″Heller Stern in dunkler Nacht″: Kein Weihnachten ohne die Krippe | Kultur | DW | 26.12.2016
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Kultur

"Heller Stern in dunkler Nacht": Kein Weihnachten ohne die Krippe

Kein Weg führt an Weihnachten am Miniaturstall von Bethlehem vorbei. Die Geburtstätte Christi ist aber auch ein Ort der Phantasie. Und so kam manch ein Tier hinzu, das dort eigentlich nichts zu suchen hat.

Krippen zeigen meistens einen Stall. Darin befinden sich Joseph, Maria, das Jesuskind in einer Futterkrippe, einen Ochsen und einen Esel. Aber entspricht das der Wahrheit? Die Weihnachtsgeschichte beruht in Teilen nicht auf historischen Fakten: So meinen einige Theologen, Jesus sei nicht in Bethlehem geboren worden, sondern in Nazareth. Die Evangelisten Lukas und Matthäus hätten Bethlehem als Geburtsort genannt, weil dort schon der große israelische König David geboren wurde und um einer alten Verheißung zu entsprechen. Andere, etwa einige Archäologen, halten es für möglich, dass der Geburtsort Jesu etliche Kilometer von Bethlehem entfernt gelegen habe. Also nicht dort, wo heute die Geburtskirche mit der Geburtsgrotte Sehnsuchtsort ungezählter Pilger sind.

Wie Ochse und Esel in die Krippe kamen

Auch die Anwesenheit eines Ochsen und Esels während seiner Geburt ist unwahrscheinlich, denn in den biblischen Berichten kommen die beiden Tiere überhaupt nicht vor, nur ihr Futtertrog. Erst in der zeitgenössischer Parallel-Literatur zur Bibel, den Apokryphen, werden sie erwähnt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es aber die lebendige jüdische Erzähltradition, die Ochse und Esel in die Weihnachtsgeschichte treibt. Jesaja, der erste große Schriftprophet des Tanach, der hebräischen Bibel, lebte rund 700 Jahre vor Jesus. Er beklagt im Namen Gottes, dass das Volkes Israel ihn, seinen Gott, nicht mehr kennt, und verkündet in dessen Namen: Jeder Ochse kennt seinen Besitzer, und jeder Esel weiß, wo die Futterkrippe seines Herrn steht. Was aber macht mein Volk Israel? Sie haben vergessen, wem sie gehören, und sie wollen es auch gar nicht mehr wissen! Wenn also dieser Gott viele Jahrhunderte Mensch wird, und nichts anderes bedeutet Weihnachten, ist für einen in den heiligen Schriften bewanderten Juden klar, dass Ochse und Esel selbstverständlich bei dessen Geburt dabei sind.

Krippen als Erinnerung

Doch ist die Weihnachtsgeschichte deshalb unwahr? Der evangelische Theologe Konrad Hammann von der Universität Münster meint: "Eine Legende kann wie ein Märchen tiefe Wahrheit enthalten - viel mehr als nüchterne historische Tatsachen".

Und der deutschen Lyriker, Theologen und Arzt Angelus Silesius (1624-1677) unterstreicht zu seiner Zeit bereits, worauf es wirklich ankommt, wenn er sagt: "Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren,
und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren."

Manche Ungereimtheit in der Weihnachtsgeschichte tut der Begeisterung für liebevoll und kunstvoll gestaltete Krippen keinen Abbruch. Immerhin sind Weihnachtskrippen eine sehenswerte und liebevolle Erinnerung an den Kern christlicher Intention.

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