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Alltagsdeutsch – Podcast

Heimat

Ob alt, ob jung: Jeder verbindet mit "Heimat" etwas anderes, etwas Persönliches. Heimatgefühle werden dort wach, wo die eigene Sprache gesprochen wird. Museen bieten die Möglichkeit, mehr über die Heimat zu erfahren.

Lehrer:

Heimat ist für jeden Menschen wichtig. Unsere Reporterin hat sich mit Menschen unterhalten, die beruflich mit dem Begriff Heimat zu tun haben und sie hat Menschen auf der Straße gefragt, was sie unter Heimat verstehen. Dabei wirft sie auch einen Blick auf Ausdrücke, die mit dem Begriff Heimat in gewisser Weise verbunden sind.

Reporterin:

Heimatmuseen haben an der Museumslandschaft Deutschlands einen großen, meist unterschätzten Anteil. Knapp die Hälfte aller deutschen Museen sind Volks- und Heimatkundemuseen. Einen kurzen Überblick, was dort alles ausgestellt wird, gibt Klaus Ring.

Klaus Ring (Eifeler Museumsverein):

"Es gibt natürlich Spezialmuseen, die sich einem bestimmten Thema widmen. Ich denke da an das Rennsportmuseum auf dem Nürburgring, wo der Inhalt des Museums ja schon im Namen zum Ausdruck kommt. Aber auch zum Beispiel an das Mausefallen-Museum in Nehrod, wo ja auch schon im Namen ausgedrückt ist, dass man sich hier mit einer ganz speziellen handwerklichen Kunst beschäftigt, die halt in diesem Ort heimisch gewesen ist. Daneben gibt es eine ganz große Zahl von Museen, die man so unter, ja, den gängigen Begriff des Heimatmuseums packen könnte, das heißt Museen, in denen Themen der bäuerlich-handwerklichen Vergangenheit ausgestellt werden."

Reporterin:

Eine Tendenz ist bei den sehr unterschiedlichen Ausstellungsthemen deutlich. Bauern und Handwerker stehen im Vordergrund. Es geht um die Darstellung überschaubarer Arbeits- und Lebensweisen. So wie es früher einmal war, einfacher eben als heute oder zumindest leichter zu verstehen. Die Ausstellungen haben nicht nur verschiedene Themen, sie unterscheiden sich auch im Anspruch zum Teil sehr deutlich. Neben der Bemühung um eine wissenschaftlich genaue Rekonstruktion der Vergangenheit gibt es viel verklärende Romantik und manchmal auch eine Art ausgestellter Abstellkammer.

Klaus Ring:

"Also Heimat kann man natürlich so ohne weiteres nicht ausstellen. Es gibt Museen, in denen tatsächlich die Objekte, die Fundstücke der Vergangenheit, so wie sie reinkommen auch ausgestellt werden, verbunden auch mit dem Bewusstsein, dass man das alles zeigen möchte, was man also gesammelt hat. Und daraus ist dann auch ein Sammelsurium geworden im Laufe der Jahre, wo dann inhaltliche Zusammenhänge einfach nicht mehr zu erkennen sind."

Lehrer:

Wer immer nur sammelt, ohne zu fragen, was die einzelnen Gegenstände aussagen können, hat bald ein Sammelsurium. Das Wort mit der ironisch gemeinten lateinischen Endung bedeutet ein buntes ungeordnetes Gemisch verschiedener Dinge. Auf einer früheren Sprachstufe bedeutete "Sammelsur" ein saures Gericht aus Speiseresten. Daran denkt heute zwar niemand mehr, das Sammelsurium aber kennt jeder.

Reporterin:

Heimatmuseen sind keine spektakulären Ausstellungsorte. Sie haben meistens weder den Chic von moderner, ausgefallener Museumsarchitektur, noch zehren sie von der Bekanntheit berühmter Maler oder Bildhauer. Sie wirken im Kleinen, stellen aus in abgeschiedenen Orten und oft in einfachen ländlichen Gebäuden. Hier wird die kleine Anregung gesucht, die sanfte Erinnerung an frühere Zeiten, ohne großen Anspruch an Tiefsinn und Kunstverständnis. Ein Blick in die Landschaft der Heimatmuseen ist eine Möglichkeit, etwas über den Begriff Heimat zu erfahren. Eine andere Möglichkeit ist, Menschen nach ihrer persönlichen Sicht dieses Wortes zu fragen. Für viele, die ich auf der Straße treffe, ist Heimat schlicht der Ort, an dem sie geboren sind. Dort, wo sie gelebt haben und ihre ersten Eindrücke sammelten.

Befragte Personen:

"Ostpreußen war meine Heimat. Wo ich auch gelebt habe. Ja, Heimat, das ist die Landschaft, und noch alles, was so drum und dran hängt. / Kindheit, dann fällt mir ein Dorf ein, die Umgebung, die Landschaft, das ist so die Assoziation. / Für mich verbindet sich wirklich Heimat mit der Landschaft, mit dieser Kindheit, mit dem bestimmten Ort, und ich denke, als wir da weg gegangen sind, haben wir die Wurzeln dort gelassen und ich würde, glaube nichts Neues wieder als Heimat bezeichnen."

