothers. Dort konnte er seinen Klang neu erfinden und neue musikalische Wege gehen.

Der Jazzer - stark vom Zukunftssound der Elektropioniere Kraftwerk aus Deutschland beeinflusst und seit seiner Kindheit von Maschinen und Technologie fasziniert - begann dann, mit Synthesizerklängen zu experimentieren und schuf futuristische Kompositionen auf den LPs "Mwandishi" (1971) und "Crossings" (1972). Der neue Funk-Sound von Sly Stone inspierte ihn dann, 1973 The Headhunters zu gründen. In dieser Band lotete er die Fusion von Jazz und Funk aus - einen Klang, der sein Markenzeichen werden sollte.

1983 kam die nächste musikalische Kehrtwende. Wieder waren die Puristen schockiert, als Herbie Hancock radikal anderes musikalisches Neuland betrat und sich damit einer neuen Generation vorstellte. Das neue Genre hieß Hip Hop, und das Album jenes Jahres - der den aussagekräftigen Namen "Future Shock" trug - brachte den symbolträchtigen Hip Hop-Anthem "Rockit" hervor. Mit dem Album gewann Hancock mehrere Preise des damals aufkommenden Musikfernsehkanals MTV.

"Einer der Großen"

Herbie Hancock spielt mit seiner Band in der Schweiz, 1974. Copyright: KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str

Feel the funk: Herbie Hancock spielt mit seiner Band in der Schweiz, 1974

"Musik zu spielen heißt für mich nicht, Virtuoso zu sein. Das ist unwichtig,” sagte Hancock 2007 in einem Interview. "Man braucht zwar einige technische Fertigkeiten. Aber die Musik selbst ist Instrument übergreifend. Ich interessiere mich nicht für das Klavier. Es geht um das Gefühl, das von einem Menschenleben zu einem anderen übertragen wird."

Hancocks Glaube an die Kraft der Musik jenseits unterschiedlicher Genres hat ihn zu einem der innovativsten und einflussreichsten Künstler seiner Generation gemacht. Paul McCartney hat ihn als "einen der Großen" gelobt, und Quincy Jones attestierte, dass er sich "jenseits aller Kategorien" bewegt. Der Gewinner von insgesamt 14 Grammys hat über 40 Studioalben aufgenommen. 2011 ernannte der UNESCO Herbie Hancock Sonderbotschafter für die Förderung des Interkulturellen Dialogs.

"Um meine Musik zu verstehen, muss man mich verstehen,” sagte er 2007. "Bevor ich mit dem Klavierspielen begann, interessierte ich mich für die Wissenschaft. Vor diesem Hintergrund und mit meinem neugierigen Kopf habe ich mich mit Synthesizern und Technologie so wohl gefühlt wie ein Fisch im Wasser. Ich habe keine Angst davor gehabt, habe all' diese Sachen mit Begeisterung angenommen. Damals hatte ich Angst vor nichts, heute auch nicht.”

Die Redaktion empfiehlt