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Politik

"Helikopter-Ben" darf weiterfliegen

Ben Bernanke bleibt Chef der mächtigen US-Notenbank: Nach langem politischen Hickhack gab der Senat in Washington grünes Licht für eine zweite Amtszeit des 56-Jährigen.

Ben Bernanke (Foto: AP)

Ben Bernanke

Mit 70 Ja- und 30 Nein-Stimmen erhielt Bernanke ein denkbar schlechtes Ergebnis. Selbst das Lager der Demokraten von US-Präsident Barack Obama, der sich massiv für Bernanke eingesetzt hatte, stimmte nicht geschlossen für den Chef der Federal Reserve. Letzlich war Bernanke auf einen Teil der Stimmen der oppositionellen Republikaner angewiesen.

Kritiker werfen ihm vor, er habe in der Finanzkrise seine Stabilisierungsmaßnahmen überzogen. Bernankes Befürworter argumentieren hingegen: ohne ihn wäre die Krise noch viel schlimmer gekommen. Ungewöhnliche Situationen verlangten auch ungewöhnliche Mittel, hatte der Fed-Chef selbst dazu unlängst gesagt.

Wagemutige Programme

Wenn auch angeschlagen: "Helikopter-Ben" darf weiterfliegen. So wird Bernanke scherzhaft wegen seiner auf Nobelpreisträger Milton Friedman zurückgehenden geldpolitischen Strategie genannt. Die besagt, im Krisenfall die Geldmenge massiv auszuweiten und - bildlich gesprochen - Geld aus dem Helikopter abzuwerfen.

Neue Bögen mit Dollarnoten (Foto: AP)

Frisch auf den Markt: Dollarnoten

Im Kampf gegen Deflation und Kreditklemme hatte Bernanke die Leitzinsen in den USA so stark wie noch nie gesenkt. Außerdem kauft die Fed Wertpapiere in großem Stil an, damit das Finanzsystem flüssig bleibt. De facto hat Bernanke damit die Notenpresse angeworfen. Und er hat es unter dem Strich geschafft, das Finanzsystem stabil zu halten - auch wenn er gemeinsam mit dem Finanzministerium so manches Geldinstitut teuer aus dem selbst verschuldeten Schlamassel rauspauken musste.

Kochende Volksseele

Genau solche Rettungsaktionen wurden für viele US-Amerikaner zum Stein des Anstoßes. Milliarden für die Banker, während Millionen Bürger arbeitslos wurden und der Zwangsversteigerung ihrer Häuser nur noch hilflos zusehen konnten? Hinzu kommt der Vorwurf, Bernanke sei der laxen Geldpolitik seines Vorgängers Alan Greenspan nicht energisch genug entgegen getreten. Greenspans Zinssenkungen hält inzwischen auch das Gros der Experten für eine der Ursachen der Finanzkrise, weil sich - dank des billigen Zentralbankgeldes - die Blase am Häusermarkt prall füllen konnte und schließlich platzte.

Barack Obama und Ben Bernanke (Foto: AP)

US-Präsident Obama unterstützte den Fed-Chef

Die Bestätigung Bernankes war vergangene Woche noch einmal zur Zitterpartie geworden, nachdem sich zwei demokratische Senatoren gegen seine Wiederwahl ausgesprochen hatten. Amerikanische Medien mutmaßten, dass die beiden Politiker Kapital aus dem Unmut der Bürger über die milliardenschweren Bankenrettungen durch die Fed schlagen wollten. Das Weiße Haus hatte sich daraufhin demonstrativ hinter Bernanke gestellt und erklärt, Präsident Obama denke "nach wie vor, dass er die beste Besetzung für den Posten ist".

Schwierige Entscheidungen

Bernanke steht nun vor der Herausforderung, die Milliarden an Dollar, die die Fed im Kampf gegen die Krise in den Wirtschaftskreislauf gepumpt hat, wieder einzusammeln. Zudem muss er zum richtigen Zeitpunkt den eingeschlagenen Nullzinskurs verlassen, wenn er nicht einen Inflationsschub in den kommenden Jahren riskieren will. Hebt die Fed die Zinsen allerdings zu früh wieder an, könnte sie den zarten Aufschwung abwürgen.

In der Fachwelt ist Bernanke, der 2006 noch unter Obamas Vorgänger George W. Bush den Fed-Chefposten übernommen hatte, wegen seiner Forschungsarbeit über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hoch angesehen. Im Dezember war der Fed-Chef vom angesehenen US- Nachrichtenmagazin "Time" sogar zur "Person des Jahres" 2009 gekürt worden.

Autor: Christian Walz (rtr, dpa, rtr, apn)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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