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Nahost

Heimkehr mit Champagner

Knapp zwei Wochen nach ihrer Gefangennahme sind die 15 britischen Soldaten wohlbehalten in London gelandet. Im Westen blühen nun Hoffnungen auf Fortschritte beim Atomstreit mit dem Iran.

Gelandet und weggeführt: die freigelassenen Soldaten in Heathrow, Quelle: AP

Gelandet und weggeführt: die freigelassenen Soldaten in Heathrow

Während ihres Heimflugs erhielten die Soldaten nach Angaben eines Militärsprechers neue Uniformen und feierten ausgelassen mit Champagner, wie ein mitreisender Journalist des Senders Sky TV berichtete. Der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA zufolge gaben die Behörden den Soldaten Süßigkeiten und Bücher mit auf den Weg, außerdem Souvenirs wie Handarbeiten und eine Vase.

Die Soldaten zeigten sich nach ihrer Landung mit einer Maschine der British Airways in London-Heathrow nur kurz vor den Fernsehkameras, ohne etwas zu sagen. Sie bestiegen dann Hubschrauber, mit denen sie zum Marinestützpunkt Chivenor an der Südwestküste Englands geflogen wurden. Dort konnten die 15 endlich ihre Angehörigen und Freundinnen, von denen sie begeistert empfangen wurden, in die Arme schließen. Nach fast zweiwöchiger Gefangenschaft flossen bei dem Wiedersehen Tränen. Anschließend sollten die Soldaten medizinisch untersucht und zu ihrer Gefangenschaft in Teheran befragt werden.

Die Soldaten waren am Mittwoch (4.4.) in Teheran überraschend durch den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad freigelassen worden. In Teheran hatten einige von ihnen vor Kameras des staatlichen Fernsehens erklärt, sie seien illegal in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen und würden dies bedauern. Nach iranischen Angaben legten alle entsprechende Geständnisse ab.

Blair: Es gab keinen Deal

Nach der Landung der Soldaten trat Premierminister Tony Blair vor die Kameras. Die Freilassung sei möglich geworden, weil Großbritannien einerseits in einen offenen Dialog "mit dem iranischen Regime" eingetreten sei und andererseits die internationale Gemeinschaft sehr deutlich die Gefangennahme verurteilt und damit Druck ausgeübt habe, sagte er. Nur so könne Teheran von der Entwicklung nuklearer Waffen sowie von der Unterstützung des Terrorismus abgehalten werden. Für die Freilassung hat der Iran nach Blairs Angaben keine Gegenleistung erhalten. Es habe keinen Handel und keine Vereinbarungen gegeben.

Tony Blair vor der Presse

Tony Blair vor der Presse

Jetzt sei der richtige Moment, die Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran zu überdenken, erklärte der Regierungschef. Sofern Teheran bereit dazu sei, könne es ein anderes Verhältnis geben als bisher. Zugleich betonte Blair, die internationale Gemeinschaft müsse der Regierung in Teheran standhaft gegenüberstehen.

Blair verurteilte zugleich einen am Donnerstag verübten Bombenanschlag auf britische Truppen im Irak, dem vier Soldaten zum Opfer fielen. Er wolle dies nicht direkt Teheran anlasten, sagte Blair, aber es sei gut bekannt, dass "Elemente des iranischen Regimes" Terroristen im Irak unterstützten.

Teheran: Briten haben sich entschuldigt

Nach iranischer Darstellung hat sich Großbritannien für die angebliche Grenzverletzung der freigekommenen Soldaten entschuldigt. Der Iran habe seine Ziele in der Krise um die 15 Marineangehörigen erreicht, sagte Ali Akbar Welajati, ein Berater des Revolutionsführers Ajatollah Ali Khamenei, dem staatlichen iranischen Fernsehen zufolge.

"Der Iran machte ein Eingeständnis Großbritanniens zur Bedingung, dass es eine Grenzverletzung gab", sagte Welajati. "Am Dienstag haben wir ein Entschuldigungsschreiben erhalten." Die britische Regierung wies diese Darstellung "kategorisch" zurück.

EU hofft auf Fortschritte im Atomstreit

Auch die Europäische Union hat die Heimkehr der Marineangehörigen begrüßt und weitergehende Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung im Atomstreit geäußert. Die EU sei von Anfang an solidarisch für eine rasche Lösung der Krise eingetreten und habe sich wiederholt mit Nachdruck bei den iranischen Autoritäten für die 15 Seeleute verwandt, erklärte das Auswärtige Amt am Donnerstag im Namen der EU-Präsidentschaft.

Die EU hoffe, dass der Iran nun auch die Gelegenheit nutze, um mit der internationalen Staatengemeinschaft Lösungen auf anderen Gebieten zu finden. Dies gelte insbesondere für das Angebot der Außenminister Chinas, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Russlands und der USA, eine Lösung im Streit um das iranische Nuklearprogramm zu finden. (tos)

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