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Filme

Heirate mich!

Während einer Urlaubsreise lernt Erik aus Hamburg die Kubanerin Gladis kennen und lieben. Gladis setzt alles auf eine Karte, heiratet Erik und zieht zu ihm nach Deutschland. Die Kamera hat sie zwei Jahre lang begleitet.

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Eine Fahrt ins Ungewisse

80 Stunden Filmmaterial - keine leichte Aufgabe für die Regisseure Uli Gaulke und Jeanette Eggert, daraus einen hundertminütigen Dokumentarfilm zu schneiden. Fünf Wochen hat es gedauert, bis der bewegende und überzeugende Streifen "Heirate mich!" fertig war, erzählt Gaulke im Gespräch mit DW-WORLD.

Ein Film über Abschied und Ankommen

Filmplakat Heirate Mich

Filmplakat Heirate Mich

Die Geschichte beginnt mit einer Liebeserklärung. Erik hält um Gladis Hand an – sie willigt ein. Geheiratet wird auf Kuba. Danach packen Gladis und ihr achtjähriger Sohn Omarito (der vor der Kamera überhaupt keine Scheu hat) die Koffer und folgen Erik nach Hamburg. Vor laufender Kamera beginnt ihr neues Leben. Es stehen langwierige Ämterbesuche an, die Wohnung wird eingerichtet, Gladis besucht einen Deutschkurs, Omarito wird eingeschult, die Schwiegereltern nehmen beide herzlich in die Familie auf – alles so, wie man es sich vorstellt. Natürlich gibt es Anfangsschwierigkeiten. Und natürlich brauchen Gladis und Omarito Zeit, sich an Deutschland zu gewöhnen. Nichts anderes erwartet der Zuschauer. Doch eigentlich handelt der Film gar nicht von den kulturellen Problemen, mit denen Gladis in ihrer neuen Heimat zu kämpfen hat. Er handelt vielmehr vom Kampf der Geschlechter.

Im Mittelpunkt steht die ungleiche Partnerschaft. Gladis strahlt - sie ist jung, schön, temperamentvoll und eigensinnig. Sie will sich ihre Selbständigkeit bewahren, sich nicht aufgeben. Erik ist knapp zehn Jahre älter. Für Gladis hat er sich scheiden lassen, rackert sich nur für sie ab - wie er selbst sagt -, engt sie ein. Er wirkt blass neben ihr und manchmal auch unsympathisch, obwohl Gaulke und Eggert versucht haben, ein Gleichgewicht herzustellen und möglichst unparteiisch zu bleiben.

Sorgen und Nöte im Ehealltag

Immer häufiger geraten Gladis und Erik in Streit. Sie fühlt sich durch seine überschäumende Liebe in ihrer Freiheit beschränkt, fühlt sich unverstanden. Der anfänglichen Euphorie folgen Missverständnisse und Reibereien. Doch trotz aller Schwierigkeiten kämpfen beide um ihre Ehe. Und dann, in ihrem ersten gemeinsamen Urlaub auf Sizilien, überschlagen sich die Ereignisse. Es geschieht etwas, das dem Leben von Gladis, Erik und Omarito eine neue Richtung geben wird. Ob das Ereignis als Happyend zu bewerten ist, bleibt offen.

"Heirate mich" – spanisch mit deutschen Untertiteln und umgekehrt – ist sicherlich nicht nur für Paare mit unterschiedlichem kulturellen Background interessant. "Der Film spricht vielmehr Probleme an, mit denen auch deutsch-deutsche Paare zu kämpfen haben. Viele Frauen finden sich in Gladis wieder. "Wenn sie sagt: 'Lass mir meinen Raum, lass mir meine Unabhängigkeit', können das in einer Beziehung lebende Frauen häufig nachempfinden", sagt Gaulke.

"Leben und Drehen ging ineinander über"

Gladis lag viel daran, sich auf ihrem manchmal schmerzhaften aber auch komischen Weg von der Kamera begleiten zu lassen. Das Regisseur-Duo Gaulke und Eggert hatte sie schon 1999 während der Dreharbeiten zu "Havanna mi amor" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis 2001) kennen gelernt. Sie waren in Kontakt geblieben, und Gladis hat zu ihnen Vertrauen gefasst. So bleibt in "Heirate mich" die Kamera schonungslos nah dran, zeigt starke emotionale Momente. "Nur selten wurde ausgeschaltet", erzählt Uli Gaulke, "eigentlich nur dann, wenn es um Banalitäten ging". Die Regisseure haben versucht, in den endlosen Streitereien die Zwischentöne zu finden, das Wesentliche heraus zu filtern. Es ist ihnen geglückt.

"Heirate mich" ist Gladis' ganz "eigenes Ding" geworden. Das einzige, das sie anfangs in Deutschland hatte – die Eintrittskarte in dieses Land. Ihre Intimsphäre sieht sie durch den Film nicht verletzt, vielmehr sieht sie sich unverzerrt dargestellt. Und das, obwohl "Heirate mich" nicht die ganze und wahrheitsgetreue Geschichte von Gladis, Erik und Omarito ist und auch nicht sein kann. "Es ist eine Geschichte von und über uns alle", sagen Gaulke und Eggert. "Denn im Streben nach Glück, Liebe und Geborgenheit sind wir uns irgendwie ähnlich – überall auf dieser Welt".

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