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Kultur

Heißer Herbst in der Katholischen Kirche?

Kondom, Homo-Ehe, Geschiedene - heikle Punkte wollen die katholischen Bischöfe auf zwei Familiensynoden debattieren. Dazu gibt es ein erstes Arbeitspapier des Vatikan - und Diskussionen.

Zu einer außerordentlichen Bischofssynode hat Papst Franziskus für Oktober nach Rom eingeladen. Eine Folgesynode steht im Oktober 2015 an. Auf dem Prüfstand steht dabei nicht mehr und nicht weniger als die katholische Sexual- und Familienmoral. Grundlage des 90-Seiten-Papiers "Instrumentum laboris", das Lorenozo Kardinal Baldisseri am Donnerstag (26.06.2014) im Vatikan vorstellte, ist eine Umfrage unter den 114 nationalen Bischofskonferenzen im Auftrag von Papst Franzikus. Das Ergebnis enthielt reichlich Sprengkraft. Im deutschsprachigen Raum etwa offenbarte die Umfrage eine große Kluft zwischen der Lebenspraxis der Gläubigen und der kirchlichen Morallehre.

Papst Franziskus bei einer Rede (Foto: Reuters)

Möchte die Kirche zu den Menschen bringen - Papst Franziskus

So räumte der Vatikan jetzt ein verbreitetes Unbehagen von Gläubigen an der Kirchenlehre zu Ehe, Familie und Sexualität ein. Weltweit könnten viele Menschen nicht verstehen, warum etwa wiederverheiratet Geschiedenen die Kommunion verweigert werde, ehemalige Priester aber dazu zugelassen seien. Katholiken fühlten sich frustriert und ausgegrenzt, heißt es in dem Arbeitspapier. Auch die Haltung der Kirche zur Verhütung löse vielfach Kopfschütteln aus. Gläubige empfänden die "moralische Wertung der unterschiedlichen Methoden der Geburtenregelung" als Einmischung in ihr Intimleben und Einschränkung der Gewissensfreiheit. Vor allem im Kampf gegen HIV/AIDS müsse die Kirche ihre Haltung besser darstellen. "Es geht darum, Dramen zu begleiten, welche das Leben unzähliger Menschen zutiefst zeichnen", schreiben die Bischöfe.

Bischöfe im Vatikan (Foto: AFP PHOTO / ANDREAS SOLARO)

Entscheiden über die kirchliche Sexualmoral - Bischöfe im Vatikan

Zwar hält das Papier daran fest, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Grundlage der Familie sei. Vor allem in Europa und Amerika seien aber "wilde Ehen" längst keine Experimente mehr, sondern stabile Lebensformen. Erst bei der Taufe der Kinder werde vielen bewusst, dass sie nach katholischer Sicht in einer "irregulären Situation" lebten. Für solche Fälle müsse die Kirche "einen Weg der Regelung beginnen." Erzbischof Bruno Forte vom italienischen Chieti-Vasto, der federführend an der Vorbereitung der Synoden im Oktober 2014 und Oktober 2015 mitarbeitet, umschrieb die Kluft zwischen Kirche und Menschen so: "Wir sprechen eine Sprache, die die Menschen nicht verstehen und geben Antworten auf Fragen, die uns niemand mehr stellt."

Auch bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften plädieren die Kirchenoberen für einen neuen Realismus. Zwar hätten sich alle Bischofskonferenzen gegen eine Neudefinition von Ehe ausgesprochen. Gegenüber der Homo-Ehe müsse die Kirche aber eine respektvolle, nicht

verurteilende Haltung finden. Eine Herausforderung sei dabei die sogenannte "Genderideologie". Sie versuche über die Idee der Homophobie in Wahrheit die Umstürzung der sexuellen Identität. Der Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois, beklagte eine "wachsende Kultur des Hedonismus" sowie das Streben vieler Menschen nach ausschließlich "persönlicher Befriedigung". Die Kirche müsse wieder die Verbindung von Familie und Gesellschaft deutlich machen.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten das Papier. Es sei "ein wichtiger Text entstanden, der Auskunft über Fragen der Ehe- und Familienpastoral weltweit gebe", erklärte der Vorsitzende der DBK, Reinhard Kardinal Marx in Bonn. Lob fand auch ZdK-Präsident Alois Glück: "Es wird deutlich ausgesprochen, dass viele Christen - auch da, wo die Lehre der Kirche über Ehe und Familie bekannt ist - Schwierigkeiten haben, sie anzunehmen", so der höchste Vertreter der katholischen Laien.