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Sport

Held gesucht und gefunden

Lang lang ist's her, seit Bernhard Langer einen Golf-Boom in Deutschland auslöste. Dreißig Jahre später scheint ein Nachfolger gefunden zu sein: Martin Kaymer. Er soll für Aufschwung im deutschen Golfsport sorgen.

Martin Kaymer schlägt einen Ball auf dem siebten Fairway während der vierten Runde der French Open (Foto: AP)

Es läuft rund für ihn:
Martin Kaymer

Der Golfsport in Deutschland hat es schwer. Hierzulande gilt es noch immer als elitär, den Golfschläger zu schwingen. Auch wenn sich im letzten Jahrzehnt einiges getan hat - die hohen Beiträge, die antiquierten Etikette und die homogene Mitgliederstruktur schrecken weiterhin viele davon ab, sich auf die Faszination Golf einzulassen. Bisher sind nur rund eine halbe Millionen Spieler registriert, das sind gerade mal 0,7 Prozent der Bevölkerung. In Kanada beispielsweise sind es dagegen rund 20 Prozent. Während in vielen anderen Ländern im Fernsehen über Golf genau so alltäglich wie über Tennis oder Fußball berichtet wird, ist Golf als Leistungssport in den deutschen Medien kaum präsent: Es fehlen deutsche Vorbilder oder auch Stars.

Einer der besten Golfspieler der Welt

Bernhard Langer beim BMW Open in Eichenried 2009 (Foto: picture-alliance)

Langer beim "Lesen" des Grüns

Bernhard Langer war so einer. Der erste deutsche Golfspieler, der international Beachtung erlangte, hatte in seiner Heimat Ende der 80-er Jahr einen Golf-Boom ausgelöst. Sein großer Durchbruch kam mit dem 1. Major Titel, dem Gewinn des US-Masters im Jahr 1985. Ein Jahr später war Langer die erste Nummer eins der neu errichteten Golfweltrangliste. Mit seinen zehn Teilnahmen am Ryder Cup machte der heute 52-Jährige auch den Kontinentalvergleich zwischen Europa und den Vereinigten Staaten in Deutschland bekannt. Doch Langer blieb lange Zeit der einzige deutsche Golfer mit Weltformat. Während selbst aus Ländern ohne lange Golftradition wie Spanien, Schweden oder Frankreich immer wieder Weltklassespieler nachrücken, blieb in Deutschland die Suche bisher erfolglos. Nachwuchstalente wie Alex Cejka, Tino Schuster oder zuletzt auch Marcel Siem haben sich international (bisher) nicht durchsetzen können.

Martin Kaymer dagegen schon. Zum ersten Mal sorgte er Anfang vergangenen Jahres fuhr Aufsehen, als er die Abu Dhabi Championship gewann - sein erster Triumph auf der Europa-Tour. Als erste Deutscher und als jüngster Profi siegte der 24-Jährige ein halbes Jahr später bei den BWM International Open in München. Nun hat Kaymer gezeigt, dass diese Triumphe keine Zufälle waren: Vor einer Woche gewann er die Open de France und an diesem Wochenende nun auch noch die Scottish Open. Der neue deutsche Golf-Shootingstar sorgt mit seinen Siegen für Begeisterung in der deutschen Golf-Szene, weckt aber auch gleichzeitig hohe Erwartungen. So erhofft sich Wolfgang Scheuer, Chef des Deutschen Golf-Verbandes (DGV) einen Schub für den Golf-Sport in Deutschland: "Unser Sport braucht Helden, Spieler wie Kaymer oder früher Bernhard Langer, damit die Medien über unseren Sport berichten und dadurch bei noch mehr Menschen und eben auch potenziellen Sponsoren das Interesse am Golf gesteigert wird."

Mehr Unterstützung für junge Golfer

Nach dem Gewinn bei den Open de France gewann Kaymer nur eine Woche später auch die Scottish Open. (Foto: AP)

Zwei Siege in sieben Tagen: Martin Kaymer

Die Voraussetzungen dafür sind derzeit bestens: Kaymer hat sich in der Weltrangliste auf Platz elf vorgearbeitet und sich damit international einen Namen gemacht. Nun hoffen die deutschen Golf-Fans auf den ganz großen Coup: ein Sieg bei einem Major-Turnier, am besten schon bei den British Open, die am Donnerstag beginnen. Der Erfolg von Kaymer hat den DGV darin bestätigt, in Zukunft mehr in den professionellen Golf-Sport zu investieren. "Ziel ist es, vielleicht wie die Schweden 10 bis 15 Spieler auf die Tour zu bekommen, über die dann auch entsprechend berichtet werden kann", meint Scheuer. "Dadurch würde die Basis für den Amateur-Golfsport erheblich gestärkt."

In Deutschland ist der Nachwuchs lange Zeit vernachlässigt worden: Erst langsam bauen Clubs ihre Jugend mit speziellen Trainern und Turnieren auf. Während die Nachbarländer seit drei Jahrzehnten Förderkader haben, begann der DGV erst vor zehn Jahren, ihre Jungprofis zu unterstützen. Ein zusätzliches Problem: Die Auswahl an Talenten ist gering. Bisher spielt nur eine kleine Anzahl von Kindern und Jugendlichen Golf. Während im Fußball oder Hockey jeder Zweite ein Teenie ist, sind im Golf nocch nicht mal neun Prozent der Spieler unter 18 Jahre. Der deutsche Golf-Sport hat es bisher noch nicht erfolgreich geschafft, das Image des Rentner-Sports los zu werden.

Vielversprechende Erfolge

Dass der DGV auf dem richtigen Weg ist, zeigt auch der Triumph der deutschen Damen, die am Wochenende die Team-Europameisterschaft gewonnen haben - zum ersten Mal in der über 100-jährigen Geschichte des Deutschen Golf-Verbandes. Die vielversprechenden Ergebnisse des deutschen Golf-Nachwuchses scheinen auch Deutschlands Golf-Altmeister Langer wieder zu beflügeln. Langer, der mittlerweile fast nur noch auf der US-Senioren-Tour spielt, hat einen beeindruckende Jahresbilanz vorzuweisen: Bei 12 Starts gewann er viermal, wurde zweimal Dritter und landete neunmal unter den Top-Ten.

Für den deutschen Golf-Sport kommen diese Erfolge zum richtigen Zeitpunkt. Denn sie geben Rückenwind für Deutschlands Bewerbung um die Ausrichtung des Ryder Cups 2018, dem prestigeträchtigsten Golfturnier der Welt.

Autor: Sarah Faupel
Redaktion: Wolfgang van Kann

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