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Politik

Heißer Kampf in Eiseskälte

Bei den Vorwahlen in New Hampshire entscheidet sich, welcher Demokrat die besten Aussichten hat, Bush als Präsidentschaftskandidat herauszufordern. Daniel Scheschkewitz gibt einen Überblick der vier Bewerber.

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Der derzeitige Favorit: John Kerry

In Nashua im Süden des US-Bundesstaates New Hampshire waren es am Sonntag (25.1.2004) minus 23 Grad. In der örtlichen Schule hatten sich trotz der sibirischen Kälte über 2000 Menschen zusammengefunden. In Sprechchören skandierten sie immer wieder den Namen ihres Lieblingskandidaten: John Edwards, Senator aus North Carolina im Süden der USA.

Dessen politische Botschaft kommt auch im hohen Norden der USA gut an. "Wir leben immer noch in einem Land der zwei verschiedenen Amerikas. Das eine, in dem sich die Menschen um nichts Sorgen zu machen brauchen, wo sie Macht und Privilegien haben. Und wo die Menschen wissen, dass alles für sie zum Besten steht. Und dann ist da der andere, größere Teil von Amerika, wo die Menschen sich abstrampeln müssen, Tag für Tag, um über die Runden zu kommen. Ich sage Euch, das muss nicht so sein", sagt Edwards, einer der Demokraten-Kandidaten, die für ihre Partei im November 2004 gegen den Republikaner George W. Bush im Kampf um das Amt des US-Präsidenten antreten wollen.

Edwards: Telegen, jugendlich, guter Redner

John Edwards gibt sich kämpferisch, Vorwahl in Iowa

John Edwards

Der telegene, jugendlich wirkende Edwards fordert sein Publikum auf, ein Amerika ohne zwei Steuersysteme zu schaffen, ohne ein schlechtes öffentliches und ein gutes privates Schulsystem und ohne ein Gesundheitswesen, in dem es hervorragenden Gesundheitsschutz nur für die Reichen gibt. Edwards ist ein guter dynamischer Redner, der sein Publikum begeistert. Er strahlt Optimismus aus. Doch viele Wähler fragen sich, ob er mit seinen wenigen Jahren in der Politik auch erfahren genug sei, um Präsident Bush schlagen zu können.

Kerry: Mit der Dynamik des Siegers

John Kerry gewinnt Vorwahl in Iowa, USA

John Kerry

John Kerry, der Senator aus dem benachbarten Bundesstaat Massachusetts, gibt sich in der High School von Nashua bereits ganz als zukünftiger Präsident. Vor einer überdimensionierten Amerika-Fahne, umrahmt von seiner Frau und Mitgliedern der Kennedy-Familie, verspricht der 60-jährige Vietnam-Veteran nicht nur soziale Wohltaten, sondern auch ein neues Kapitel in den Beziehungen Amerikas zur übrigen Welt.

"Die ganze Welt schaut nach New Hampshire", sagt Kerry, "denn ihr wählt nicht nur einen US-Präsidenten, sondern auch den Führer der freien Welt. Und ich bin gekommen, um den Anfang vom Ende der Ära Bush einzuläuten." Kerry möchte in New Hampshire den Schub seines Vorwahlerfolges in Iowa nutzen, um mit der Dynamik des Siegers das für ihn schwierige Terrain der Südstaaten betreten zu können.

Dean: Kampf um das politische Überleben

Howard Dean

Howard Dean

Als Sieger der Kandidatenkür hatten viele schon vor Wochen den früheren Senator aus Vermont, Howard Dean, gesehen. Doch das schwache Abschneiden als Dritter in Iowa und ein verpatzter Medienauftritt nach der Niederlage haben ihn weit zurückgeworfen. Bei der Wahl in New Hampshire kämpft Dean nach Meinung vieler schon um das politische Überleben.

Dean versucht es nun mit einer Imagekorrektur. Statt seine Wut auf Bush heraus zu posaunen, lässt auch er sich nun von seiner Frau ansagen und posiert mit Babys auf der Bühne. Nur noch beiläufig erwähnt er, was ihn von den anderen Kandidaten unterscheidet. "Ich war gegen den Krieg im Irak, während die Senatoren Kerry, Edwards und Liebermann alle im Kongress für den Krieg waren. Jetzt frage ich Sie, welchen Außenpolitiker sähen Sie lieber im Weißen Haus?"

Clark: Die Stunde des Generals

Wesley Clark

Wesley Clark

Gespannt sein darf man auch auf das Abschneiden des früheren NATO-General Wesley Clark. Anders als Dean, Edwards oder Kerry füllt er im Norden Amerikas noch keine Hallen. Seine Anhänger haben sich bei arktischen Temperaturen auf dem Markplatz von Manchester versammelt. Ihrer guten Stimmung tut das keinen Abbruch. Die Stunde des pensionierten Generals, der eine neue Qualität von politischer Führung verspricht, kommt vielleicht erst, wenn die Stimmen in New Hampshire längst ausgezählt sind. Dann nämlich, wenn die Wahlkampfkarawane der Demokraten weiterzieht in die Südstaaten Amerikas. Dort, wo er und sein Mitkonkurrent Edwards Zuhause sind.

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