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Musik

Herbert Grönemeyer: Der Ruhrpottbarde wird 60

Seit Anfang der 1980er-Jahre gehört Herbert Grönemeyer zu den erfolgreichsten deutschen Musikern. Er singt Lieder aus dem Leben und verarbeitet darin auch seine eigenen Schicksalsschläge. DW-Kultur gratuliert.

"Ich bin zwischen Liebe, musischer Zuneigung und ziemlicher Strenge groß geworden", befindet Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer. In Bochum wächst er auf, verdient im dortigen Schauspielhaus sein erstes Geld als Pianist, bricht nach fünf Semestern ein Studium der Musik- und Rechtswissenschaften ab, wird musikalischer Leiter am Schauspielhaus und arbeitet auch für Fernsehen und Film. Er produziert Platten und spielt Filmrollen ("Das Boot", 1981). Er ist begabt, kreative Unruhe begleitet ihn sein ganzes Leben.

Der frühe Song "Musik, nur wenn sie laut ist" ist eines seiner bekanntesten Lieder. Als er 1983 auf dem Album "Gemischte Gefühle" erscheint, interessiert es kaum einen. In dem Song um ein taubes Mädchen, das Musik nur durch Vibration erkennen kann, thematisiert Grönemeyer die Probleme von Menschen mit Behinderung. Gesellschaftliche Kritik aber ist etwas, das das breite Pop-Publikum nicht unbedingt hören will. "Ich muss mir den Arsch abspielen, damit keiner aus dem Saal geht und sich eine Currywurst holt", sagt Herbert damals. Konzerte werden abgesagt. Die erste Plattenfirma kündigt nach vier Alben den Vertrag.

Fehlentscheidung

Was für eine Fehlentscheidung! Denn nun kommt die große Kölner Plattenfirma EMI - und der Durchbruch. Grönemeyers Album "4630 Bochum" - benannt nach der alten Postleitzahl der Stadt im Ruhrgebiet - wird 1984 in Deutschland das erfolgreichste Album des Jahres. Nicht nur Bochum, sondern ganz Deutschland singt mit bei "Männer" oder "Flugzeuge im Bauch" - das Album ist der Startpunkt einer steilen Karriere. Herbie, wie er liebevoll von den Fans genannt wird, bleibt trotz seines Erfolges seiner Heimat verbunden, "Ruhrpottbarde" tauft ihn die Presse. Seine zweite Leidenschaft gehört dem Fußball.

Grönemeyer 2011 bei einem fernsehauftritt in der Show Wetten dass...(Photo by Johannes Simon/Getty Images)

Herbert Grönemeyer 2011 in der TV-Show "Wetten dass..."

Er schreibt Songs über Fallstricke und Freudentaumel des Lebens. "Sicherlich sind nicht alle Lieder selbst erlebt, ich mache ja keine Psychotherapie auf einer Platte. Es ist Eigenes gemischt mit kleinen Geschichten und Filmen", beschreibt Grönemeyer seine Lieder.

Aufruf zum Handeln

Grönemeyer bezieht auch politisch Stellung: gegen Raketen und Atomkraft, für den Erhalt von Stahlwerken im Ruhrpott und die finanzielle Unterstützung von Arbeitern. Parallel zu Bob Geldofs Kampagne "Make Poverty History" in Großbritannien startet Grönemeyer in Deutschland "Deine Stimme gegen Armut".

Er erinnert die Bundesregierung daran, dass sich Deutschland - wie alle anderen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen - verpflichtet hat, Millenniumsziele wie die Halbierung der extremen Armut in der Welt fristgerecht bis zum Jahr 2016 umzusetzen. Grönemeyers Talent, soziale, politische und persönliche Themen unverblümt, verständlich und doch phantasievoll in Musik zu verpacken, begeistert die Massen.

Neue Wege

1993 heiratet Grönemeyer seine Lebensgefährtin Anna Henkel, die Mutter seiner beiden Kinder. Im selben Jahr gelangt sein neues Album "Chaos" auf Platz eins der deutschen Hitparade. Weit über 600.000 Menschen besuchen seine Konzerte. Dann wird es ruhig um Herbie. Der Ruhrpottbarde zieht mit seiner Familie nach London.

Erst fünf Jahre später setzt Grönemeyer mit "Bleibt alles anders" wieder musikalische Akzente. "Ich gehe für mich selber wieder ein Risiko ein", sagt er. "Es gibt viel zu verlieren", heißt es dementsprechend in einem Song: "Du kannst nur gewinnen. Genug ist zu wenig. Oder es wird so, wie es war. Stillstand ist der Tod. Geh voran. Bleibt alles anders. Der erste Stein fällt aus der Mauer. Der Durchbruch ist nah." Elektronische Sounds mischen sich immer mehr unter die rockigen Klänge.

Nach tragischer Wende zurück zum Erfolg

Echo 2015 - Verleihung Grönemeyer mit dem Preis in der hand (Foto: dpa)

2015 erhält Grönemeyer den Echo als bester nationaler Rock/Pop-Künstler

Grönemeyers Bruder Wilhelm stirbt am 1. November 1998, seine Frau wenige Tage später. Der einsame Musiker taucht ab - in tiefer Trauer. Vier Jahre lang hört man nichts von ihm.

"Mensch" heißt das Album, auf dem der Künstler seine Gefühle schließlich verarbeitet. Er geht wieder auf Tour. Die Fans haben haben ihren Star nicht vergessen: Wieder gibt es ausverkaufte Stadien mit dreieinhalbstündigen Konzerten. Herbert Grönemeyer genießt die Nähe zum euphorischen Publikum. "Mensch" (2002) ist bis heute das meistverkaufte Album in der deutschen Musikgeschichte.

Mit seinem 2015er Album "Dauernd jetzt" geht Grönemeyer mit 28 Konzerten auf große Tour. Die Platte bekommt Platin-Status. Für das Album erhält Grönemeyer seinen elften Echo. Neben zahlreichen weiteren Musikpreisen hat er auch einen Grimmepreis bekommen, 1988 für die Musik zum Film "Sommer in Lesmona". Schon sein erstes Album "Grönemeyer", das 1979 erschienen ist, hat einen Preis erhalten: die "Goldene Zitrone" für das hässlichste Plattencover des Jahres.

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