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Reise

Hawaii: Anmelden zum Sonnenaufgang

In Scharen strömen Touristen zum Gipfel des Haleakala. Sie wollen mit eigenen Augen sehen, was der amerikanische Schriftsteller Mark Twain das "erhabenstes Schauspiel" nannte: Sonnenaufgang in 3055 Metern Höhe.

Schon lange vor dem Morgengrauen machen sich die ersten Besucher auf den Weg. Auf einer langen, gewundenen Straße fahren sie durch die Wolkendecke hindurch auf 3000 Meter Höhe. Hier erwartet sie eine karge Vulkanlandschaft und ein Krater mit einer Ausdehnung von 49 Quadratkilometer. Er ist einer der größten der Erde.

Der Name Haleakala bedeutet auf Deutsch "Haus der Sonne". Der Sage nach hat der Halbgott Maui die Sonne dort eingefangen. Das tun heute die Touristen. Auf dem Gipfel lassen sie sich in kleinen Gruppen nieder und warten darauf, dass die Show beginnt. Darauf, dass die Sonne hinter dem Horizont hervor lugt und Himmel und Bergflanken in ein Farbenmeer aus Gelb, Orange und Rot taucht. "Als wäre man auf dem Dach der Welt. Der Sonnenaufgang hier oben ist unvergleichlich schön", schwärmt eine kanadische Touristin. Das Naturschauspiel ist die Hauptattraktion auf Maui, der zweitgrößten Insel des Archipels Hawaii im Pazifischen Ozean.

Hawaii Maui Sonnenaufgang (picture-alliance/AP Photo/C. Jones)

Im vergangenen Jahr lockte der Sonnenaufgang bis zu 1000 Besucher täglich

Wegen seiner einzigartigen Flora und Fauna ist das Gebiet um den Haleakala Nationalpark - schon seit 1916. Im vergangenen Jahr lockte allein der Sonnenaufgang täglich über 1000 Touristen an. Mit ihren Autos verstopften sie die Gipfelstraße und dort, wo sie zu Fuß unterwegs waren, zertrampelten die sorglosen Ausflügler seltene und schützenswerte Pflanzen.

Für den sensiblen Lebensraum bedeutet die Invasion der Touristen Stress. Die Verwaltung des Nationalparks sah sich deshalb gezwungen einzugreifen: Für den Sonnenaufgang müssen Besucher seit Anfang Februar einen Platz reservieren. Die Zahl der Fahrzeuge auf dem Parkplatz am Gipfel wurde strikt auf 150 begrenzt. Im Nationalpark hofft man, dass mit diesen Maßnahmen die Zahl der Besucher auf ein verträgliches Maß von 500 am Tag gesenkt werden kann.

Auch wenn die Temperaturen in den Morgenstunden schon mal unter Null Grad fallen können und ein empfindlich kalter Wind pustet - seit Jahrzehnten lockt der Sonnenaufgang auf dem größten ruhenden Vulkan der Welt Frühaufsteher an. "Vor etwa 15 Jahren fing es an, dass immer mehr Touristen zum Sonnenaufgang auf den Vulkan kamen. Aber letztes Jahr wurde es richtig schlimm", erklärt Natalie Gates, Leiterin des Haleakala-Nationalparks. "Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass der Sonnenaufgang in den sozialen Medien verbreitet wurde", vermutet Gates. "Wenn Sie da raufgehen, werden Sie feststellen, dass die Hälfte, wenn nicht sogar Dreiviertel unserer Gäste den Sonnenaufgang fotografieren oder filmen und ihn sofort posten."

Hawaii Maui Sonnenaufgang (picture-alliance/AP Photo/C. Jones)

Seit Februar muss für dieses Spektakel auf der Insel Maui reserviert werden

Rote Erde und Lavafelder prägen die Landschaft auf dem Gipfel. Pflanzen und Tiere haben sich an das raue Höhen-Klima angepasst. Etwa die Hawaii-Gans, sie lebt und brütet auf den erkalteten Lavafeldern in 2500 Metern Höhe. Es gibt bemerkenswert viele Insekten, Spinnen mögen es hier besonders gern. Ganze Kolonien fressen sich an den Käfern satt, die der Wind ihnen in die Netze weht.

