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Politik

Helfer in Lebensgefahr

Nicht nur im Irak riskieren Mitarbeiter der Vereinten Nationen täglich ihr Leben. Sie agieren in allen Konfliktregionen der Welt und werden immer häufiger Opfer von Überfällen, Misshandlungen und Attentaten.

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Verletzter UN-Mitarbeiter in Bagdad

Die vier Meter hohe Schutzmauer rund um die UN-Vertretung in Bagdad half nichts. Die Autobombe blies sie hinweg, als wäre sie aus Pappe. Ihre Wucht war noch stark genug, um mindestens 20 Menschen umzubringen und zahlreiche weitere zu verletzen. Unter den Toten ist auch der Irak-Beauftragte Sergio Vieira de Mello. Er ist eines der prominentesten Opfer in der Geschichte der UNO.

UN Soldat auf Friedensmission in Libanon

UN-Soldat auf Friedensmission im Libanon

Der Anschlag kam überraschend. "Wir sind seit zwölf Jahren im Irak und sind noch nie angegriffen worden", sagte Generalsekretär Kofi Annan sichtlich betroffen. Die irakische Bevölkerung steht der Organisation eigentlich positiv gegenüber. "Die blauen Fahnen der UNO werden, ähnlich dem Logo des Roten Kreuzes, meist respektiert", sagt Dieter Goethel, der ehemalige Personalchef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA im Gespräch mit DW-WORLD. Goethel, der mehr als 30 Jahre im Dienst der UNO stand, gilt als ausgewiesener Kenner der Personalpolitik der Organisation. Er glaubt nicht, dass das Attentat durch noch stärkere Schutzmaßnahmen zu verhindern gewesen wäre.

Schutz in Maßen

Ein noch größeres militärisches Aufgebot hätte dem Auftrag der UNO geschadet. "Die UNO will bei ihren Einsätzen ja um das Vertrauen der Bevölkerung werben. Das funktioniert nicht, wenn man in einer Festung sitzt", sagt Goethel.

Anschlag auf UN Hauptquartier im Irak, rotes Kreuz und Soldaten

Anschlag auf UN-Hauptquartier im Irak

Der Anschlag in Bagdad war bislang der schwerste gegen UN-Zivilpersonal. Die rund 70.000 Mitarbeiter, die jedes Jahr für die UNO in Krisenregionen unterwegs sind, geraten bei ihren Einsätzen immer häufiger in Bedrängnis. Zwischen 1992 und 2002 starben 240 zivile Mitarbeiter der Organisation. Häufigste Todesursache waren Schussverletzungen und Landminen.

Besonders schlimm war es 1994, als es zu dem Völkermord in Ruanda kam. In dem Jahr starben 46 zivile UN-Helfer. Brutal ermordet wurden Mitarbeiter auch in Ost-Timor, im Balkan oder in Angola. In den vergangenen Jahren wurden die Friedenshelfer auch immer öfter Opfer von Geiselnahmen, Vergewaltigungen oder gewalttätigen Überfällen. Verantwortlich für die Sicherheit des UN-Personals ist gewöhnlich das Gastland, in dem die Organisation agiert. Im Irak ist das derzeit die Besatzungsmacht USA. "Allerdings ist in vielen Regionen die Staatsgewalt zusammengebrochen und es gibt auch keine Besatzungsmacht", sagt Goethel. Dort werde die Macht von Warlords und marodierenden Banden ausgeübt. "Hier kann man natürlich wenig machen".

Sicherheit der Mitarbeiter geht vor

Regierungssoldaten in Liberia Monrovia nach Angriff

Regierungssoldaten in Liberia

Kommt es zum Schlimmsten, werden die Mitarbeiter aus dem Land abgezogen, wie kürzlich aus Liberia. Darüber entscheidet das Büro für die Koordination der Sicherheit der UN-Mitarbeiter, UNSECOORD. Für die rund 500 Einsatzorte der UNO weltweit ermittelt es die Sicherheitslage, die in fünf Stufen gemessen wird. Je höher die Stufe, desto strikter werden die Sicherheitsauflagen für die Mitarbeiter.

Bei Einsätzen in besonders gefährlichen Gebieten wie Afghanistan, Liberia, Sierra Leone oder Ost-Timor bekommen die Mitarbeiter ein spezielles Sicherheitstraining. Ihre Bezahlung liegt nach Angaben Goethels zwischen 3.000 und 7.000 Euro. Gefahrenzulagen gibt es nur in Extremfällen. "Geld soll kein Anreiz sein. Gesucht sind keine Abenteurer, sondern Menschen, die mit Idealismus an ihre Aufgaben gehen."

Geld ist bei der UNO ohnehin knapp und Sicherheitstraining ist sehr teuer. Feste UN-Mitarbeiter sind meist hervorragend für ihre Aufgaben vorbereitet. Wie ein erfahrener Sicherheitstrainer DW-WORLD bestätigte, gibt es aber auch Einsätze, bei denen Friedenshelfer ohne ausreichende Vorbereitung eingesetzt werden. "Ein Beispiel ist die UN-Mission in Afghanistan: da blieb für ausreichendes Training im Vorfeld keine Zeit."

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