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Asien

Hepatitis unter Drogenabhängigen in Indien

Im Bundesstaat Punjab ist der Drogenkonsum auf dem Vormarsch. Damit nimmt auch die Verbreitung von Hepatitis zu. Eine Infektionskrankheit, die zu schweren Leberschäden führt und unbehandelt sogar tödlich enden kann.

Mitten im Grünen, nur wenige Kilometer außerhalb der nordindischen Stadt Amritsar liegt eine Entzugsklinik. Dort arbeitet Jasbir Singh. Der 35-Jährige sitzt heute an der Rezeption und betreut Neuankömmlinge. Vor fünf Jahren war er selbst noch drogenabhängig und wurde genau hier in Empfang genommen. Die Diagnose der ersten Untersuchung damals: Hepatitis C.

"Als ich meinem Umfeld davon erzählt habe, haben viele gesagt, dass man es nicht behandeln könne. Ich dachte, ich würde die Krankheit nicht überleben", erzählt Singh. Zum Zeitpunkt der Diagnose spritzt sich Jasbir Singh schon seit Jahren Heroin. Über gesundheitliche Folgen hat er sich im Drogenrausch nie Gedanken gemacht: "Ich habe mich wohl bei jemand angesteckt, weil wir uns das Spritzbesteck geteilt haben", erzählt der 35-Jährige.

Jasbir Singh

Jasbir Singh war selbst drogenabhängig und mit Hepatitis C infiziert

Hepatitis C-Epidemie im Punjab

Der Bundesstaat Punjab ist in Indien bekannt für sein Drogenproblem. Viele Betäubungsmittel werden von Afghanistan nach Pakistan und dann über die indische Grenze geschmuggelt. Eine Folge: die Zunahme von

Hepatitis C

. Die Infektionskrankheit wird durch mangelnde Hygiene verbreitet. Insbesondere bei vielen Drogensüchtigen besteht ein Risiko, wenn sie sich ihr Drogenbesteck teilen. Das Gesundheitsministerium des Bundesstaats Punjab schätzt, dass rund 900.000 Menschen infiziert sein könnten. Insgesamt geht die Weltgesundheitsorganisation von 12 Millionen Hepatitis C Erkrankten in ganz Indien aus.

Das Ausmaß der Verbreitung wird erst im Gespräch mit Ärzten vor Ort richtig begreiflich. "Jeden Tag melden sich rund 100 neue drogenabhängige Patienten bei mir. Jeder zweite von ihnen ist mit Hepatitis C infiziert", sagt Doktor Jagdeep Pal Singh Bhatia. Der Psychologe kümmert sich seit 25 Jahren um Suchtkranke in Amritsar und er leitet auch die Entzugsklinik, in der Jasbir Singh als Rezeptionist arbeitet. Bhatia warnt, gerade in den letzten Jahren habe die Anzahl an Hepatitis C Patienten extrem zugenommen, denn immer mehr Drogenabhängige würden sich Heroin spritzen.

Aufklärung in der Entzugsklinik im Punjab

In der Entzugsklinik im Punjab wird viel Aufklärungsarbeit geleistet

Kostenlose Behandlung von der Landesregierung

Ein Problem, das die Landesregierung ernst nimmt: Seit Juni 2016 können sich Hepatitis C Patienten kostenlos behandelt lassen. Punjab ist der erste Bundesstaat in Indien der so ein Programm anbietet. "Es ist gut, dass die Regierung endlich einsieht, dass wir diese Krankheit bekämpfen müssen", so Bhatia. Kritiker bezweifeln jedoch, dass das Budget für eine flächendeckende Behandlung ausreichen werde.

Durchschnittlich kostet eine Behandlung in privaten indischen Krankenhäusern rund 50.000 Rupien, umgerechnet rund 675 Euro. Die Chancen für eine Genesung seien gut, bei einer drei- bis sechsmonatigen Behandlung könnten über 90 Prozent der Patienten geheilt werden, so die Weltgesundheitsorganisation. Problematisch sei jedoch, dass viele Erkrankte die Symptome erst gar nicht erkennen würden. Eine große Gefahr, denn langfristig kann Hepatitis C zu Leberkrankheiten wie Zirrhose oder Leberkrebs führen und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Jagdeep Pal Singh Bhatia, Psychologe an der Entzugsklinik in Amritsar

Jagdeep Pal Singh Bhatia, Leiter der Enzugsklinik in Amritsar, warnt vor der wachsenden Zahl von Abhängigen und Kranken

Aufklärungsarbeit ist notwendig

Viele Drogenabhängige lassen sich nicht testen und wissen nicht, ob sie mit Hepatitis C infiziert sind. So war es auch bei Rezeptionist Jasbir Singh. Dank einer rechtzeitigen Behandlung in der Entzugsklinik geht es ihm heute gut.

Damit andere Suchtkranke mehr über die Gefahren des Virus erfahren, spricht er mit vielen sehr offen darüber: "Ich erkläre ihnen, dass es besonders durch dreckige Spritzen oder manchmal sogar durch Bluttransfusionen übertragen werden kann", so Singh. "Ich sage ihnen aber auch, dass man sich nicht allein durch Händeschütteln anstecken kann, damit sie keine Angst bekommen." Die Aufklärung hat im Punjab gerade erst begonnen. Auch wenn die Regierung mit ihrem Programm versucht viele Betroffene zu erreichen, wissen wohl die meisten immer noch nichts von ihrer ansteckenden und möglicherweise tödlichen Krankheit.

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