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Sport

Heß mit Überraschungssieg im Dreisprung

Der 19-jährige Max Heß düpiert die Konkurrenz und schafft einen historischen Erfolg. Auch Stabhochspringerin Lisa Ryzih und Speerwerferin Linda Stahl holen Medaillen. Die Leverkusenerin lässt sich allerdings viel Zeit.

Damit hatte wohl keiner gerechnet - am wenigsten er selbst. Erst als zweiter Deutscher hat Max Heß den EM-Titel im Dreisprung gewonnen. Der 19-Jährige überraschte die Konkurrenz mit seiner Siegweite von 17,20 Metern, nur drei Springer in der Welt haben in diesem Jahr eine bessere Weite geschafft. Der Jüngste im deutschen Männerteam hatte am Ende vier Zentimeter Vorsprung auf den Polen Karol Hoffmann (17,16 Meter). Bronze holte sich der Brite Julian Reid mit 16,76 Metern.

"Damit liebäugelt man immer, aber dass es dann wahr wird und man das Stadion als Europameister verlässt, ist immer noch ein bisschen unbegreiflich", sagte Heß strahlend im Interview mit der ARD. Nach seinem Erfolg hatte er sich mit der deutschen Fahne um die Schultern auf den Weg gemacht und seine Ehrenrunde in vollen Zügen genossen. Heß' Erfolg ist ein historischer: Bis dahin einziger deutscher Dreisprung-Europameister war der DDR-Athlet Jörg Drehmel, der 1971 in Helsinki den Titel gewann.

Stahl haut im letzten Versuch drauf

Mit ihrem letzten Versuch hat sich Speerwerferin Linda Stahl die Silbermedaille bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam gesichert. Die Ärztin aus Leverkusen schleuderte den Speer auf 65,25 Meter und verbesserte sich damit noch auf den zweiten Rang. Weiter warf nur Tatjana Chaladowitsch aus Weißrussland mit 66,34 Metern. "Beim letzten Versuch habe ich gedacht: Technik ist scheißegal. Das ist nur etwas für Anfänger, hau einfach drauf", sagte Stahl anschließend im ARD-Interview. "Alles oder nichts - und es gab irgendwie alles."

Speerwerferin Linda Stahl bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam (Foto: picture alliance/AP Photo/M. Schrader)

Einfach mal draufhauen - Linda Stahl macht sich frei von der Technik und hat damit Erfolg

Leidtragende des letzten Wurfs ihrer Vereinskollegin war Katharina Molitor. Die Weltmeisterin von 2015 lag bis dahin mit Saisonbestweite von 63,20 Metern noch auf dem Bronze-Rang und wurde am Ende mit 30 Zentimetern Rückstand auf Sara Kolak aus Kroatien nur Vierte. Molitor muss jetzt sogar um die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio bangen. "Der vierte Platz an sich ist natürlich ärgerlich. Die Bedingungen waren nicht ganz einfach", sagte sie geknickt. "Nichtsdestotrotz hätte man vielleicht weiter werfen müssen. Jetzt ist wieder Unsicherheit da, weil ich noch nicht weiß, ob ich bei Olympia dabei bin. Die Ungewissheit ist das Schlimmste."

Ryzih gibt sich mit Silber zufrieden

Stabhochspringerin Lisa Ryzih bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam (Foto: picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Wie habe ich das denn geschafft? Lisa Ryzih gewinnt Silber

Völlig aus dem Häuschen vor Freude war Stabhochspringerin Lisa Ryzih, nachdem sie im Finale erfolgreich 4,70 Meter überquert hatte und damit feststand, dass sie eine Medaille gewonnen hatte. Sie lag auf dem Bauch auf der Sprungmatte, strahlte über das ganze Gesicht und vollführte einige Schwimmbewegungen, bevor sie zu ihrem Vater und Trainer an der Bande lief. Bronze war ihr sicher, doch es wurde sogar Silber, weil die Schwedin Angelica Bengtsson an 4,70 Meter scheiterte und auf dem Bronzerang blieb. Für Ryzih war das genug. Sie beendete den Wettkampf und überließ die Goldmedaille der neuen Europameisterin Ekaterini Stefanidi aus Griechenland. Die Griechin überquerte sogar noch 4,81 Meter.

"Ich hatte schon beim Einspringen große Probleme mit meinem Oberschenkel. Weiter zu springen wäre fahrlässig gewesen", sagte Ryzih anschließend. "Ich genieße jetzt den Moment. Ich fand es unglaublich, dass es noch eine Medaille geworden ist." Die russische Top-Springerin und Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa war wegen der Suspendierung der russischen Leichtathleten ebensowenig am Start wie Titelverteidigerin Anschelika Sidorowa. Die deutsche Meisterin Martina Strutz wurde mit 4,45 Meter Zehnte vor Anna Roloff (4,35 Meter).

Harting wirft 14 Zentimeter zu kurz

Eine Medaille verpasst hat Diskuswerfer Christoph Harting. 14 Zentimeter fehlten dem jüngeren Bruder von Olympiasieger Robert Harting zu Bronze. Seine Weite von 65,13 Metern reichte nur zu Platz vier. Den EM-Titel sicherte sich nach 2010 zum zweiten Mal der Pole Piotr Malachowski mit 67,06 Metern. Silber ging an Philip Milanov aus Belgien (65,71), Dritter wurde Gerd Kanter aus Estland (65,27). Daniel Jasinski wurde mit 63,35 Metern Achter.

Über 1500 Meter brach der deutsche Finalteilnehmer Homiyu Tesfaye auf der Zielgeraden ein und fiel von der Spitzenposition weit zurück. Er belegte am Ende Platz zehn. Gold ging mit 3:46,65 Minuten an Filip Ingebrigtsen aus Norwegen, der vor dem Spanier David Bustos und seinem älteren Bruder Henrik Ingebrigtsen gewann.

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