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Asien

Heftige Kritik an Mo Yan

Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan hat mit seinen umstrittenen Äußerungen zur Zensur in China neue Kritik an seiner Rolle als Autor im kommunistischen System provoziert.

"Zensur ist ein notwendiges Übel, so wie Sicherheitskontrollen am Flughafen." Mit diesem Vergleich verteidigte der chinesische Schriftsteller Mo Yan die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in seinem Heimatland auf einer Pressekonferenz in Stockholm, wenige Tage bevor er dort den Nobelpreis für Literatur überreicht bekommt. Mit seiner Äußerung hat der 57jährige Autor bei chinesischen Intellektuellen heftige Kritik ausgelöst. "Er verteidigt öffentlich die Zensur der Kommunistischen Partei", erboste sich der in den USA lebende Autor und Menschenrechtsaktivist Yu Jie. Er schreckte sogar vor einem Vergleich mit dem Nationalsozialismus nicht zurück und rückte Mo Yan in die Nähe derjenigen unter den deutschen Schriftstellern, die in den 30 und 40er Jahren "das Loblied auf Adolf Hitler gesungen" hätten.

Für Yu Jie ist die Preisvergabe "einer der größten Skandale" in der Geschichte des Nobelpreises. Mo Yan habe als Mitglied der Kommunistischen Partei bei der Verbreitung der Aufsätze Mao Zedongs mitgewirkt. Seit damals habe er sich "mit der propagandistischen Ausrichtung chinesischer Literatur und Kunst identifiziert", kritisiert Yu. Er räumt gleichzeitig ein, Mo sei ein ausgezeichneter Vertreter der zeitgenössischen Literatur, viele andere seien aber besser.

Harsche Kritik von Ai Weiwei

Porträt des chinesischen Künstlers Ai Weiwei (Foto: AP Photo/Kyodo News)

Ai Weiwei: Es ist eine Schande

Auch der regimekritische Künstler Ai Weiwei ist empört. "Es ist eine Schande", sagt Ai der Nachrichtenagentur dpa. Mo sei "ein Wächter des diktatorischen Systems und zugleich sein Nutznießer". Schon bei der Bekanntgabe des Literaturnobelpreises hatte Ai Mo als "Lügner" bezeichnet, der sich der Realität nicht stelle. Ais Position wird unterstützt von der deutschen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller. Sie warf Mo ebenfalls unkritische Anpassung an die Machthaber in Peking vor. Die Entscheidung sei eine "Katastrophe", so Müller im Oktober.

Schweigen über Li Xiaobo

134 Nobelpreisträger forderten am Dienstag (04.12.2012) in einem offenen Brief an den neuen Parteichef Xi Jinping, den Friedensnobelpreisträger von 2010 und Ehrenvorsitzenden des chinesischen Pen-Clubs, Liu Xiaobo, aus der Haft und seine Frau aus dem Hausarrest zu entlassen. Liu wurde nach der Veröffentlichung des Bürgerrechtsmanifestes "Charta 08" wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt. Dem Aufruf zur Freilassung von Liu Xiaobo schloss sich Mo Yan nicht an, und er wich auch Fragen zu dem Regimekritiker aus. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte er seine Hoffnung auf eine Freilassung Lius geäußert, jetzt sagte er nur: "Das muss reichen."

Verleihung des Friedensnobelpreises an Liu Xiaobo 2010 in Oslo. Sein Platz auf dem Podium blieb leer. (Foto: AP/Heiko Junge)

Liu Xiaobo konnte 2010 nicht an der Verleihung des Friedennobelpreises teilnehmen. Sein Stuhl blieb leer

Kritische chinesische Bürger veröffentlichten in diesen Tagen ebenfalls einen offenen Brief an Xi Jinping und forderten die Freilassung Lius. Zu den mehr als 300 Unterzeichnern gehören der Sacharow-Preisträger Hu Jia, der Menschenrechtsanwalt Pu Zhiqiang und Ding Ziling, die sich für die Opfer des Tiananmen-Massakers und deren Familien einsetzt.

"Sieg der Literatur über die Politik"

Mo Yans Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2012. (Foto: Boris Roessler/dpa)

Mo Yans Buch auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Mo Yan selbst sieht seine Auszeichnung mit dem berühmtesten Literaturpreis als "Sieg der Literatur über die Politik". Er wolle in Stockholm möglichst nicht über Politik reden. Zum lauten kritischen Echo auf die Auszeichnung seiner Werke im chinesischen Internet sagte er nur, dass er sowohl seinen Unterstützern als auch seinen Kritikern danke. Diese Debatte sei für ihn "eine einmalige Chance, mich selber zu verstehen" und zu begreifen, was er gut gemacht und was er nicht gut genug gemacht habe. Dies stärke ihn in seiner Überzeugung, an seiner Art des Schreibens festzuhalten.

Der Literaturnobelpreis wird am Montag, den 10. Dezember 2012, in Stockholm verliehen.

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