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Kultur

Heiraten: Rosenknospe auf Türkisch

Rahmi kommt 1964 aus der Türkei. Kyung Ja kommt 1967 aus Südkorea. Sie heiraten 1971 in Köln-Porz. Wie das war und warum sie zwanzig Jahre später noch mal Ja sagen, das können die beiden nur selbst erzählen:

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Standesamt und Wohnzimmerschrank

Kyung Ja: "Ich lernte Krankenschwester in Köln und war zum Abendessen eingeladen. Danach stand ich an der Haltestelle "Neumarkt". Rahmi war in der Strassenbahn, er klopfte ans Fenster, ‘Komm rein!‘. 'Nein‘, sagte ich. Dann bin ich in die 19 eingestiegen. 'Warum war er so aufgeregt?, dachte ich. Ob er auch Koreaner ist, vielleicht ein Freund meines Bruders? Und dann stand er plötzlich da, wollte sich hinsetzen. 'Der Platz gehört mir nicht,‘ sagte ich. Er fragte mich aus: 'Woher kommen Sie? Wie alt Sind Sie? Was machen Sie?‘ Bis Köln-Kalk. Ich stieg aus, er lief hinter mir her. 'Nur 5 Minuten Kaffee trinken!‘. Er hat mir seine Telefonnummer gegeben. Nach einer Woche habe ich ihn angerufen. Wir sind Kaffee trinken gegangen. Aus fünf Minuten sind 36 Jahre geworden."

Rahmi: "Aber mein Angebot kam nicht sofort. Wir sind vier Monate spazieren gegangen. Hand in Hand, das ist in der asiatischen und in der türkischen Kultur so. Nicht so wie in Deutschland, Ruckzuck ins Bett. Sie kannte nicht mal Küsschen, das hat sie von mir gelernt. Ich habe gesagt: Fräulein Hildegard, wie ist das eigentlich? Willst du mit mir Ehe schließen? Dann hat sie ja gesagt, ich will dich heiraten. In Ordnung, habe ich gesagt."

Kyung Ja: "Hier heiße ich für die Leute Hildegard, das ist mein Taufname. Rahmi nennt mich 'Gonca', Rosenknospe auf Türkisch, weil das sich so anhört wie mein koreanischer Name. Als ich meiner Familie schrieb, dass ich heirate, haben sie gesagt, wenn du heiraten willst, komm nach Hause, es gibt genug Männer in Südkorea. Aber ich brauchte meine Papiere, damit ich in Deutschland heiraten konnte. Da haben wir gelogen und geschrieben, dass ich schwanger bin. Nach 14 Tagen waren die Papiere da. Aber es gab dann Probleme wegen der Religion: Rahmi ist Muslim, ich bin katholisch. Am Tag vor der Hochzeit sagte seine Familie: 'Du musst Muslima werden.‘ 'Wenn ich Muslima werden muss, dann heirate ich nicht‘, habe ich gesagt. Dann sind sie gegangen. Rahmi sagte: 'Du bleibst katholisch und ich bleibe Muslim. Und dann heiraten wir.‘ Zu der Feier habe ich ein weißes Hochzeitskleid getragen."

Rahmi: "In der Familie wurde gekocht, gegessen, getrunken, mit viel Musik und Tanz. Bei einer koreanischen Hochzeiten wird immer ein Schwein geschlachtet, auf türkischen Hochzeiten natürlich nicht, wir schlachten meist ein Schaf. Auf unserer Hochzeit gab es Eintopf, mein Bruder hat viele Verwandte und Freunde eingeladen. Wir haben türkische Musik gespielt. Meine Braut war ja die einzige Koreanerin da."

Kyung Ja: "Ich hatte keine Verwandten da, die Hochzeit hat seine Familie ausgerichtet, alles auf Türkisch. Ich habe einfach mitgemacht.

Rahmi: "Bei der Hochzeit war meine Frau schon ein bißchen traurig, weil wir nicht nach koreanischem Brauch geheiratet haben. Weil keine Verwandten von ihr da waren. Das hat man schon gemerkt. Sie hat aber getanzt, sie konnte wirklich gut tanzen. Das hatte sie in Korea gelernt. Dafür hat sie viel Applaus gekriegt."

Kyung Ja: "Das war aber nicht damals, das war später. Wir haben nämlich noch mal geheiratet. Weil ich mit Rahmi, mit einem Muslim verheiratet war, durfte ich in der Kirche nicht die Kommunion empfangen. Zwanzig Jahre lang. Ich konnte nicht mehr so leben, ich wollte kirchlich heiraten. Und Rahmi hat ja gesagt. Hier zu Hause wurden wir getraut, das war 1991. Für mich war das sehr wichtig. Ich habe schön gekocht, koreanisch und deutsch. Wir haben zusammen gegessen. Meine Familie war auch beim zweiten Mal nicht da, nur die Trauzeugen, meine Arbeitskolleginnen, einige koreanische, türkische und deutsche Freunde."

Rahmi: "Das hat sie alles alleine gemacht. Beim zweiten mal, da habe ich einfach mitgemacht."

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  • Datum 05.01.2006
  • Autorin/Autor Protokoll von Kateri Jochum
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