Lehrer:

Heimatbewusstsein hat viel mit der Sprache zu tun, mit der Erfahrung der Muttersprache. Deshalb fühlen sich Menschen meist dort heimisch, wo man ihre Sprache spricht. Am deutlichsten wird das bei Deutschen, die ihre Sprache im Exil pflegten, bei Vertriebenen und früheren Exilanten. Sprachheimat geht jedoch über die Landesprache hinaus. Auch der Dialekt und oft bestimmte familiäre Redewendungen sind wichtig, um das Gefühl Heimat erwachen zu lassen.

Musik

Volkslied "Nun ade du mein lieb Heimatland" (2. Strophe)

"Wie du lachst mit deines Himmels Blau

Lieb Heimatland ade

Wie du grüßest mich mit Feld und Au

Lieb Heimatland ade…"

Reporterin:

Im Blankenheimer Kreismuseum haben Menschen aus der Umgebung Dinge ausgestellt, die für sie Heimat bedeuten. Eva-Maria Hermanns:

Eva-Maria Hermanns (Kreismuseum Blankenheim):

"Heimat ist nicht immer nur ein theoretischer Begriff, sondern sehr oft fällt es uns zu, erinnert man sich bei einem Gegenstand, den man in die Hand nimmt, der einem begegnet, ein Text oft, eine Erzählung, wie hier ein winziges Foto des Sofas in der Küche, an das man sich erinnerte, immer im Bewusstsein der Geborgenheit. Oder dieses stille Glück, wie Himbeerbonbons, die einfach erinnern an diesen Geschmack als Kind, Glück aus den Kindertagen. Himbeerbonbons, es sind natürlich nicht nur Gegenstände, die einem zufallen bei Erinnerung an Heimat, sondern auch Gerüche, Klänge, Düfte, zum Beispiel hier für uns in der Kölner Gegend natürlich das 4711, den Duft der Mutter, die immer ein kleines Tüchlein in der Tasche trug, selbst also in der Arbeitsschürze. Bohnerwachs, Kernseife, unverkennbar, das war Heimat."

Reporterin:

Heimat ist zuallererst ein Gefühl und die Dinge, die dieses Gefühl hervorrufen, sind von beinahe endloser Vielfalt. Im Örtchen Blankenheim gibt es viele Besucher, die ein Stück Heimat wieder erleben möchten.

Befragte Personen:

"Wir waren gestern unheimlich enttäuscht, als wir nicht unseren Waldbeerpfannekuchen, so wie wir den kannten, bekommen haben. Wir hatten uns so sehr darauf gefreut. Aber das waren eben Waldbeeren, da waren Himbeeren, da war alles drin. / Oder das Brot, wenn wir in die Eifel kommen, ist für mich auch der Brotgeruch, von den alten Bäckereien, das war Sauerteig. / Also ich kenn‘ das, dass die Butter gekirnt wurde noch. Und das, für mich ist heute noch, also, Butter ist für mich Heimat, ja."

Lehrer:

Mit der Sache verschwindet oft auch das Wort dazu. Heutzutage wird Butter in großen Molkereibetrieben hergestellt. Das Kirnen, das Butter stampfen und die Kirne, das Butterfass, kennt kaum jemand mehr. Heimat lebt von der Erinnerung. Ob diese Erinnerung der Realität entspricht, ist oft zweitrangig. Auch Handlungen, bestimmte Arbeiten oder gemeinschaftliche Feste wecken Heimatgefühle, wie unsere Reporterin auf der Straße erfahren konnte.

Befragte Personen:

"Auch Heimatverbundenheit, das heißt mit dem Land, mit der Gegend, wie zum Beispiel Weihnachtsfeste oder Allerheiligen oder Ostern. Da wird mir mehr heimatlich zumute. / Das ist heimatlich, dass der Baum geschmückt ist. Dann werden Kirchenlieder gesungen. Dann wird die Weihnachtsgeschichte gelesen, auch wenn ich damit nix mehr am Hut hab, das ist so ein ganz enges Zeremoniell. Ich steck da nicht mehr drin, und ich mach das auch nicht mehr in der Vehemenz, wie das meine Familie gern so hätte, aber das ist eine Erinnerung und das ist schön.

Lehrer:

Wenn einem heimatlich zumute wird, bedeutet das ein Gefühl von Vertrautheit, von Geborgenheit und auch Gemütlichkeit. Mit der Herkunft eines Menschen, mit dem Heimischen, muss das nichts zu tun haben. Mit der Weihnachtsgeschichte hat die junge Frau nichts mehr am Hut, sie macht das Weihnachtszeremoniell zwar mit, aber steckt da eigentlich nicht mehr drin. Mit diesen sehr verbreiteten Redewendungen drückt sie ihre Distanz aus. Sie macht ein für sie heute bedeutungsloses Ritual mit und wärmt sich an der Erinnerung vergangener Tage.

