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Haut und Haar, Herz und Hirn – vom Vermessen des Körpers

Ob mit Haut und Haar oder mit Leib und Seele – wer verliebt ist, ist das oft von Kopf bis Fuß. Also ganz und gar. Der menschliche Körper ist für Redensarten geradezu geschaffen. Und zwar vom Scheitel bis zur Sohle.

Da fasst man sich an den Kopf! Und ruft aus: “Es ist nicht zu fassen!“ So ein Unsinn! Also wenn etwas nicht zu fassen ist, dann doch das. Ist der Kopf etwa nichts? Selbst wenn da nur leere Luft drin ist. Das Sich-an-den-Kopf-fassen oder das Sich-die Haare-Raufen sind Zeichen des Aufbrausens, des Außer-Sich-Seins. Mancher fährt dabei sogar aus der Haut. Am liebsten sofort. Hals über Kopf. Was aber, wie das Bild schon verspricht, nicht funktioniert. Hals unter Kopf funktioniert. Aber das gibt es nicht als Redensart.

Den Kopf kann man nicht überall haben

Der Kopf ist oben. Und da bleibt er, da können Sie sich auf den Kopf stellen oder sonst wie Ihren Unmut äußern. Wenn Sie aber nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht, dann... wächst Ihnen wahrscheinlich alles über den Kopf. Wird Ihnen alles zuviel. Dann stecken Sie eben bis über den Kopf in… weiß nicht was. Redensarten, die den menschlichen Körper als Spielwiese benutzen, verwirren, würde man sie wörtlich nehmen. Wir sähen noch merkwürdiger aus als wir sowieso schon aussehen. Der Verwirrte würde tatsächlich seinen Kopf unterm Arm tragen, und der Mutige würde sein Herz in beide Hände nehmen. Ob das gesund ist?

Oder der Referent, der als verlängerter Arm des Chefs gelobt wird, weil er immer alles von langer Hand vorbereitet. Im Klartext: Dieser Mann ist ein guter Assistent, der sich für den Chef fast zu Tode arbeitet. Und aufgrund des täglichen Stresses mit einem Bein schon im Grab steht. Stellen Sie sich mal einen verlängerten Arm vor, der mit einem Bein im Grab steht. Oder lieber nicht.

Die Beine in der Hand

Über kurz oder lang stellte sich dann die Frage: Hab ich sie noch alle? Bzw. sind alle Körperteile an ihrem Platz? Und kann eins die Funktion des anderen erfüllen? Paradoxerweise heißt die Antwort: Ja. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben. Heißt: wer vergesslich ist, muss das durch Schnelligkeit ausgleichen.

Aha. Und wie? Indem man die Beine in die Hand nimmt. Wer aber die Beine in die Hand nimmt, kriegt vielleicht am Ende kein Bein auf den Boden. Weil er ständig unterwegs und nirgendwo richtig ist. Also doch lieber fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen...? „Was stehst du da wie angewurzelt“, ruft der Meister dem Lehrling zu, “soll ich dir vielleicht Beine machen?!“ Tja, da ist die Frage berechtigt, woher der Meister für den armen Lehrling ein paar weitere Beine herbekommt...

Die Beine im Bauch

Redensarten widersprechen sich andauernd. Wie die, denen sie auf den Leib geschrieben wurden und werden. Wer meint, kürzer treten zu müssen, dem sagt man an andrer Stelle nach, er sei faul und stehe sich die Beine in den Bauch. Da ruft der Meister barsch: „Ja, wird’s bald?! Beweg deinen Hintern.“

So was sagt man besser nicht. Es ist unerzogen. Würde aber der Lehrling den Meister darauf aufmerksam machen, dann, haha, dann würde es aber was hinter die Ohren geben. Oder anders gesagt: Der Meister würde hinlangen und dem Lehrling eine Ohrfeige verpassen. Oder Backpfeife.

Hört, hört!

