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Bildung

Herausforderung Integration an Schulen

Mehr als 320.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche sind in den vergangenen zwei Jahren neu an deutsche Schulen gekommen. Die Lehrer sind oft überfordert, ihnen fehlt nicht nur Verstärkung, sondern auch Fortbildung.

Sibylle Clement ist Schulleiterin an der Jahnschule in Bonn. Die Grundschule zählt rund 280 Schülerinnen und Schüler, darunter sind 25 Flüchtlingskinder, die neu in Deutschland sind und die deutsche Sprache von null auf lernen müssen.

Obwohl die Schule Unterstützung und Hilfe von ehrenamtlichen Helfern bekommt, hat sich der Stamm der Lehrerschaft nicht vergrößert. Die Zahl der ausgebildeten Lehrer ist trotz der neuen Herausforderung gleich geblieben. Sie können den Alltag nur stemmen, weil sie auf viel Erfahrung zurückgreifen können und als Team sehr gut eingespielt sind. Auch Kinder mit Migrationshintergrund tragen dazu bei. An der Jahnschule sind das viele - die große Mehrheit der Schüler haben einen Migrationshintergrund, die Eltern kommen zum Beispiel aus dem Irak, Marokko, Jordanien, aus verschiedenen zentralafrikanischen Ländern, dem Maghreb, der Türkei oder Syrien.

"Wir haben viele Kinder, die aus arabisch-stämmigen oder kurdischen Familien kommen, die den Neulingen die wichtigsten Dinge erklären. So fühlen sich die Kinder hier weniger fremd als an einer Schule, in der die Mehrheit der Kinder einsprachig deutsch aufwächst und nur deutsche Vorfahren hat", erklärt Sibylle Clement.

Deutschland Flüchtlingskinder in Grundschule in Frankfurt an der Oder (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Der gekonnte Umgang mit Trauma und das Wissen um die Herkunftsländer sind wichtige Voraussetzungen für die Lehrer

Die Willkommensklassen

Aktuell werden insgesamt rund 11 Millionen Schülerinnen und Schüler Deutschland unterrichtet. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder war seit 2001 stetig gesunken - doch der Zuzug von rund 325.000 Flüchtlingskindern seit 2015 hat die Zahl wieder leicht steigen lassen - um 0,3 Prozent. Es sind die besonderen Bedürfnisse geflüchteter Kinder, die das deutsche Schulsystem vor neue Herausforderungen stellt. 

Viele Schulen haben vermehrt sogenannte Willkommensklassen eingerichtet, also Förderklassen für Kinder und Jugendliche. Hier sollen die Schüler zunächst die deutsche Sprache lernen, um dann bald dem normalen Unterricht folgen zu können. Neben Sprachunterricht steht auch Sport, Musik und Kunst auf dem Programm. Allerdings lernen hier kleine Kinder oft gemeinsam mit deutlich älteren Flüchtlingen; Altersunterschiede und schulische Vorerfahrung klaffen weit auseinander.

"Seit die Zahl der Zuwanderungen deutlich zurückgegangen ist, hat man aber mehr Ruhe, genauer hinzugucken und zu entscheiden, welche Schulform Kinder benötigen, die neu zu uns kommen, und wie man sie vom Leistungsvermögen genau einordnen kann", sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

 

Bundesfreiwilligendienst in einer Willkommensklasse in Berlin (Imago/Christian Thiel)

In Willkommensklassen lernen jüngere Schüler oft mit älteren zusammen

Der Rückgang der Flüchtlingszahlen habe die Lage beruhigt. Dennoch gibt Beckmann keine Entwarnung, "Die Situation an Schulen ist aber nicht so, wie sie sein sollte. Die personellen Ressourcen sind nach wie vor nicht vorhanden." Seit Jahren habe es oft keine Nachbesetzungen für Lehrer gegeben, die in den Ruhestand eingetreten waren.

Fortbildungen und Training

Neue Lehrer zu finden ist die eine Herausforderung, aber angemessene Fortbildungen für die bestehenden Lehrer zu erhalten eine andere. Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, betont, dass Lehrer auf die Arbeit mit Flüchtlingskinder besser vorbereitet werden müssen.

"Sie müssen etwas über die Herkunftsländer der Kinder und über Traumapädagogik wissen. Und sie müssen sich mit interkulturellen Fragen befassen." Ihrer Einschätzung nach geschieht das noch zu wenig. "Es werden viel zu wenig Fortbildungen angeboten", sagt sie.

An der Jahnschule Bonn möchten die Lehrer die Kinder vor allem auffangen, sagt Sibylle Clement. Die Kinder hätten zum Teil Schlimmes erlebt. "Wir behandeln sie zunächst wie alle anderen Kinder auch. Natürlich bekommen sie viel mehr Zeit und Rücksicht, aber ansonsten versuchen wir ihnen auch die Normalität eines geregelten Schulablaufs zu bieten - in einem Land, das in Frieden lebt."

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