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Kultur

Heiterkeit und Abgrund - der Maler Paul Klee

Wer die letzten Tage der Paul-Klee-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin noch sehen möchte, muss Geduld mitbringen: Immer wieder drängen sich kunsthungrige Menschenschlangen rund um den gläsernen Bau.

Paul Klees Gemälde Goldfisch

Der vielleicht populärste Künstler der Moderne ist ein Publikumsrenner. "Das Universum Klee", wie die Ausstellung heißt, spannt sich zwischen den lichten und dunklen Polen seines Schaffens, zwischen verträumter Sehnsucht nach Frieden und der Erfahrung vernichtender Kriege. Schon im Ersten Weltkrieg entwickelte Paul Klee die "Sehnsucht nach Sonnen und Monden", die seine Bilderwelt bevölkern - eine Abwehr der Schrecken um ihn herum. Mal tief melancholisch, mal mit beißendem Spott betrachtete Paul Klee die Welt: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar" lautete sein Credo.

"Es riecht nach Leichen"

Porträt Paul Klee mit Jackett und Fliege

Opfer der NS-Terrors: Paul Klee

1879 in der Schweiz geboren, lehrte Paul Klee am Bauhaus in Weimar und Dessau, später an der Düsseldorfer Kunstakademie. Doch 1933 warfen ihn die Nazis wegen "politischer Unzuverlässigkeit" und als "entarteten Künstler" aus dem Amt. "Meine Herren, es riecht in Europa bedenklich nach Leichen", lautete sein hellsichtiger Abschiedskommentar, und eines seiner Gemälde trug den Titel "Von der Liste gestrichen". Klee kehrte in die Schweiz zurück, wo ihm die Kunsthalle Bern 1935 eine Ausstellung widmete. In Deutschland wurden seine Werke beschlagnahmt und etliche von ihnen ins Ausland verkauft. Schwer krank, starb Paul Klee 1940 in seiner Heimatstadt Bern.

Kult des Künstlers

Paul Klees Gemälde Abfahrt der Schiffe

Abstraktion und Spiel: "Abfahrt der Schiffe"

So konnte er nicht mehr miterleben, auf welche Begeisterung seine Arbeiten nach der NS-Zeit in Deutschland noch stoßen würden. Seine Darstellungen von Pflanzen oder Tieren in leuchtenden Farben, seine spielerische Formensprache, die nie so abstrakt wurde wie die radikalere Avantgarde, machten Klee zum Mitbewohner in zahllosen Mittelschichtsfamilien: Kunstdrucke seiner Gemälde gehörten jahrzehntelang zum Inventar deutscher Wohnzimmer.

85 Jahre ist es nun her, dass im Berliner Kronprinzenpalais eine Paul-Klee-Retrospektive zu sehen war. Jetzt legen die Staatlichen Museen zu Berlin nach mit einer umfassenden Schau, die Klee in den großen Berliner Ausstellungskomplex unter dem Titel "Kult des Künstlers" integriert. In der Neuen Nationalgalerie sind nun 250 Meisterwerke aus sämtlichen Schaffensphasen zu sehen, darunter Leihgaben, die sonst nie auf Reisen gehen – Werke aus Bern und Winterthur, aus New York, Wien, Jerusalem und Köln. DW-TV ist Medienpartner der Schau, die noch bis zum 8. Februar zu sehen ist.

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