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Helau, ihr Narren!

Idiot, Trottel, Blödmann, Depp, Narr – alles das gleiche? Nein, denn hinter einem der Herren steckt mehr als nur ein Schimpfwort: Der Narr! Doch was genau ist ein Narr? Ist er möglicherweise sogar verwandt mit dem Clown?

Was liegt am Strand und spricht undeutlich? – Eine Nuschel!

Was ist orange und wandert durch den Wald? – Eine Wanderine!

Was ist weiß und liegt schnarchend auf der Wiese? – Ein Schlaf!

Ich habe Sie nicht lachen hören! Denken Sie nicht, dass mir der Schalk im Nacken sitzt, dass ich ein Witzbold bin? Ich finde, ich bin der perfekte Narr! Zumindest optisch. Ich trage nämlich ein Narrenkostüm. Dazu gehört eine bunte Hose, ein buntes Hemd und – das Wichtigste – eine Narrenkappe. Das ist eine bunte, zickzackförmige Mütze, die ein bisschen aussieht wie ein Hahnenkamm. Um den Hals trage ich einen breiten, gezackten Kragen und an meinen Armen und Beinen baumeln Schellen, kleine Glocken.

Die Fünfte Jahreszeit ist Narrenzeit

Eine Närrin und ein Narr mit knallroten Haaren und buntem Kostüm vor dem Kölner Dom

In der Fünften Jahreszeit regieren sie in Köln, die Jecken

Ich habe mich als Narr verkleidet, weil Karneval vor der Tür steht. Die sogenannte Fünfte Jahreszeit wird in der Zeit vor Aschermittwoch gefeiert. Gemeinhin wird dieser Brauch auch als Fastnacht oder schlicht Fasching bezeichnet.

Karneval ist besonders beliebt bei den Rheinländern, denn das Rheinland ist die deutsche Karnevalshochburg. Wenn sich die Menschen dort verkleiden, lassen sie ihrer Fantasie bei der Wahl ihres Kostüms freien Lauf. Zum Karneval gehören auch immer die Narren mit ihrem närrischen Treiben und ihren Späßen. Deswegen ist mein Kostüm, das Narrenkostüm, der Klassiker. Aber was genau ist ein Narr?

Das Narrentum und seine Geschichte

Ein steinernes Relief, das einen Narren zeigt

Narr: ein alter Berufsstand mit Narrenfreiheit

Die Geschichte der Narren beginnt im Mittelalter mit dem Brauch, zu Festen Leute einzuladen, die die Gäste mit ihrem Klamauk unterhielten. Obwohl die Narren sich auf den ersten Blick wie Dummköpfe benahmen, hatten ihre Witze mehr Tiefgang als meine. Sie parodierten und verspotteten mit ihren Verkleidungen in den meisten Fällen Menschen, die in der Öffentlichkeit standen. Vor allem die Adligen wurden damals zum Narren gehalten. Auf diese Weise hielten die Narren ihrem Publikum durch ihre oft kritischen Geschichten symbolisch einen Spiegel vor Augen – den sogenannten Narrenspiegel.

Ihre ehrliche Art kam sogar bei den Fürsten und Königen gut an. Sogenannte Hofnarren sorgten am Hof für Heiterkeit. Sie waren oft die einzigen, die durch ihre Narrenfreiheit ungestraft Kritik an den Adligen üben konnten. Daher stammt auch der Ausdruck "Kinder und Narren sagen die Wahrheit". Obwohl die Narren vielleicht nicht die Nettesten am Hof gewesen sind, waren sie trotzdem beliebt. Man kann also sagen, dass die Menschen einen Narren an ihnen gefressen haben. Das bedeutet, dass man jemanden sehr gern hat, auch wenn diese Person nicht besonders nett zu einem ist.

