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Filme

Heidi mal anders

1880 veröffentlichte Johanna Spyri die Geschichte eines kleinen Mädchens aus den Schweizer Bergen. Es wurde zum Mythos - und zig Mal verfilmt. Jetzt kommt eine Neuverfilmung.

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Zweidimensionale Bergwelt

Rund fünfzehnmal wurde Heidi bereits verfilmt. Der neue Film ist aber ein wenig anders: Es wird nicht gejodelt. Statt eines süßlichen Kinder-Refrains gibt es vor allem Instrumentalmusik, die an moderne amerikanische Klassik erinnert, in deren Pathos sich der Ruf des Adlers passt, wenn er majestätisch durch die Schweizer Berglandschaft gleitet.

Heidi schlacksig, Peter cool, Tante zickig

Die deutsch-britisch-kanadische Koproduktion von Regisseur Alan Simpsonschafft es tatsächlich, sich abzuheben - vor allem von der überwiegend auf Niedlichkeit und Kindchen-Schema setzenden Trickfilm-Serie, die seit den 1970er Jahren in Deutschland das Heidi-Bild prägt. Die neue Heidi ist ein wenig älter und etwas schlaksig, ein echtes Kind eben und keine Schablonen-Spielfigur. Für manche sicher gewöhnungsbedürftig, doch drückt sie genauso viel Lebensfreude, Herzlichkeit und Mut aus wie ihre Vorgängerinnen. Und der Geißenpeter? Der ist auch ein echter Junge, nicht naiv, mal etwas brüsk und auch etwas cool. Gemäßigt natürlich, die heile Welt der Berge soll ja erhalten bleiben.

Die Grundkonstellation, die Autorin Johanna Spyri festlegte, behält der Film bei. Die Alpenwelt des Großvaters als Sinnbild für die Natur, die mit Glück und Gesundheit verbunden wird. Als Kontrast dazu steht die Stadt Frankfurt, die zwar große Häuser, aber sonst nur kühle Technik und Einsamkeit zu bieten hat. Alan Simpson bleibt nah an der literarischen Vorlage, nur sind die Charaktere moderner und damit näher an der Lebenswelt heutiger Kinder. Einige Überzeichnungen lockern die Handlung auf, wie zum Beispiel die Darstellung der Tante Dete. In Simpsons Film ist sie nicht nur herzlos und auf den eigenen Vorteil bedacht, sondern auch reichlich zickig.

Buchcover Bagdad Marlboro Najem Wali

Film über Freundschaft: Heidi und der Geißenpeter

Freude für Kunsthistoriker

Obwohl ein Zeichentrickfilm aus dem Jahr 2005, setzt die neue Heidi nicht auf Animations-Effekte wie zum Beispiel die erfolgreichen Produktionen der Pixar-Studios aus den USA mit "Shrek" und "Findet Nemo". Die Bilder bleiben bewusst zweidimensional wie man sie von den ersten Donald Duck und Mickey Maus-Filmen kennt. Vieles der Figuren, der Stadt- und Berglandschaft wirkt wie eine Mischung aus japanischem Manga-Comic und expressionistischem Gemälde. Kunsthistoriker werden sich freuen über die schiefen Straßen und Häuser ohne rechten Winkel. Sogar Fritz Langs Filmklassiker Metropolis von 1926 wird manchem als Anspielung in den Sinn kommen, ohne dass dadurch der Film überfrachtet würde. Trotz der vielen Bildbezüge, die nur Erwachsene deuten können, "Heidi" ist vor allem ein Kinderfilm. Mit einer vereinfachten und deshalb überschaubaren Welt, in der Freundschaft ein hoher Wert ist und wo sich am Ende alles zum Guten wendet.

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