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Ostmitteleuropa

Havel gegen Europa als Wirtschaftsweltmacht

– Europa sollte nicht mit den USA in Konkurrenz treten - Tschechiens "Dichterpräsident" hält die gegenwärtige Welt für schlecht, bietet jedoch keine Zukunftsvision an

Prag, 5.4.2002, RADIO PRAG, LIDOVE NOVINY

RADIO PRAG, deutsch, 5.4.2002

Der Gedanke an ein vereintes Europa darf nicht in technokratischen Vereinbarungen untergehen. Darauf einigten sich der tschechische Präsident Vaclav Havel und sein italienischer Amtskollege Carlo Ciampi während ihrer Gespräche am Donnerstag (4.4.) in Rom, die Bestandteil des offiziellen Besuches des tschechischen Staatsoberhauptes in Italien waren. (...)

Bei seiner Ansprache im italienischen Senat hob Tschechiens Präsident hervor, dass Europa sich nicht darauf einlassen sollte, mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren. Havel spielte dabei auf den so genannten Lissabonner Prozess an, der vor zwei Jahren eingeleitet wurde. Damals gaben sich die 15 EU-Länder zum Ziel, die EU bis zum Jahr 2010 zum leistungsfähigsten Wirtschaftssubjekt der Welt aufsteigen zu lassen und damit gerade die USA von dieser Position zu verdrängen. (ykk)

LIDOVE NOVINY, tschechisch, 5.4.2002

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hat sich gestern (4.4.) unüblich laut zum Thema "Zukunft der Europäischen Union" geäußert. Den Bestrebungen, Europa zur wirtschaftlichen Weltmacht Nummer eins zu machen, erteilte er in seiner Rede vor dem italienischen Senat eine Absage. Paradoxerweise ist er sich mit seinem heimischen Erzrivalen Vaclav Klaus darüber einig, dass es Europa an einer Zukunftsidee mangele. (...)

Havel ist unzufrieden mit der heutigen Welt, ihm missfallen junge Menschen, "die nicht einmal eine Minute ohne ihre Mobiltelefone leben können." "Wir sollten uns mehr auf unser Verhältnis zu unseren Zeitgenossen, zu unseren Vorfahren sowie zu unseren Nachkommen konzentrieren." Das Problem bei Havels Zukunftsvision liegt jedoch darin, dass sie auf der Ablehnung der gegenwärtigen Welt und auf einem Ideal aus der inzwischen schon weit entfernten Vergangenheit gründet. (...)

Havel erwies sich in diesem Fall nicht als Politiker, sondern eher als Philosoph, der keine Verantwortung trägt und auch keine tragen will. Ein Politiker kann nicht sagen: "alles ist schlecht" und anschließend keine Vorschläge präsentieren. Keinen Ausweg aus der Krise zu sehen, zeugt davon, dass dieser Politiker machtlos ist. (ykk)

  • Datum 05.04.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/23qA
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