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Kultur

"Heidenspaß" auf dem Weltjugendtag

Vom Weltjugendtag in Köln ist nicht jeder begeistert: Das "Heidenspaß-Komitee" plant mit Humor und Polemik Veranstaltungen, die völlig quer zum offiziellen Programm liegen. Ihr Ziel: eine religionsfreie Zone.

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Satire oder Blasphemie? Motivwagen der Gegner des Weltjugendtages

"Unser Komitee ist ein Zusammenschluss von Vertretern verschiedener Organisationen und Privatpersonen, die dem Weltjugendtag etwas entgegensetzen wollen", sagt "Heidenspaß"-Sprecher Michael Schmidt-Salomon. "Das Problem ist, dass die deutsche Medienlandschaft in den letzten Monaten zu einer Art Klon des Vatikans geworden sind. Dabei gibt es in Deutschland mehr Konfessionslose als Katholiken." Für Schmidt-Salomon ist dies aber nicht der einzige Grund für seine Gegenveranstaltung: Noch immer genießt die Kirche seiner Meinung nach Privilegien in Deutschland, und nutze nun den Weltjugendtag, um diese zu demonstrieren. "Wir fragen uns, warum Konfessionslose dieses katholische Spektakel unterstützen sollten."

Kritik ohne Blasphemie

Religionsfreie Zone

Gegenveranstaltung zum katholischen Weltjugendtag

Unter dem Motto "Religionsfreie Zone: Heidenspaß statt Höllenqual" feiert die Gruppe ihr eigenes Protest-Festival mit Theater, Filmen, Musik, Vorträgen und Aktionen wie einer "Kirchenaustrittsparty" am Amtsgericht Köln. Am 19. August, wenn der Papst in Köln ist, laden die Kritiker zu einem "Freigeisterzug" durch die Stadt ein. Und da man sich in der Hochburg des rheinischen Frohsinns befindet, gibt es auch einen Motivwagen wie beim Rosenmontagsumzug. Wagenbauer Jacques Tilly, ein Star der rheinischen Karnevals-Szene, will bei seinem Wagen bewusst auf religiöse Symbole und "blasphemische Sauereien" verzichtet haben. Religiöse Gefühle wolle man nicht verletzten, aber Satire müsse gegenüber der Kirche erlaubt sein - auch wenn es dem Komitee um ernsthafte Kritik geht.

Die Gruppe wirft der Institution katholische Kirche vor, sich weit von Glaubensinhalten entfernt und rechtsgerichtete Regime und sogar Kriege unterstützt zu haben. Das Komitee ist davon überzeugt, damit auch junge Katholiken anziehen zu können. "Wir wollen die jungen Leute mit unseren Filmen aufklären", sagt etwa Filmemacher Peter Kleinert. "Wir machen das alles für Leute, die etwa in Schule und Medien nichts über die Unterstützung des Faschismus durch den Vatikan gelernt haben."

Die Kirche, der Staat und das Geld

Ein weiteres Thema: Das Geld. Religion solle Privatsache sein und Staat und Kirche streng getrennt - aber obwohl die Kirche und der Papst nach Köln eingeladen hätten, blieben die Kosten zum großen Teil am Steuerzahler hängen. Nichtgläubige Steuerzahler müssten eine "kirchliche Propagandaveranstaltung" mitfinanzieren, kritisiert das Komitee. Mit den geschätzten Kosten von 100 Millionen Euro könnte 23.000 Menschen ein Jahr lang Arbeitslosengeld bezahlt werden, rechnet Schmidt-Salomon vor: "Die Konfessionslosen müssen für diese Veranstaltung mit aufkommen." Aber das sei in Deutschland mit der "hinkenden Trennung von Staat und Kirche" nichts Neues.

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