Hanswurst, Eulenspiegel und …

Ein Narr mit einer Maske von Hanswurst

Fast immer präsent im Karneval/Fasching: Hanswurst

Der bekannteste Narr ist Hanswurst, ein gutmütiger, bäuerlicher Mensch, der im Mittelalter immer wieder auf Wanderbühnen auftrat. In der Literatur tauchte er Anfang des 16. Jahrhunderts auf. Das italienische Theater machte den Hanswurst zum Arlecchino, dem Harlekin. Ein weiterer bekannter Narr ist Till Eulenspiegel. Er ist der Held eines mittelalterlichen Volksbuches. Eulenspiegel ist jedoch nur äußerlich ein Narr. Zwar spielt er gerne Streiche, tatsächlich ist er den meisten Menschen aber an Intelligenz, Durchblick und Witz weit überlegen.

Das Lustige an Eulenspiegels Streichen ist, dass er bildliche Redewendungen wörtlich nimmt. Zum Beispiel arbeitete er einmal als Geselle in einer Bäckerei und fragte den Bäckermeister, was er denn backen solle. Diese Frage ärgerte den Bäckermeister und er sagte ironisch: "Du bist ein Bäckergeselle und fragst, was du backen sollst? Was pflegt man denn zu backen? Eulen oder Meerkatzen!" Am nächsten Morgen hatte Eulenspiegel statt normalem Brot ausschließlich Brot in Form von Eulen und Meerkatzen gebacken.

… der Dumme August

Ein Clown mit gelben Haaren, roter Nase und geschminktem Gesicht macht Faxen

Ich bin ein Clown, kein Narr

Aber was unterscheidet den Narren nun vom Clown? Fest steht: Die beiden haben gewisse Gemeinsamkeiten. Beide sind Spaßvögel und dafür zuständig, ihr Publikum zum Lachen zu bringen. Sie unterscheiden sich jedoch vor allem in ihrem Auftreten, ihrem Kostüm und ihrer historischen Herkunft.

Der Clown war ursprünglich der Spaßmacher im englischen Theater des 16. Jahrhunderts. In Deutschland ist der Clown übrigens auch bekannt als Dummer August. Während der Narr über Zustände und Amtsträger spottet, verkörpert der Clown eher die tollpatschige und kindliche Seite des Menschen. Eine Zirkusaufführung ohne einen Clown ist undenkbar!

Helau und Kölle Alaaf!

Jetzt wissen Sie also Einiges, was man über die Narretei wissen sollte. Ein guter rheinischer Jeck, also Narr, sind Sie jedoch erst, wenn Ihnen folgende Ausrufe leicht über die Lippen kommen: Helau und Kölle Alaaf! Bei der schwäbisch-alemannischen Fasnet können Sie unter anderem punkten mit "Narri – Narro", nur einer von zahlreichen Narrenrufen der dortigen Narrenzunft. Weil Sie mir so schön zugehört haben, haben Sie noch einen letzten Witz verdient. Und diesmal bekommen Sie einen echten Clownswitz: Was macht ein Clown im Büro? – Faxen!



Fragen zum Text

Faxen machen bedeutet, dass
1. ein Fax verschickt wird.
2. jemand sich ständig über etwas beschwert.
3. jemand Grimassen schneidet.

Ein Witzbold ist jemand, der …
1. gerne Witze erzählt.
2. der gerne andere Menschen verspottet.
3. der oft ausgelacht wird.

Wer jemanden zum Narren hält, der …
1. betrügt jemanden.
2. macht sich über jemanden lustig.
3. hält jemanden für einen lustigen Vogel.

Arbeitsauftrag
Trage deinen Lieblingswitz in der Gruppe vor. Die Namen aller TeilnehmerInnen werden an die Tafel geschrieben. Nachdem alle ihre Lieblingswitze vorgetragen haben, wird abgestimmt, welcher Witz am besten war. Dafür werden die Namen der KandidatInnen aufgeschrieben. Jede/r KursteilnehmerIn gibt eine Stimme ab. Der/die Teilnehmer/in, der/die die meisten Striche auf der Tafel hat, wird zum Kursnarren beziehungsweise zur Kursnärrin ernannt.

Autor: Felix Forberg
Redaktion: Beatrice Warken

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