USA Hawaii - Yellow-faced Biene wird zur bedrohten Tierart erklärt (picture-alliance/AP Photo)

Die Yellow-faced Biene gehört zu den bedrohten Tierarten auf Hawaii

Es wäre alles friedlich, wären da nicht die unachtsamen Touristen. Sie zertreten zum Beispiel die zarten Triebe und das Wurzelsystem des Silberschwerts. Die seltene buschartige Pflanze mit lanzenförmigen Blättern wächst nur auf der Insel Maui. Oder sie stören den Hawaii-Sturmvogel, der auf dem Boden seine Nester baut. Er gehört zu den gefährdeten Arten.

Silberschwert, Argyroxiphium sandwicense, Haleakala silversword (picture-alliance/blickwinkel/M. Wisshak)

Silberschwert - die Pflanze kommt nur auf der Insel Maui vor

Bevor es die Reservierungspflicht gab, standen auf dem Parkplatz am Gipfel, der für 150 Plätze ausgelegt ist, schon im Morgengrauen doppelt so viele Autos. Viele davon mehr als voll besetzt. Fahrer, die keinen Platz mehr fanden, parkten einfach auf dem Seitenstreifen der Zufahrtsstraße oder gleich direkt auf der Straße. Für Rettungswagen im Einsatz gab es kein Durchkommen mehr.

Zwar machen die Beobachter des Sonnenaufgangs nur 16 Prozent der Parkbesucher aus, sie verursachen jedoch 40 Prozent der Rettungseinsätze. "Es ist dunkel hier oben, das Gelände ist unwegsam, es gibt Felsen und Geröll. Wenn sich Leute von ihrer Gruppe entfernen und sich abseits der Wege ein Plätzchen suchen, stolpern sie oft über Felsvorsprünge. Sie ziehen sich dann Verletzungen zu, manche unterschätzen die Höhe und klappen zusammen, es gab sogar schon Herzinfarkte", berichtet Gates.

Das neue Reservierungssystem regelt nun die Besucherströme und versucht den Einklang zwischen Mensch und Natur wieder herzustellen. Wer zwischen drei und sieben Uhr morgens auf den Gipfel will, muss reserviert haben. Nur dann dürfen die Autos passieren. Die Gebühr liegt pro Auto bei 1.40 Euro ($ 1.50) und noch einmal knapp 19 Euro ($ 20) Eintritt für den Park. Sind 150 Reservierungen erfolgt, schließt das System. Die Einnahmen fließen in das Management des Reservierungsprogramms.

Hawaii Maui Vulkan Haleakala (picture-alliance/AP Photo/C. Jones)

Den Haleakala Nationalpark gibt es seit 1916

Reservierungen können bis zu zwei Monate im Voraus gebucht werden. Auch andere Parks wie der Yosemite Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien setzen Reservierungssysteme ein. Im Yosemite Nationalpark reguliert man auf diese Weise seit 2010 die Zahl der Wanderer, die zu dem berühmten Half Dome hinauf wollen. 

"Gäste, die gerne spontan entscheiden,  müssen nun leider umdenken. Wer zum Sonnenaufgang auf den Haleakala will, muss rechtzeitig planen", so Carol Clark vom Maui Besucherzentrum. Sie ist jedoch überzeugt, dass trotz dieser Unannehmlichkeit für die Gäste der Nutzen am Ende überwiegen wird. Parkbesucher, die eine geführte Tour gebucht haben, sind von der Reservierungspflicht ausgenommen. Für sie gelten andere Regeln.

Nettie Kuwamura bezeichnet sich als Beschützerin des Gipfels. Sie ist gebürtige Hawaiianerin, wurde auf Maui geboren und wuchs hier auf. Freundich fordert sie die Touristen auf, sich von den Lava-Felsen fernzuhalten und die empfindliche Natur zu respektieren. "Ich liebe diese Insel. Ich liebe diesen Berg. Für die Einwohner von Hawaii ist dieser Berg heilig", erklärt Kuwamura.

Seit zwei Jahren fährt Kuwamura Touristen zum Gipfel, wo sie dann bei Sonnenaufgang einen hawaiianischen Gesang rezitiert, der die Sonne begrüßt: "Jeden Morgen, wenn die Sonne aufgeht, kommt die Schönheit zurück."

Audrey McAvoy/Caleb Jones/at (ap)

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