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Gesichter des Klimawandels

Helen Clark, Leiterin UNDP, Neuseeland

"Es ermutigt mich immer zu sehen, was auf der Bürgerebene passiert. Und ich denke, wir sollten die Regierungen dazu auffordern, genauso viel Engagement zu zeigen."

Im Kirchenschiff der berühmten Notre Dame hängen sechs Bildteppiche, die die Wunder der Natur zeigen: bunt, intensiv, in all ihrer Pracht. Ihr Erschaffer, der 1907 geborene, französische Mönch Dom Robert, sagte einmal: "Es gibt eine Sache, die niemals täuscht, und das ist die Natur. Natur ist die wahre Realität."

Einige Kilometer weiter im Norden, in den sehr viel weniger beeindruckenden Hallen des Konferenzzentrums Le Bourget, wären die Bildteppiche vielleicht noch besser aufgehoben, hätten sie noch mehr Signalwirkung. Hier würde das Werk von Robert nicht nur unterstreichen, was beim Klimagipfel auf dem Spiel steht. Die Teppiche würden auch verdeutlichen, wie man viele verschiedene Fäden zusammenwebt und zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt.

Eine der Frauen, die versucht, mitzuweben, ist Helen Clark, frühere Premierministerin von Neuseeland und aktuelle Leiterin des UNDP, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen. Einer ihrer Jobs, so sagt sie, sei es "die Punkte zwischen den Programmen" zu verbinden und den Zusammenhang zwischen nachhaltiger Entwicklung und einem wandelnden Klima aufzuzeigen.

"Das unvorhersehbare Klima, das wir jetzt schon bemerken, trifft am härtesten die Länder, Gemeinschaften und Menschen, die am ärmsten sind." Und genau diese unvorhersehbaren Wetterumschwünge stünden auch dem Erreichen der Sustainable Development Goals, den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung weltweit, im Weg. Wenn Helen Clark auf den Globus deutet, auf ihr Heimatland Neuseeland, dann befindet sich neben ihrem Finger vor allem ganz viel Blau. Der Pazifik ist voller Inselstaaten - und die sind besonders gefährdet. Der ansteigende Meeresspiegel bedrohe das Überleben der Menschen "dort, wo sie für viele Jahrhunderte überlebt haben." Dort sehen die Menschen schon, dass das Wasser auf das Land und Meerwasser ins Grundwasser vordringt. Es beeinträchtigt den Anbau von Nahrungsmitteln, die Menschen werden verstärkt vom Regen abhängig. Die Nahrungsmittelsicherheit ist in Frage gestellt und Migration eine häufige Folge. Die besonders gefährdeten Länder haben bei der Klimakonferenz deshalb gefordert, das Ziel der maximalen Erderwärmung auf 1,5 Grad herunterzusetzen.

Helen Clark meint: "Die allgemeine Weisheit war, dass 2 Grad der Umkehrpunkt sind, aber jetzt gibt es immer mehr Stimmen, die für eine niedrigere Grenze plädieren." Aber außer des Grad-Ziels sei auch wichtig, in welchem Abstand die Fortschritte überprüft würden. "Sehr kurz" solle er sein, alle paar Jahre. Wenn es mehr seien, werde es unmöglich, die katastrophalen und irreversiblen Auswirkungen des Klimawandels zu stoppen.

Dom Robert schrieb, man könne dem, was die Natur uns sagt, nicht entfliehen. Jetzt, fast 20 Jahre nach seinem Tod, während die Glocken von Notre Dame das Ende des Klimagipfels einläuten, haben seine Worte eine von ihm ungeahnte Brisanz.