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Europa

Heißes Eisen im Feuer

Glücksbringer hat er genug – er macht sie sogar selbst: Der 23-jährige Michael Knorr wird Hufschmied. Der Beruf galt schon als fast ausgestorben – jetzt erlebt er eine Renaissance.

Ein Hufschmied bringt mit einem Hammer auf einem Amboss ein noch glühendes Eisen in die richtige Form (20.11.2008/dpa)

Hufschmied zählt heute eher zu den exotischen Berufen

Michael Knorr ist 23 Jahre alt und wird Hufschmied. Mit den Pferden auf dem elterlichen Hof erwachte auch in Michael aus Niederösterreich die Leidenschaft für Tiere.

Michael Knorr arbeitet heute, wie jeden Montag, im Gestüt St. Patrick in Hetzmannsdorf, gut 30 Kilometer nördlich von Wien. 70 bis 80 Pferde sind hier untergestellt, und Knorr hatte am Morgen buchstäblich mehrere Eisen im Feuer. Im Transporter seines Ausbilders hängen noch ungeschmiedete Flacheisen in zwei Dutzend Variationen. Je nach Pferdealter, Einsatz oder Rasse müssen sie an den Huf angepasst werden.

Für jeden Zweck das richtige Eisen

Schmied in traditioneller Lederschürze mit Hammer am Amboss (Maksim Nelioubin)

Arbeitswerkzeug des Schmieds: Hammer und Amboss

Der Ablauf ist dabei klar: Erst wird das Pferd im Hof vorgeführt, damit Michael seinen genauen Bewegungsablauf beobachten kann. Dann erst greift Knorr zum geeigneten Flacheisen. Zuerst legt er es in den Gasofen, bis es die richtige Temperatur erreicht hat, danach erst kann Michael das Eisen an den Huf des Pferdes anpassen. Nun muss er das Eisen noch abkühlen und schleifen.

"Wenn alles so weit ist, sucht man den entsprechenden Nagel aus und dann wird das Hufeisen an den Huf aufgenagelt und zuletzt vernietet", erzählt er. Dann werden die Nägel abgezwickt und in die Hufwand hineingedrückt.

Eine bis eineinhalb Stunden dauert das Beschlagen von vier Hufen. Alle sechs bis acht Wochen sollte ein Pferd neue Eisen bekommen, je nachdem, ob das Tier intensiv geritten wird oder nur in der Box steht. "Manche Pferde fürchten sich auch ein bisschen, da muss man ihnen gut zureden, dann kann man schon gut zusammen arbeiten, wenn beide entgegen kommen", so Michael. Es sei immer ganz wichtig, dass man nicht von hinten zum Pferd gehe – das Tier müsse einen immer sehen. Und alles immer "schön langsam, kleine Schritte machen, kleine Bewegungen."

Knorr hat schon viele Erfahrungen gesammelt in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Er ist ausgebildeter Pferdewirt, kennt sich aus mit Pferdezucht, Veterinärkunde, Reittheorie und soll – theoretisch – einen Betrieb führen können. Um staatlich geprüfter Hufschmied zu werden, muss er ein Jahr mit seinem Ausbilder von Hof zu Hof ziehen, danach einen Kurs in einer der beiden Hufbeschlagschulen Österreichs besuchen und eine zweitägige Prüfung ablegen, in Theorie und Praxis. Einer der Prüfungs-Punkte: aus einem Flacheisen ein passendes Hufeisen schmieden. Denn von einem Hufschmied werde dasselbe Können erwartet wie von einem Kunstschmied, sagt Knorr.

130 Euro für ein Paar Pferdeschuhe

Der Reiter Hinrich Romeike auf seinem Pferd bei den Olympischen Spielen (09.08.2008/AP Photo/Kin Cheung)

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Sportpferden gestiegen

Knorrs Kollege Manuel Madlencznik ist bereits staatlich geprüfter Hufschmied. Er bedauert, dass sein Handwerk kein regulärer Ausbildungsberuf mit mindestens fünfjähriger Lehrzeit mehr ist wie früher. "Der Lehrberuf ist ausgestorben, weil das Arbeitspferd durch den Traktor ersetzt worden ist." So sei das Handwerk "mehr oder weniger zum Erliegen" gekommen.

Jetzt erlebe das Schmiedehandwerk jedoch wieder eine kleine Renaissance – dank der Sportpferde. Davon gäbe es immer mehr.

Etwa 130 Euro kostet ein Beschlag im Raum Wien, in der Steiermark nur die Hälfte. Genug Aufträge sind da, Michael Knorr muss sich um seine Zukunft wohl nicht sorgen. Im Moment ist sein Einkommen aber eher bescheiden: Er wird nach Tarifvertrag als Hilfs-Metallarbeiter entlohnt. Das stört den jungen Mann mit der Leidenschaft fürs korrekte Pferde-Schuhwerk aber überhaupt nicht.

Autor: Alexander Musik
Redaktion: Mareike Röwekamp

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