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Herausgeputzt wie ein Pfingstochse

Nicht nur zum Pfingstfest trifft man sie an – etwa in Cafés oder manchmal auch in der Politik: Pfingstochsen. Ihr Kennzeichen: Sie sind bunt und auffällig. Letztendlich fing alles mit einem germanischen Brauch an ...

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Herausgeputzt wie ein Pfingstochse – die Folge als MP3

Es gibt Tiere, die sind bekannt wie ein bunter Hund. Trotzdem sucht man sie sowohl in freier Wildbahn als auch im Zoo vergeblich. Übrigens auch auf einer Speisekarte. Zu dieser Spezies gehört auch der Pfingstochse. Zwar war bei der Geburt Christi in einem Stall in Bethlehem neben einem Esel auch ein Ochse zugegen, also ein kastriertes männliches Rind. Doch für die Anwesenheit eines Ochsen bei der „Ausgießung des Heiligen Geistes“ auf die Apostel zu Pfingsten findet sich kein Hinweis.

Ein heidnischer Brauch

Eine weiße Taube in den Händen einer Frau. Die Federn sehen zerzaust aus.

Die weiße Taube musste ordentlich Federn lassen

Nach Darstellung des Evangelisten Lukas mischte dabei stattdessen ein ausgesprochen flatterhaftes Tier mit, also ein Vogel, genauer gesagt eine Taube. Doch als Pfingstsymbol musste sie im Laufe der Jahrhunderte reichlich Federn lassen und erlitt einen radikalen Bedeutungsverlust.

Hartnäckig behauptet hat sich hingegen besagter Pfingstochse, der letztlich auf das Konto der widerspenstigen Germanen geht. Sie vermengten ihr Frühlingsbrauchtum aus heidnischen Zeiten ab etwa 130 nach Christus kurzerhand mit dem Fest, das als Geburtstag der christlichen Kirche gilt.

Schönheit schützte nicht vor dem Spieß

Zu diesen Bräuchen gehörte es etwa, zu Beginn des Sommers erstmals das Vieh auf die Weiden zu treiben. Das passte allerdings jahreszeitlich zum Pfingstfest wie die Faust aufs Auge. Bei dieser Prozession schmückte man das kräftigste Tier der Herde, den sogenannten Pfingstochsen, mit Bändern, Blumen und Glocken. Optisch kam der Pfingstochse also groß heraus. In manchen Regionen Deutschlands hat sich dieser Brauch bis heute gehalten.

Allerdings konnte das herausgeputzte Rindvieh damals nicht ahnen, dass damit meist sein letztes Stündlein geschlagen hatte. Zu germanischen Frühlingsfesten gehörte nun einmal die Darbringung eines Tieropfers. Vor diesem Schicksal bewahrte den Ochsen auch nicht das Christentum. Nicht selten landete er am Ende eines Festes an einem Bratspieß.

Was haben Pfingstochsen und Langschläfer gemeinsam?

Bis ins 19. Jahrhundert nämlich existierte in vielen ländlichen Gegenden der Brauch, dass die Metzger an Pfingsten zu einem Festschmaus zusammenkamen. Aus diesem Anlass wurde ein zuvor prächtig geschmückter Ochse durchs Dorf getrieben – bevor er sein Ende auf einer Schlachtplatte fand.

Eine Schlachtplatte mit verschiedenen Wurstarten

Das traurige Ende eines Pfingstochsen ...

Das ist ziemlich lange her. Dennoch gilt der Pfingstochse bis heute als ein ausgesprochen vitales Exemplar. Weniger auf vier, denn auf zwei Beinen. Kulturgeschichtlich betrachtet nämlich gehen nur noch Menschen als Pfingstochsen durch. Dabei handelt es sich um Schlafmützen, die nicht mitbekommen, was um sie herum vor sich geht. In Bayern und Westfalen beispielsweise wurden – und werden manchmal heute noch – solche verschnarchten Zeitgenossen sogar zur allgemeinen Gaudi mit einer Schubkarre durch die Gemeinde kutschiert. Gemessen an den bis heute tradierten Kriterien für einen Pfingstochsen bekäme man die Schubkarren auch heute noch rappelvoll.

Pfingstochsen gibt‘s ganzjährig

Eine andere Spezies Pfingstochsen gibt es nicht nur in der Modebranche: überdrehte männliche Gockel, die wie Pfingstochsen herausgeputzt oder geschmückt sind. Auch auf dem politischen Parkett oder im Kollegenkreis etwa grasen allerhand Artverwandte. Mit anderen Worten: Diese Spezies Pfingstochsen hat ganzjährig Konjunktur.





Arbeitsauftrag
Schreibt eine kurze Geschichte über eine Person, die ihr als „Pfingstochse“ charakterisieren würdet. Versucht, möglichst viele beschreibende Adjektive und Synonyme zu verwenden.

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