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Reise

Hedorfer: "Deutschland ist das Kulturreiseziel Nummer 1 in Europa."

Im Interview Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT).

DW: Frau Hedorfer, das Statistische Bundesamt zählt für 2015 so viele Übernachtungen wie nie zuvor in Deutschland. Was macht uns zu einem so beliebten Reiseziel?

Petra Hedorfer: Die Gesamtzahl der Übernachtungen in Deutschland steigt kontinuierlich und erreicht 2015 wieder einen Rekordwert. Was uns besonders freut: Die Zahl internationaler Übernachtungen wächst überproportional - 2015 können wir im Vorjahresvergleich ein Plus von 5,4 Prozent auf knapp 80 Millionen Übernachtungen verzeichnen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen verfügen wir über sehr gute strukturelle Voraussetzungen für den Incoming-Tourismus: Dazu zählen vor allem unsere zentrale Lage in Europa, die ausgezeichnete Infrastruktur oder das im internationalen Vergleich hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis.

ITB Petra Hedorfer

Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der DZT

Zum anderen lenken wir mit unserem Themenmarketing die Aufmerksamkeit potenzieller Reisender immer wieder auf noch nicht so bekannte Angebotsfacetten des Reiselandes Deutschland. Damit erschließen wir neue Zielgruppen und geben Stammgästen neue Impulse, unser Land zu bereisen.

Wer kommt und von wo?

Als Quellregion dominiert Europa den deutschen Markt. Fast drei Viertel aller ausländischen Übernachtungen kommen aus dem eigenen Kontinent. Auf Platz 1 liegen traditionell die Niederlande mit einem Marktanteil von 14 Prozent, gefolgt von der Schweiz mit acht Prozent Marktanteil. Wichtigster interkontinentaler Quellmarkt mit einem Marktanteil von sieben Prozent ist die USA auf Platz drei. Großbritanniens Marktanteil beträgt ebenfalls sieben Prozent, vom Volumen her liegt es aber knapp hinter den USA auf Rang vier. Auf den weiteren Plätzen im Quellmarktranking folgen Italien, Österreich, Dänemark, Frankreich, Belgien und Spanien.

China und die Arabischen Golfstaaten schließen mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten immer weiter zur Spitzengruppe auf. Zahlreiche Märkte Asiens, wie beispielsweise China, aber auch Indien, Südkorea und Indonesien, im südamerikanischen Raum Brasilien und Argentinien sowie viele kleinere Staaten aus der Balkanregion zeichnen sich durch eine schnell wachsende Mittelschicht aus, die ausgesprochen konsumfreudig und reiseaffin ist. Dieses Potenzial wollen wir erschließen.

Was sind die Motive der Touristen, Deutschland zu besuchen?

Kultur und Natur sind die beiden zentralen Elemente im Markenkern des Reiselandes Deutschland. Sie bestimmen die Motivation der Reisenden und sind zugleich die Leitmotive unseres Themenmarketings. Deutschland ist das Kulturreiseziel Nummer 1 der Europäer. Der Kultur- und Städtetourismus, vor allem die Metropolregionen, ist ein bedeutendes Thema. Allein die Großstädte mit über 100.000 Einwohnern generieren mehr als die Hälfte (56 Prozent) der internationalen Übernachtungen. Fast alle der zehn aufkommensstärksten deutschen Städte der Marketinggemeinschaft „Magic Cities“ haben überdurchschnittliche Zuwachsraten. Entsprechend ordnen 42 Prozent der ausländischen Touristen ihre Deutschlandreise als Städteurlaub ein, jeweils 27 Prozent als Besichtigungsreise oder Kultururlaub (Quelle: Qualitätsmonitor, Mehrfachnennungen möglich).

Aber auch der Gesundheitsurlaub spielt eine wachsende Rolle für das Deutschland-Incoming: 2015 verzeichneten die 350 prädikatisierten Kurorte und Heilbäder ein Plus von 5,4 Prozent auf 6,8 Millionen Übernachtungen. Im Vorjahr lag die Zunahme nur knapp über einem Prozent.

Was sind Themen, die Reisende an Deutschland besonders interessieren?

Neben den kulturellen Themen, beispielsweise den 40 UNESCO-Welterbestätten, den Sehenswürdigkeiten, Bummeln, Shopping, Museen/Ausstellungen sowie zahlreichen Events und Veranstaltungen interessieren sich die ausländischen Gäste zunehmend für die Themen Natur und Landschaft. Über ein Drittel der deutschen Landesfläche steht als Nationale Naturlandschaften unter besonderem Schutz. Das thematisieren wir auch in unserer aktuellen Kampagne "Faszination Natururlaub in Deutschland."

Was sind die beliebtesten Städte, Regionen und Sehenswürdigkeiten?

Die Bundesländer mit den meisten internationalen Übernachtungen in Deutschland sind Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Das Ranking der Städteziele führt mit großem Abstand Berlin (13,6 Mio., plus 9,2%) an, gefolgt von München (6,9 Mio., plus 5,0%), Frankfurt am Main (3,9 Mio., plus 7,1%) und Hamburg (3,1 Mio., plus 5,9%).

Zu den beliebtesten Reisezielen wurden im vorigen Jahr in einer Onlinebefragung der DZT der Europapark Rust, das Schloss Neuschwanstein und der Kölner Dom gekürt, gefolgt von Altstadt und Schloss Heidelberg, dem Brandenburger Tor in Berlin und der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Wie steht es um Europa als Reiseziel? Wie beliebt ist der Kontinent bei Touristen aus aller Welt?

Europa war auch 2015 der größte Quell- und Zielmarkt im internationalen Tourismus. Eurostat prognostiziert für 2015 nach jüngsten Schätzungen 2,8 Milliarden Gesamtübernachtungen, ein Plus von 3,2 Prozent. Dabei wachsen die internationalen Übernachtungen mit einem Plus von 3,5 Prozent europaweit stärker als die inländischen (Plus 3,0 Prozent).

Die Mehrheit der Auslandsreisen bleibt laut World Travel Monitor weltweit auf dem eigenen Kontinent. Dies gilt auch für Europa. IPK ordnet von den 444 Millionen Auslandsreisen im europäischen Tourismus 375 Millionen dem intrakontinentalen Reisen zu (Zahlenbasis 2014).

Die langfristigen Prognosen der Welttourismusorganisation sehen auch 2030 Europa auf dem ersten Platz als Quell- und Zielmarkt des weltweiten Tourismus. Hohe Wachstumsraten werden weiterhin auch in Asien erzielt.

Profitiert Deutschland davon, dass klassische Urlaubsländer wie Ägypten wegen mangelnder Sicherheit derzeit weniger bereist werden?

Eine Verlagerung der Touristenströme beispielsweise aus Ägypten nach Deutschland können wir aktuell nicht erkennen. Zielgebiete mit klassischem Sun- and Beach-Angebot sind sicherlich Profiteure. Wirtschaftliche Unwägbarkeiten in vielen Märkten und die Gefahr von Terroranschlägen können die Reiselust in vielen Ländern - sowohl bei den Quellmärkten als auch in den Zielländern dämpfen.

Was erwarten Sie 2016 für die Branche?

Potenziale für weiteres Wachstum sind auch 2016 vorhanden. Große Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise, zunehmende Fremdenfeindlichkeit, wieder etablierte Grenzkontrollen im Schengenraum sowie eine angespannte Weltwirtschaftslage (u.a. in Asien) dämpfen allerdings unseren Optimismus. Deshalb rechnen wir mit einer Verlangsamung des Wachstums für den Incomingtourismus.