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Sport

Heiner, der Vesuv

Die deutschen Handballer fühlten sich im WM-Spiel am Sonntag gegen Norwegen von den slowenischen Schiedsrichtern um den Erfolg betrogen. Auch Heiner Brand, der ahnen ließ, welch verheerendes Potential in ihm schlummert.

Heiner Brand geht mit seinen Spielern auf den slowenischen Schiedsrichter Peter Ljubic los. Quelle: ap

Vorsicht, Magma!

Heiner ist der Vesuv des Handballs. Denn allen, die Handball mögen, geht es wie den Einwohnern Neapels: Auch dort lieben die Menschen ihren Berg, der so ruhig über ihnen thront. Sie verdrängen die Gefahr, die in dem Vulkan schlummert. Doch der Vesuv wird ausbrechen, irgendwann. Erinnert euch an die Ruinen Pompejis!

Rialto-Brücke aus Haaren

Portrait Heiner Brand. Quelle: ap

Unser Heiner, sonst keiner

Bisher galt Heiner der Handballwelt zu seinen Füßen nicht als Vulkan, vielmehr als Feldberg oder Brocken: Ganz selten stürmisch, fast immer gemütlich. Einer, dem du mit einer Dampfeisenbahn oder einem Sessellift zu Leibe rücken kannst, ohne Gefahr zu laufen, abgeworfen zu werden. Einer, der seinen sanft im Wind dahinwogenden Laubwald als Schnauzbart im Gesicht trägt. Hätte ihn jemand bei einem Malquiz darstellen müssen, er hätte nur diese Rialto-Brücke aus Gesichtshaaren zu skizzieren brauchen. Und schon hätten alle gewusst: Das ist unser lieber Heiner und sonst keiner.

Brand unter Feuer

Heiner Brand schreit seine Wut heraus. Quelle: ap

Kurz vor dem Ausbruch

Seit Sonntag aber ist alles anders. Nicht nur die Vulkanologen schlagen Alarm. Denn jeder hat es gesehen: Wie das Magma nach oben schoss und die Adern an Heiners Hals anschwollen. Wie der Druck aus dem Innern seine Augäpfel hervortreten ließ. Wie sich die Stirn zu Falten zog. Wie sich die Haare der Rialto-Brücke sträubten. Wie sich der Mund darunter zu einem schmalen Schlitz verengte. Wie sein Kinn erbebte. Wie sich fast von selbst die Faust bildete und der Arm zum finalen Schlag ausholte. Wie sich Heiner heranpirschte, sich klein machte, bereit zum Sprung, jede Faser seines Körpers unter Spannung. Kein Zweifel: Brand stand unter Feuer. Und allen war klar: Der verheerende Ausbruch des Vulkans war unausweichlich.

Blitze unter dem Hallendach

Die Stadt Neapel vor dem Vulkan Vesuv. Quelle: ap

Trügerische Idylle

Doch dann die wundersame Wendung. Heiner drehte ab, fiel in sich zusammen wie der Luftballon, nachdem er den Igel geküsst hat. Die Katastrophe blieb aus, der Schiedsrichter erstarrte nicht zum steinernen Opfer. Die Vulkanologen rätseln noch darüber, wohin der immense Druck entwichen ist. Einige Zuschauer wollen unter dem Hallendach Blitze gesehen, Donnergrollen gehört und einige Regentropfen gespürt haben. Heiner, der Vesuv, legte sich wieder zur Ruhe. Sie könnte trügerisch sein.

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