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Wirtschaft

Helmut Schmidt kritisiert Krisenmanagement

Nach Altkanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Christian Wulff meldet sich auch Altkanzler Helmut Schmidt zu Wort. Er vermisst bei seinen Landsleuten Solidarität mit den Griechen.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt zündet sich eine Zigarette an (Foto: AP)

Die Zigarette lässt er selten aus der Hand: Altkanzler Helmut Schmidt

Für einen guten Witz ist Altbundeskanzler Helmut Schmidt immer zu haben. Notfalls macht er selber einen. So landete der inzwischen 92-Jährige auf einer Podiumsdiskussion der Wochenzeitung "Die Zeit" in Frankfurt gleich einen Lacher für seine Definition von Optimismus. "Dass Sie im Ernst glauben, dass zwei Rollstuhlfahrer Ihnen die Welt erklären können, das ist Optimismus." Im anderen Rollstuhl saß Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der in den letzten Tagen von den Medien wegen eines angeblichen Geheimpapiers heftig kritisiert wurde.

Nicht nur der Finanzminister, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel muss diese Tage Kritik von allen Seiten einstecken. Besonders geschmerzt dürften sie die Einlassungen ihres politischen Ziehvaters haben. In einem Interview warf Helmut Kohl der Kanzlerin indirekt Führungsschwäche in der Eurokrise vor. Diese Kritik teilte Altkanzler Schmidt ausdrücklich: Europa führe man "nicht durch im Vorwege angekündigte Sparziergänge, die hinterher zwangsläufig für die Presse irgendein Ergebnis bringen müssen." Gespräche seien dringend notwendig, "aber bitte hinter verschlossenen Türen", empfahl Schmidt. Erst wenn man ein Ergebnis habe und wisse, alle anderen stimmen auch zu, dann könne man öffentlich darüber reden. "Führung auszuüben, ohne dass es so aussieht und so wirkt, das erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl", so Schmidt weiter.

Schmidt vermisst Solidarität mit Griechenland

Altkanzler Helmut Schmidt und Finanzminister Wolfgang Schäuble (Foto: dapd)

Rege Diskussion: Schmidt und Finanzminister Schäuble

Deutliche Worte fand der Altkanzler auch für die deutsche Haltung gegenüber Griechenland. Die Bundesregierung hätte im vergangenen Jahr den Eindruck erweckt, "als ob es ihr egal sei, ob die Griechen pleite gehen oder nicht." Große Lehren würden ausgegeben: Die Griechen sollen weniger Urlaub machen und später in Rente gehen. "Deutschland hat den Eindruck gemacht, als ob es im Grunde den Griechen nicht helfen wollte. Das war erstens nicht christlich, es war aber auch nicht europäisch solidarisch." Die Deutschen hätten bisher lediglich für Kredite gebürgt, aber noch keinen einzigen Euro nach Athen geschickt und sollten sich nicht so aufführen.

Während Merkel im Falle Griechenlands zu Recht ein zauderhaftes Handeln vorgeworfen werden kann, hat ein anderer Führung gezeigt und gehandelt: Jean-Claude Trichet. Unter seiner Leitung hat die Europäische Zentralbank 110 Milliarden Euro Anleihen klammer Euro-Staaten gekauft. Aber das war auch nicht allen recht. Bundespräsident Christian Wulff hält diesen Aufkauf für politisch und rechtlich bedenklich und äußerte dieses Bedenken medienwirksam. Wolfgang Schäuble nahm Trichet in Schutz: "Ich finde, wir sind alle klug beraten, wenn wir die Unabhängigkeit der Notenbank auch dadurch respektieren, dass wir ihre Entscheidungen akzeptieren und sie nicht kritisieren." Helmut Schmidt teilte Schäubles Meinung und legte noch eins drauf: "Er hat Führung ausgeübt mit Erfolg. Und in Wirklichkeit wäre sein Handeln dann nicht notwendig gewesen, wenn die Regierungschefs etwas früher und durchgreifender gehandelt hätten."

"Horrender Blödsinn"

Mehrere Tageszeitungen übereinander (Foto: dpa)

Die Medien haben laut Schäuble wieder mal Blödsinn produziert

Nun haben es Europas Politiker anscheinend begriffen und Ende Juli beschlossen, den Euro-Rettungsschirm EFSF aufzustocken und ihn mit neuen Kompetenzen auszustatten. Das Handelsblatt berichtete am Mittwoch (24.08.2011) von einem Geheimpapier des Finanzministers und seinen Plänen, weitere Rettungsmaßnahmen für den Euro am Parlament vorbei beschließen zu wollen. Schäuble nutzte seinen Auftritt in Frankfurt und wies die Vorwürfe zurück. Das angebliche Geheimpapier sei lediglich der geltende Vertrag für den EFSF mit den wenigen Ergänzungen. Die Parlamentsbeteiligung sei gar nicht Gegenstand des Papiers. Deswegen seien Meldungen, dass die Mehrzahl der Euroländer ihre Parlamente beim EFSF nicht beteiligen wollten, "ein horrender Blödsinn".

Altkanzler Helmut Schmidt machte das "Handelsblatt" nicht zum Hauptverantwortlichen. Schlimmer seien die Bild-Zeitung und "Spiegel", die bereits das Ende des Euro voraussagen. Er selber sei über die Zukunft der Gemeinschaftswährung optimistisch: "Im Jahr 2020 werden wir ein Dreieck haben von weltbedeutenden Währungen." Es sei der amerikanische Dollar. Dann käme der Euro, "wahrscheinlich nach außen stabiler als der Dollar. Und drittens der Renminbi, die chinesische Währung."

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Rolf Wenkel

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