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Fußball

Heißer Stuhl für Trainer-Novizen

In Köln befindet sich die wohl bekannteste Fußballschule Deutschlands: Die Hennes-Weisweiler-Akademie. Jedes Jahr werden hier 24 neue Profitrainer ausgebildet, die sich dann auf dem harten Fußballmarkt behaupten müssen.

Das Gebäude der Trainer-Akademie in Köln. Foto: David Moreno, DW

Trainer-Akademie an der Sporthochschule Köln

Flipchart aus dem Taktikunterricht. Foto: David Moreno, DW

Taktik-Schulung

Es sind nicht nur Ex-Nationalspieler wie Markus Babbel oder Christian Ziege, die sich in Köln zum Profitrainer ausbilden lassen. Jeder, der eine A-Lizenz vorweisen kann, also schon Amateurmannschaften und auch Frauen-Bundesliga-Teams trainieren darf, kann sich bewerben. Neun Monate lang pauken die angehenden Fußball-Lehrer an drei Tagen pro Woche für ihre "Pro-Lizenz".

Ein typischer Tag an der Hennes-Weisweiler-Akademie beginnt mit zwei Taktikstunden um acht Uhr morgens: Was versteht man unter "vertikalem Spiel"? Wie wendet man diese Strategie erfolgreich an? Welche Rolle sollen die Flügelspieler dabei spielen? All diese Fragen führen zu hitzigen Diskussionen, in denen unterschiedliche Meinungen nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht sind.

Auch Psychologie ist wichtig

Zeichnung eines Portraits von Hennes Weisweiler, das in der Akademie hängt. Foto: David Moreno, DW

Hennes Weisweiler, Vorbild und Namensgeber der Akademie

Danach stehen vier Stunden Psychologie auf dem Programm. Die Aufrechterhaltung der Konzentration bis zur letzten Spielminute oder die Kniffe der Motivationskunst sind einige der Schwerpunkte. Weniger Wert wird dagegen auf das Studium der Körpersprache gelegt. "Wir gehen nicht hin und schulen die Trainer im Verhalten gegenüber der Menschheit, etwa in Körpersprache oder Rhetorik. Dazu haben wir gar nicht die Zeit. Wir machen gelegentlich Rollenspiele, aber nicht, um nachher einen Schauspieler zu haben", erklärt Frank Wormuth, der Leiter der Akademie.

Jedes Jahr bewerben sich ungefähr 50 Kandidaten um die 24 freien Plätze im Kurs. Um einen der begehrten Plätze zu ergattern, müssen zwei Hindernisse überwunden werden: Ein Eignungstest inklusive Bewerbungsgespräch und die Aufnahmegebühr von 8200 Euro.

Ziel Bundesliga

Portrait Dirk Lottner im Trikot des MSV Duisburg. Foto: dpa

Dirk Lottner 2005 im Trikot des MSV Duisburg

Dirk Lottner, der als Spieler für Leverkusen, Köln and Duisburg im Einsatz war, hat es dieses Jahr in den Lehrgang geschafft. Für ihn steht fest: "Unser Ziel ist es natürlich, in der Bundesliga zu trainieren. Ob das gelingen wird, kann niemand wissen. Jedes Jahr kommen immerhin 24 neue Trainer auf den Markt, und die Anzahl der Vereine ist begrenzt."

Akademieleiter Frank Wormuth bestätigt, dass es andere Faktoren gebe, die ausschlaggebend sein könnten: "Da spielt das Netzwerk eine große Rolle, der Bekanntheitsgrad als Spieler. Ich habe das Gefühl, dass in den letzten Jahren die Verantwortungsträger eher auf die Qualität der Trainer schauen, als auf den Erfolg, den sie als Spieler hatten." Die Chancen auf einen Spitzenjob sind nicht besonders hoch. Aber trotzdem wissen die Teilnehmer, dass ihre Möglichkeiten nach einem erfolgreichen Abschluss in Köln steigen.

Kritik der Kollegen hilft

Fußballtraining einer Jugendauswahl. Foto: David Moreno, DW

Erst Training leiten, dann auf den heißen Stuhl

Am Ende des Tages stehen weitere zwei Taktikstunden auf dem Stundenplan, bevor die meisten Teilnehmer nach Hause gehen können. Einige ausgewählte Schüler müssen jedoch "nachsitzen": Von 17:30 bis 19 Uhr abends gibt es praktische Trainingseinheiten auf dem Platz. Jede Woche müssen vier Teilnehmer eine Jugendauswahl trainieren, während vier andere Seminarkollegen sie bei der Arbeit filmen. Nach den Trainingseinheiten werden die Filme ausgewertet.

Die Ergebnisse werden am nächsten Morgen vor der gesamten Klasse präsentiert. Der Teilnehmer, dessen Trainingsleistung unter die Lupe genommen wird, sitzt auf dem sogenannten "heißen Stuhl". Bei der Diskussion könne es hoch hergehen, sagt Akademieleiter Wormuth. "Wir stellen einen Stuhl aus Holz hin, damit kräftig gesägt werden kann. Der kritisierte Teilnehmer kann sich natürlich rechtfertigen, dann wird es richtig interessant. Das folgt unserer Methodik: Wer lehrt, der lernt."

Steffi Jones war dabei

Steffi Jones mit einem Werbeplakat für die Frauen-WM 2011 in Deutschland. Foto: AP

Auch Jones lernte in Köln

Lernen können in diesem Jahrgang nur Männer, denn diesmal gab es keine Frauen unter den Bewerbern. Aber auf einem der Gruppenfotos vergangener Jahrgänge an den Wänden der Akademie kann man eine "Pionierin“ entdecken: Ex-Nationalspielerin Steffi Jones, die jetzt das Organisationskomitee für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2011 leitet. Vielleicht folgen demnächst weitere Ex-Spielerinnen ihrem Beispiel.

Autor: David Moreno
Redaktion: Stefan Nestler

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