Doch Vorsicht! Ohrfeigen sind in Deutschland mittlerweile verboten. Also nicht auf die Ohren bitte. Sonst können Sie mich nämlich nicht hören. Wenn einen jemand nicht hört, hat das aber nicht nur mit einer Schwellung am Gehörgang zu tun. Man könnte auch sagen, er sitzt auf den Ohren. Und hört einfach nicht. Trotz mehrfacher Aufforderung! Nicht zu fassen.

Manche hören nur, was sie wollen, denen hat jemand den Kopf verdreht, ja – die sind verliebt! Die haben sich nach jemandem die Augen aus dem Kopf geschaut - bildlich! Die Augen sind selbstverständlich noch da. Falls nicht im Kopf, dann vielleicht am Po. Oder an den Beinen. Ja: Was man nicht im Kopf hat, muss man doch in den Beinen haben, oder? So ein langweiliger Witz. Zum Gähnen!

Gähnen und Gehen

Übrigens: Wer gähnt, sollte schön die Hand vor den Mund nehmen. Die eigne Hand! Vor den eigenen Mund. Sonst ist es ein Handkuss. Man kann soviel falsch machen. Jeder von uns. Sein Sie mal ehrlich. Hand aufs Herz.

Wenn Sie die Hand nicht aufs Herz, sondern lieber in den Schoß legen wollen - auch gut. Dabei noch den Kopf zurückgelegt, dann tritt Ruhe und Erholung ein. Wenn’s aber mal schnell gehen muss, nicht im Mund rumstochern, wenn der Meister ruft „Leg mal einen Zahn zu.“ Es ist nur eine Redensart.

Fragen zum Text:

Wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, dann....

1. ist man überschwänglich und fröhlich

2. wird einem alles zuviel

3. hat man große Angst

Wie lautet ein anderes Wort für Ohrfeige?

1. Ohrpflaume

2. Backpfeife

3. Ohrpfeife

Was man nicht im Kopf hat, muss man…

1. in den Beinen haben

2. in den Zähnen haben

3. sich aufschreiben

Arbeitsauftrag

Woher stammt die Redensart mit Haut und Haaren? Wählen Sie eine der drei Antworten und begründen Sie Ihre Entscheidung.

a) Eine Redensart mit hohem Alter. Sie geht zurück auf einen alten Rechtsbrauch "einem Haut und Haar abschlagen" bedeutete jemanden mit der Rute strafen. Eine schwangere Frau durfte zu dieser Zeit nicht höher gestraft werden als „zu Haut und Haar". Sie wird geschoren und geschlagen. Im Lauf der Jahrhunderte erst kam die Redewendung "Mit Haut und Haaren" zu ihrer umfassenden heutigen Bedeutung.

b) Zu der Zeit als der Wilde Westen noch wild war, kursierten unter den Siedlern Gräuelgeschichten über die Indianer. Sie verspeisten ihre Gefangenen hieß es „ganz und gar“. Hier taucht erstmals die Formel mit "Haut und Haar" auf. Sie beruht freilich auf einem Missverständnis. Die Indianer Nordamerikas nahmen von ihren Feinden ein behaartes Stück Kopfhaut als Siegestrophäe, den so genannten Skalp. Keineswegs verspeisten sie ihre Gegner. Für die Betroffenen freilich nur ein schwacher Trost.

c) Ferenc Haut und Heinz van Haaren, zwei Fußballspieler, Ende der 60er Jahre in Diensten des damaligen Erstligisten Schalke 04. Der Deutsche Fußballbund gestattete 1967 den Einsatz von zwei Ausländern pro Mannschaft. Haut, ein Ungar und van Haaren, Holländer, waren das erste Ausländerduo. Man sagte ihnen nach, sie allein könnten ein Team besiegen. Beide kamen 1967/68 auf je 14 Treffer- und das als Mittelfeldspieler. Da die Frage gelöst war, "spielen wir mit Haut oder Haaren", skandierten die Fans auf den Rängen: "Wir gewinnen mit Haut und Haaren".

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