1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Heimat für zwei - ein Friedensdorf in Israel

In einem Land, in dem zwei Völker seit Jahren miteinander streiten, gibt es trotzdem einen Ort, an dem Palästinenser und Israelis friedlich zusammenleben - im Dorf Neve Shalom/Wahat al Salam - der "Oase des Friedens".

Die Taube als Symbol des Friedensdorfes

Neve Shalom/Wahat al Salam (NSWAS) ist ein etwas anderes Dorf, anders auch als ein Kibbutz. Im Jahr 1972 hatte der Dominikaner Bruno Hussar die Idee, ein Dorf zu gründen, in dem Palästinenser und Israelis einen gemeinsamen Alltag teilen - trotz nationaler und religiöser Unterschiede. Auf einem Stück Land zwischen Jerusalem und Tel Aviv, gestellt von den Mönchen des Trappisten Klosters Latroun, entstanden die ersten Häuser und Einrichtungen aus privaten Mitteln, ohne staatliche Förderung.

Bruno Hussar legte den Grundstein für die Oase des Friedens

Im Jahr 2004 lebten bereits 50 Familien in NSWAS und der Zuwachs steigt. 140 Familien sollen das Dorf mal ihre Heimat nennen. Unter den ersten Bewohnern befand sich Evi Guggenheim-Shbeta, eine Schweizer Jüdin, die in dem Dorf ihren späteren palästinensischen Ehemann traf, den ersten Bürgermeister von NSWAS.

Durch Bildung zu Völkerverständigung

Die Grundeinstellung, die ein Zusammenleben der beiden Völker in der Oase des Friedens möglich macht, basiert auf Gleichberechtigung, Respekt voreinander und dem Vorsatz, durch Bildung einen Beitrag zur Verständigung beider Völker, zu leisten - sowohl im Dorf als auch im ganzen Land. Zeitgleich mit dieser Idee wurden die ersten Kinder im Dorf geboren. Es entstanden ein bilingualer, binationaler Kindergarten und eine Schule, die bis zur Mittelstufe besucht werden kann.

Hier lernen die Schüler Toleranz

Sowohl in den Gruppen als auch in den Klassen gibt es jeweils eine palästinensische und eine israelische Bezugsperson. Gelehrt werden beide Sprachen - Arabisch und Hebräisch. Durch das Aufwachsen mit beiden Kulturen und Sprachen soll den Kindern von der Pike auf Respekt vor der Kultur und Tradition des Anderen vermittelt werden, damit ein Miteinander möglich ist.

Erst seit 2000 hat das israelische Bildungsministerium die Grundschulform von NSWAS in das nationale Schulsystem aufgenommen. Es gibt bereits zwei weitere Schulen im Land, die nach diesen Prinzip lehren. Seither hoffen die Bürger des Dorfes, dass ihr Schulmodell in anderen Ländern mit binationaler Bevölkerung nachgeahmt wird.

Während die Kinder vorurteilsfrei erzogen werden, geht es bei den Erwachsenen darum, etwas gegen bereits bestehende Intoleranzen zu tun. So gründete man 1979 die "Friedensschule", in der pädagogische Seminare und Workshops dazu beitragen sollen, Konfliktpotenzial abzubauen. Von Schülern über Studenten bis hin zu Anwälten nehmen viele unterschiedliche Menschen an diesem Programm teil.

Die Oase des Friedens aus östlicher Sicht

Keine Unterschiede

Zu den Zielen Bruno Hussars gehörte es, Rahmenbedingungen zu schaffen für einen Dialog zwischen den drei großen Weltreligionen. Um an seinem Konzept festzuhalten, tat sich dann 2001 eine Gruppe bestehend aus Moslems, christlichen Palästinensern und Israelis zusammen und gründete "Doumia-Sakinah", das "Haus der Stille". In diesem Zentrum werden seither Studientage und Seminare veranstaltet, um die spirituelle Dimension der Friedens- und Dialogarbeit zu ergründen.

Führungspositionen, die im Dorf zu vergeben sind, werden im Wechsel besetzt. So ist mal ein Israeli Bürgermeister und mal ein Palästinenser. Gleichheit wird groß geschrieben in NSWAS, was man schon daran erkennt, dass das Dorf in beiden Sprachen betitelt werden will.

Avantgarde der Friedensbewegung

Neben den bereits erwähnten Einrichtungen gibt es in NSWAS auch ein Gästehaus, welches sowohl Besuchergruppen als auch Einzelpersonen aufnimmt. Auf Wunsch kann dort auch eine Videopräsentation über die Entstehung von NSWAS organisiert werden - Verständigungsarbeit in einer von Gewalt geprägten Umgebung. Nicht ohne Grund hat NSWAS daher zahlreiche Preise für seine Friedensarbeit erhalten wie im Jahr 2003 den Friedenspreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Frankfurt am Main.

Auch die Prominenz fördert das Dorf - Richard Gere kam 2003

Da das Dorf keinerlei finanzielle Unterstützung der israelischen Regierung erfährt, sind alle Einrichtungen auf Fördervereine und andere Institutionen angewiesen. Anders könnte die "Oase des Friedens" nicht existieren.

NSWAS ist ein Experiment, ein Ort, an dem man versucht inmitten von politisch schwierigen Bedingungen gemeinschaftlich zu leben. Und es scheint zu funktionieren. Vielleicht ist dies der Beweis dafür, dass mit viel Respekt und Toleranz ein friedliches Leben zwischen Palästinensern und Israelis möglich ist.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links