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Politik

Helmut Schmidt: "Chinas Einparteiensystem stört mich nicht"

In Hamburg beginnt der Wirtschaftsgipfel "China Time 2006", an dem auch Chinas Premier Wen Jiabao und Ex-Kanzler Helmut Schmidt teilnehmen. Im DW-WORLD-Interview erklärt Schmidt, weshalb er China nicht kritisiert.

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Helmut Schmidt in seinem Hamburger Büro: "Wenn alle Mächte der Welt so wären wie die Chinesen, wäre die Welt etwas friedlicher"

DW-WORLD.DE: Herr Schmidt, die Todesstrafe in China wird international oft scharf kritisiert. Wie beurteilen Sie diese Strafe?

Helmut Schmidt: Die Todesstrafe gibt es in vielen Ländern der Welt. Für mein Land lehne ich sie ab, aber sie ist keine chinesische Besonderheit. Ich will mich dazu nicht äußern, weil es nicht meine Sache ist. Es ist ein Irrtum mancher westlicher Journalisten und Politiker, dass sie meinen, sie müssten sich in die Lösung chinesischer Probleme einmischen. Davon halte ich überhaupt nichts.

China betreibt vehement seine Ein-Kind-Politik. Was halten Sie von diesem Mittel der Geburtenkontrolle?

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt war der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und mehrmals in China - sowohl in seiner Amtszeit, als auch danach. Am 23. Dezember 2003 feierte er seinen 85. Geburtstag. (Archiv-Foto vom 1. August 2003 in einem Hotel in Samnaun, Graubuenden, Schweiz).

Es gibt zwei Regierungen auf der Welt, die begriffen haben, dass ihr Land Gefahr läuft, überbevölkert zu sein. Die eine war Indien unter Indira Gandhi, die versucht hat, die Geburtenhäufigkeit zu dämpfen. Sie hat den Versuch mit sehr brutalen Mitteln betrieben und ihn bald wieder aufgegeben. In China ist die Ein-Kind-Politik aufrecht erhalten worden. Sie wirkt nicht überall, sie wirkt in Shanghai besser als in Chongqing oder irgendwo auf dem Lande. Aber sie hat ihre Wirkung, die langfristig schwer zu erkennen ist. Langfristig führt sie zum Beispiel zu einer Anhebung des Durchschnittsalters des chinesischen Volkes, was auch negative Seiten hat. Und es führt zu einem Defizit an Frauen und einem Überschuss an Männern, das wird man im Jahre 2030 deutlich spüren. Aber das sind Probleme, die ich als Ausländer nicht bewerten kann, das müssen die Chinesen selber wissen. Es kann sein, dass die globale Erwärmung dazu führt, dass Teile des chinesischen Territoriums bewohnbar werden, die es heute noch nicht sind. Es kann sein, dass dort in Zukunft mehr Regen fällt als bisher, ich weiß es nicht. Aber es ist durchaus denkbar, dass es ein weiteres Wachstum der chinesischen Bevölkerung gibt, heute 1,3 Milliarden Menschen, in der Mitte dieses Jahrhundert wahrscheinlich 1,6 Milliarden. Und es ist durchaus denkbar, dass genug Platz und Nahrung für so viele Menschen in China vorhanden sein wird. Es kann aber auch anders kommen.

Lesen Sie weiter: Wie Helmut Schmidt Chinas Wirtschaftsaufschwung einstuft und worin nach seiner Ansicht die Unterschiede zwischen den Formen sozialer Marktwirtschaft in China und in Deutschland bestehen …