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Welt

Heiligabend auf Arabisch

Maghar feiert Weihnachten - eine kleine arabische Stadt in Israel, in der Christen, Moslems und Drusen leben. Eine Besonderheit - arabische Städte in Israel werden meist nur von Angehörigen einer Konfession bewohnt.

Nur wenige Kilometer vom See Genezareth und seinen Städten Tiberias und Kapernaum entfernt sind die Weihnachtsvorbereitungen in vollem Gange: Die Straßen des christlichen Viertels in Maghar sind mit Lichterketten geschmückt, in den Auslagen der Geschäfte wird Christbaumschmuck angeboten, junge Mädchen kommen im rot-weißen Weihnachtsmanngewand von der Schule nach Hause. Besonders viel Mühe hat sich die Gemeinde beim Verschönern der einzigen Kirche im Ort gegeben: "Wenn ich die beleuchtete Kirche betrachte, stellt sich ein festliches Gefühl ein", schwärmt Naim Artoul. Der 24-Jährige ist extra für das Weihnachtsfest in die Heimat gekommen. Er spricht fließend deutsch, da er Medizin in Deutschland studiert.

Christbaumschmuck im Schaufenster eines Geschäfts in Maghar Foto: Florian Mebes (DW)

Christbaumschmuck in einem Laden

"Wir sind hier um die 5.000 Christen, deswegen geht es bei uns ruhiger zu als etwa in Nazareth", erzählt Christian Tannous, der ebenfalls 24 ist und in Deutschland Medizin studiert. Betlehem und Nazareth dagegen sind die Hauptanziehungspunkte der Weihnachtspilger und der Tourismus floriert. In Maghar bleiben die Christen unter sich.

Chaotische Szenen bei der Weihnachtsmesse

Das arabische Weihnachtsfest verläuft ein wenig anders als in Deutschland: Die heilige Messe findet am ersten Weihnachtsfeiertag statt. Vor der Kirche, die aus allen Nähten platzt, geht es in der Regel ein wenig chaotisch, aber dennoch festlich zu. Nach der Messe trifft man sich zum Plaudern, zwischen den Gruppen wuseln spielende Kinder umher, dann kommt die Familie zu Hause zusammen. "Bei uns feiert man Weihnachten wie in Europa, nur, dass es kein Raclette gibt, sondern unseren traditionellen 'Mangal', gegrilltes Fleisch", sagt Atoul. Die Vorfreude aufs bevorstehende Gelage ist ihm anzumerken. Da jede christliche Familie vor dem Haus einen Holzkohlegrill aufstelle, sehe man vor lauter Rauch den freien Himmel nicht mehr. Nach reichlich Essen und Trinken kommt "Baba Noel", wie der Weihnachtsmann auf Arabisch heißt, und verteilt Süßigkeiten an die Kinder.

Ausblick vom Berg Hazour, links im Hintergrund liegt der See Genezareth Foto: Florian Mebes (DW)

Maghar, im Hintergrund der See Genezareth

Maghar liegt im fruchtbaren Norden Israels, im historischen Galiläa, das sich vom Mittelmeer im Westen bis zum Jordantal im Osten und dem Berg Hermon im Norden erstreckt. Die rund 20.000 Einwohner der rein arabischen Stadt teilen sich in drei Glaubensrichtungen auf: 57 Prozent sind Drusen, 20 Prozent Muslime und 23 Prozent katholische Christen. Der Ort liegt am Berg Hazour, in den höher gelegenen Vierteln leben die Drusen, im Tal die Moslems und Christen. Die Religionszugehörigkeiten definieren die für die Besucher unsichtbaren Quartiergrenzen. Die Einwohner Maghars wissen genau, wer in welches Viertel gehört und zu welchen Zeiten man sich auf fremdem Territorium aufhalten darf.

Minderheit innerhalb einer Minderheit

Die in Israel lebenden Palästinenser sind eine Minderheit, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung umfasst. Die palästinensischen Christen Israels sind mit acht Prozent wiederum eine Minderheit innerhalb dieser Minderheit.

Die Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Konfessionen spaltet die in Israel lebenden Palästinenser - das zeigt das Beispiel Maghar deutlich. "Ich bleibe meistens in meinem Viertel, und eigentlich ist es ruhig hier", sagt Tannous zum Alltag in Maghar. Doch die Ruhe ist fragil: Im Februar 2005 gab es Ausschreitungen, nachdem das Gerücht die Runde gemacht hatte, ein christlicher Jugendlicher hätte Nacktbilder von drusischen Mädchen im Internet veröffentlicht. Tausende Drusen drängten damals ins christliche Viertel, zündeten Autos und Häuser an und plünderten Geschäfte.

Maghars Kirche mit Weihnachtsbeleuchtung Foto: Florian Mebes (DW)

Die Kirche von Maghar

Diese Vorfälle wirken sich bis heute auf den Alltag in Maghar aus. Man lebt nebeneinander her, ohne Dialog, um das Geschehene aufzuarbeiten. "Unter den Jungen verschärft sich die Trennung", so Tannous weiter. Und Artoul ergänzt: "Mein Friseur ist Druse und ich habe kein Problem damit, in einem drusischen Supermarkt einkaufen zu gehen. Doch es bleibt immer ein unangenehmes Gefühl." Ein allgegenwärtiger Zustand im von Konflikten geprägten Israel.

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