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Wirtschaft

Hausse in kleinen Schritten

Der Dax auf Jahreshöchststand bei 3300 Punkten, der Dow auf dem sicheren Weg in Richtung 10.000-er Marke: Das alles hätten die leidgeprüften Marktteilnehmer zu Jahresbeginn nicht für möglich gehalten.

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Nach oben ist auch mal wieder schön: Der Dax erfreut die Anleger

Dennoch: Fällig war diese Entwicklung eigentlich längst, denn viele Qualitätsaktien gab es über lange Zeit zum Ausverkaufspreis. Die Hysterie gebar sich selbst und so wurde in der Baisse seit 2001 gnadenlos die Mehrheit der Aktien in den Keller geprügelt. Viele davon haben seit der Jahreswende Boden wieder gutgemacht.

Bayer-Hauptversammlung

Wie etwa Bayer: Das schlechte Image eines einzigen Medikaments, Lipobay, belastete den weltweit erfolgreichen Konzern, dessen Aktie vor Jahresfrist rund 33 Euro kostete. Negativrekord: 9,80 Euro. Seither hat sich das Papier verdoppelt, da Bayer etliche Klagen in den USA abwenden konnte.

Wer ist was wert an der Börse?

Schlechte Nachrichten wurden und werden seit Platzen der Tech-Spekulationsblase und den Zeiten der gefälschten Bilanzen á la Worldcom und Enron hart bestraft. Allerdings traf es dabei auch durchaus werthaltige Konzerne hart, wie etwa den weltgrößten Versicherer Allianz, der mit knapp 40 Euro zum echten Schnäppchen für jene wurde, die einen kühlen Kopf behielten und sich derzeit über 77 Euro freuen können – Tendenz steigend, denn bei der Allianz herrscht der große Kehraus: Mehr Profit muss her.
Tatsächlich liegen die Aktienkurse vieler Unternehmen noch unter ihrem eigentlichen Buchwert, bestehend aus Bar- und Anlagevermögen. Wer sie ausfindig macht und solche Aktien erwirbt, bekommt quasi Geld geschenkt. Denn Überbewertungen mögen platzen wie Seifenblasen, zu billige Aktien werden jedoch ihren Wert immer erreichen, und sei es durch eine Übernahme.

Das Who is Who der Fusionitis

Denn nicht nur die rationalen Analysen der Anleger treiben die Kurse. Auch die Fusionsphantasie ist wieder erwacht. Das betrifft nicht nur deutsche Konzerne, sondern lässt sich derzeit weltweit belegen. Wichtig: Aussichtsreiche Übernahmekandidaten schwächeln nicht, sondern haben in ihrer Nische ein führendes Know-How und verdienen womöglich viel Geld damit.

Beispiel MAN: Die traditionsreiche "Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ baut gute Lkw und Maschinen, aber auch Busse. Die sind Verlustbringer und darum geht es MAN nicht wirklich gut. VW ist nun im Gespräch, die Sparte Nutzfahrzeuge zu kaufen und wäre damit auf einen Schlag der Drittgrößte in der Branche. Der Rest von MAN würde dann filetweise anderweitig verkauft.


Beispiel Buderus: Bosch schluckte den weltweit führenden Anbieter von Heiztechnik und –kesseln. Ein auf den ersten Blick "langweiliges" Business, mit dem allerdings richtig Geld verdient wird.

Beispiel Beiersdorf: Die Marken Tesa und Nivea stehen nicht nur für sich, sondern synonym für ihre Produktsparten als solche. Die Allianz als größter Anteilseigner überlegt derzeit, wem sie ihren 40-Prozent-Anteil verkauft. Vielleicht macht Kaffeeröster Tchibo das Rennen, der bereits über 30 Prozent an dem Hamburger Unternehmen hält. Auf jeden Fall bliebe die Cash Cow Beiersdorf dann in deutschen Händen, denn auch in den USA wecken die unterkapitalisierten und darum oft viel zu billigen deutschen Unternehmen Begehrlichkeiten.

Wella Logo in Darmstadt

Beispiel Wella: Einer der Inbegriffe für Haarkosmetik weltweit wanderte in die Hände der amerikanischen Procter & Gamble. Wer vor der Übernahme Wella-Aktien hielt, freut sich nun über 50 Prozent Wertzuwachs, es sei denn ihn ärgert die Übernahme "seines" Unternehmens.

Übernahmen rollen weltweit an

Die Reihe potentieller Kandidaten ließe sich beliebig fortsetzen mit klangvollen Namen wie Celanese, Schering, Beru oder Continental, die immerhin vor einigen Jahren die feindliche Übernahme durch Pirelli abwehren konnte. In der vergangenen Woche schließlich platzten dann gleich mehrere Übernahmenachrichten in die Aktienszene: Der kanadische Aluminiumhersteller Alcan will den französischen Konkurrenten Pechiney übernehmen. Ziel: Nummer 1 auf dem Aluminiummarkt zu werden. Der weltgrößte Hersteller von Datenspeichern, EMC, kaufte den Softwarehersteller Legato für 1,3 Milliarden Dollar in Aktien.

Tech-Werte mit Cash in der Tasche

Gerade in der geprügelten High-Tech-Branche nämlich gibt es viele Unternehmen, die über genügend Geld in der Kriegskasse verfügen, wie der Versuch des weltweit führenden Datenbankherstellers Oracle belegt, für 6,3 Milliarden Dollar den Konkurrenten Peoplesoft aufzukaufen, um bei Unternehmenssoftware ein wenig zum Weltmarktführer SAP aufschließen zu können. Microsoft gar, Krösus der Softwarebranche, überlegt derzeit, ob es 10 von seinen über 40 Milliarden Dollar Barmitteln an die Aktionäre ausschüttet.

Von Chips, Schweinezyklen und guten Aussichten

Infineon

Schließlich sind da auch noch die Chiphersteller. Die Preise für Speicherchips sollen sich 2004 endlich wieder erholen, prophezeien Marktforschungsunternehmen wie JP Morgan. Rund 25 Prozent sind drin, schätzt der US-Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA). Prompt ziehen auch die Aktien der Chiphersteller wieder an. Was allerdings bei diesen Titeln nicht verwunderlich ist, da sie dem besonders aggressiven "Schweinezyklus" unterworfen sind.

Der Branchenjargon beschreibt nichts anderes, als das extrem hohe Innovationstempo in der Chip-Industrie, mit deshalb extrem kurzen Produktzyklen, die mit sehr hohen Stückzahlen einhergehen. In der Folge bauen alle Speicherhersteller in rasantem Tempo ihre Produktion aus, die schnell zum Überschwemmen des Marktes führt, worauf die Preise purzeln. Da Chips Massenware sind und die Investitionen für eine Fabrik rund 1 Milliarde Euro im Durchschnitt betragen, überleben nur Unternehmen mit ausreichender Kapitaldecke die unweigerlich folgende Durststrecke. Freuen kann sich da auch die deutsche Infineon. Zwar ist die Aktie vom Emissionskurs noch weit entfernt, hat aber ihr Tief bei 4,80 Euro lange hinter sich gelassen und nun die 10er Marke erklommen. Kursziel der Bank UBS Warburg: 17 Euro.

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