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Kultur

Hellersdorfer Wandgemälde

Hellersdorf-Marzahn, im Osten der Hauptstadt, einstige Plattenbau-Hochburg der DDR, steht normalerweise nicht im Fokus von Kunstinteressierten. Aber mit dem "größten Wandgemälde der Welt" könnte sich das ändern.

Aufgemalte Hausfassaden

Dumpfe Platten - bunt bemalt: Projekt Europaviertel

Die Menschen, die den U-Bahnhof Hellersdorf verlassen, streben dem neuen Einkaufszentrum "Helle Mitte" zu, dass in den 1990er-Jahren den Aufschwung in das Plattenbauviertel im Osten Berlins bringen und die Abwanderung verhindern sollte. Dahinter jedoch sieht es öde aus. Doch das soll sich jetzt ändern, mit einem ungewöhnlichen Konzept.

Hellersdorf

Entwurf für eine 'Deutsche Fassade' © Cité de la Création

Alle europäischen Staaten sollen auf den Häusern architektonisch dargestellt werden, erläutert Gerrit Schrader, Projektmanager des künftigen Europaviertels. Die heute fünfgeschossigen Bauten werden mit Ansichten typischer Häuserfronten aus Prag, London oder Paris, aus Rom, Warschau oder Lissabon in ein virtuelles Altstadtviertel verwandelt.

Französische Spezialisten

Wie das bis 2008 Gestalt annehmen wird, ist bereits auf 100 Metern am Eingang des Quartiers zu bewundern: Statt Waschbetonfronten sieht man aufgemalte Backsteinfassaden. Das Hellersdorfer Haus nennen es die Initiatoren, es soll Anwohner und Besucher neugierig machen auf das Projekt. Die ausführenden Künstler gehören zu der Gruppe "Cité de la création", deren Brandwandbemalungen in der Industriestadt Lyon inzwischen Touristen aus aller Welt anziehen.

Europaviertel Berlin

Das 'Hellersdorfer Haus'

Die Tradition der Hauswandbemalung haben die Künstlern der Cité den Mexikanern und der berühmten "arte muralista" eines Diego Rivera abgeschaut. Der Anspruch der französischen Künstler: Mit ihrer Arbeit heruntergekommene, vergessene Stadtviertel neu zu beleben. In Hellersdorf soll das Konzept als Qualifizierungsmaßnahme für arbeitslose Maler und Lackierer umgesetzt werden, aber auch Jugendliche sollen hier eine Ausbildung erhalten - unter anderem in Schablonenmalerei. Wichtig ist den Franzosen die Abstimmung mit den Bewohnern, damit sie sich mit ihrer Umgebung identifizieren. Die Reaktionen bislang sind überwiegend positiv.

Investition in die Zukunft

Europaviertel, Berlin

Fassadendetail aus dem Verschönerungsprojekt

Seit wenigen Monaten steht das Europaviertel-Projekt auch finanziell auf sicheren Füßen: Der österreichische Immobilien-Investor Level One hat die Plattenbauten gekauft und will 15 Millionen Euro in die Sanierung der über 100 Wohnungen investieren. Die künstlerische Gestaltung der immerhin 64.000 Quadratmeter Fassadenfläche beträgt immerhin ein Drittel der Summe. Das ist eine Investition in die Zukunft, meint Geschäftsführer Peter Brockhaus, der durch die Ansiedlung französischer, englischer oder portugiesischer Spezialitäten-Geschäften und -Restaurants zusätzlich Leben in das Viertel bringen will.

In vier Jahren soll sich Hellersdorf, ähnlich wie Lyon, zum Touristenmagneten entwickelt haben - ob die jedoch zum Bewundern des "weltgrößten Wandgemäldes" bis an den östlichen Rand Berlins fahren werden, bleibt abzuwarten.

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