Reporterin:

Viele Bilder, die einem beim Begriff Heimat einfallen, haben mit dem Leben auf dem Lande zu tun. Heimatmuseen stellen meist bäuerliches Leben aus. Das Empfinden dieser bäuerlich geprägten Landschaft mit einiger Entfernung zur Großstadt, die Provinz, wie man auch sagt, ist im Gefühl der Menschen jedoch zwiegespalten. Das zeigt sich auch an dem deutlich negativen Urteil "provinziell".

Befragte Personen:

"Das ist eine Sache, wenn jemand sagt, provinziell, das heißt, du bist primitiv, das ist salopp gesagt. / Provinz, hinterstes Dorf an der Grenze irgendwo. / Ja, hinterm Mond zurück vielleicht oder so in der Richtung gehend. Ein bisschen, kann man sagen, minderbemittelt. / Ihr wohnt ja da draußen, ihr kriegt nichts mit."

Lehrer:

Der erste Passant hält das Wort provinziell für einen saloppen Ausdruck. Salopp bedeutet in gewisser Weise nachlässig oder betont ungezwungen zu sein. Man kann salopp formulieren, sich aber auch salopp kleiden. Die Passantin zuletzt versuchte das Wort provinziell recht bildhaft zu umschreiben. Wer hinter dem Mond lebt, ist tatsächlich von jeder Zivilisation und Bildung abgeschnitten. Die Übertreibung ins Unmögliche verleiht dem Ausdruck die nötige Ironie. Auch der Ausdruck minderbemittelt oder wie manche sagen, geistig minderbemittelt macht sich die Ironie zunutze. Minderbemittelt bedeutet eigentlich arm und wäre eine geschmacklose Bezeichnung, würde sie nicht so schön amtlich korrekt klingen. Durch die Verfremdung wird dem Ausdruck die Schärfe genommen.

Reporterin:

Der Begriff "provinziell" ist fast allen Menschen, die ich frage, geläufig. Und jeder hat auch gleich einen ähnlichen Ausdruck parat.

Befragte Person:

"Wenn einer, dass man nicht unbedingt auf Zack ist oder so, hier du bist provinziell oder du kommst aus der Provinz, dat das vielleicht so eine Verdummteufelung ist oder so."

Lehrer:

Bei den Ausdrücken, die einen Menschen als dumm oder einfältig beschreiben wollen, herrscht rege Vielfalt. Man könnte sagen, dass ihre Bedeutung sich zwar berührt, aber nie gleich ist. Einer, der nicht auf Zack ist, wie der Mann zuletzt sagte, macht seine Sache schlecht und reagiert zu langsam. Der Ausdruck ist vor allem in der positiven Wendung sehr verbreitet. Auf Zack oder auch schwer auf Zack sind beliebte Formeln, um jemanden zu beschreiben, der klug und reaktionssicher ist. Doch hören Sie noch andere Meinungen zum Begriff provinziell.

Befragte Personen:

"Engstirnig, das Gegenteil von weltoffen, ist für mich fürchterlich provinziell. / Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Also es ist hinter irgendeiner Grenze. / Hinterwäldlerisch, einen engen Horizont haben und da nicht hinter vorgucken können, kleinkariert."

Lehrer:

Die junge Frau holt sprachlich weit aus. Das Bild der engen Stirn, der Engstirnigkeit, bezeichnet genauso bildhaft wie der enge Horizont einen strengen und dummen Charakter. Diese Art von Begrenzung oder besser Begrenztheit findet sich dann auch im beliebten Begriff des Hinterwäldlerischen wieder. Wer hinterwäldlerisch ist, ist in dümmlicher Weise altmodisch. Er hat den Anschluss an Bildung, moderne Technik und auch neue Sprach- oder Kleidungsmoden verpasst. Ganz so, wie es die Formel, das Zitat aus dem Märchen vom Schneewittchen nochmal verdeutlicht: hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen. Hoffnungslos veraltet ist einer, der so beschrieben wird.

Fragen zum Text

Keine negative Bedeutung hat das Adjektiv …

1. weltoffen.

2. provinziell.

3. hinterwäldlerisch.

Wer auf Zack ist, ...

1. reagiert schnell.

2. reagiert langsam.

3. reagiert gleichgültig.

Wer mit dem Weihnachtsfest nichts am Hut hat, ...

1. hat noch nicht die richtige Kleidung für Weihnachten gefunden.

2. interessiert sich nicht für Weihnachten.

3. trägt zu Weihnachten nicht gerne einen Hut.

Arbeitsauftrag:

Was bedeutet "Heimat" für Sie? Entwerfen Sie in der Kleingruppe ein Plakat, auf dem Sie alles sammeln, was Sie mit dem Begriff Heimat verbinden (Erinnerungen, Personen, Orte, Essen, Gerüche, Bilder, Wörter). Stellen Sie Ihr Plakat den anderen vor.

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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