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Politik & Gesellschaft

Hausmann zwischen Küche und Kinderzimmer

In der Kinderwelt gibt es keinen Perfektionismus – das lernte Mario schnell. Der 40-jährige Vater schmeißt seit zwei Jahren den Haushalt, seine Frau sorgt für das finanzielle Einkommen. Eine ungewöhnliche Arbeitsteilung.

Vater Mario in der Küche, Tochter Ronja im Hintergrund (Foto: privat)

Kinder statt Karriere

Mario strahlt Ruhe aus, wenn er auf dem Esszimmerstuhl im Wohnzimmer sitzt. Geduldig spricht er mit seiner Tochter Ronja, die immer wieder an der Stuhllehne ihrer Spielkameradin Tessa ruckelt - während diese lautstark dagegen protestiert. "Ronja, lass Tessa in Ruhe. Sie will das nicht," ermahnt sie Mario. "Ich bin nicht reizbar", sagt Mario über sich selber. Ronja schaffe es zwar schon, dass er etwas lauter werde. Doch nur mit Geduld komme man weiter, resümiert der Vater.

Seit dem 1. Januar 2010 ist Mario zuhause, kümmert sich um den Haushalt und versorgt Tochter Ronja. Sein Chef sei über seinen Antrag auf Elternzeit aus allen Wolken gefallen, erzählt Mario schmunzelnd. Dabei hatte der Vertriebsbeauftragte für einen Computergroßhandel seine Absicht, für längere Zeit zuhause zu bleiben, ein halbes Jahr vorher angekündigt.

"Der erste Mann mit Elternzeit in der Firma"

Vater Mario mit Tochter Ronja und Spielkameradin Tessa im Wohnzimmer, (Foto: DW/Fähnle)

Gemeinsames Spielen im Wohnzimmer

Seinen Antrag auf Elternzeit gab er ein paar Tage nach der Geburt von Töchterchen Ronja Mitte Dezember 2009 ab. Die Reaktion kam kurz vor Feierabend, erzählt Mario: "Abends um 18 Uhr rief er mich in sein Büro und fuhr mich an, was mir denn einfalle." Doch da Mario sein Vorhaben rechtzeitig angekündigt hatte, konnte er seinen Anspruch auf Elternzeit trotz allem durchsetzen.

Die zweijährige Elternzeit läuft bald aus. Aber Mario wird einen neuen Antrag für das dritte Jahr stellen. Denn im Februar erwartet seine Frau Nicole das zweite Kind. Wieder ein Mädchen. Nach acht Wochen wird sie wieder arbeiten gehen. Elternzeit für das zweite Kind wird wieder Mario beantragen.

"Meine Frau verdient doppelt so viel wie ich"

Tochter Ronja und Spielkameradin Tessa frühstücken zusammen (Foto: DW/Fähnle)

Zusammen frühstücken ist toll!

Er und seine Frau waren sich schon vor der Geburt ihrer ersten Tochter Ronja einig, dass einer beim Kind zuhause bleiben sollte. Und da seine Frau als Versicherungskauffrau doppelt so viel verdiene wie er, sei klar gewesen, dass er zuhause bleibt. Da sei das Elterngeld im ersten Jahr ein guter finanzieller Ausgleich für ihn gewesen, erzählt Mario.

Der Familienvater hat kein Problem damit, dass seine Frau arbeiten geht und das Familieneinkommen sichert. Er habe auch den Namen seiner Frau angenommen, sagt er lapidar. Gleichberechtigung sei die vernünftigste Übereinkunft in einer Partnerschaft, davon ist er überzeugt. Mario genießt es, zuhause zu sein und sich um seine Tochter zu kümmern. Er geht mit ihr zum Turnen und in eine Spielgruppe mit gleichaltrigen Kindern und ihren Eltern. Dass er dort der einzige Vater unter acht Müttern ist, stört ihn nicht weiter. Er ist dort akzeptiert.

Mutter Nicole und Tochter Ronja essen Eis (Foto: DW/Fähnle)

Seltene Zweisamkeit: Mutter und Tochter beim Eisschlecken

Für die kleine Ronja ist es normal, dass Papa zuhause ist. Morgens frage sie zwar nach Mama. Dann antwortet Mario: "Mama ist arbeiten". Anschließend sei für die Kleine die Welt in Ordnung. Der hintere Teil des Gartens grenzt an den Garten der Schwiegereltern, durch ein Törchen kann Ronja schnell Oma und Opa besuchen. Die komplette Familie unterstützt Mario. "Sie kennen mich und trauen mir die Rolle als Hausmann voll und ganz zu", meint Mario lächelnd. In seiner Stimme schwingt eine Mischung aus Stolz und innerster Überzeugung mit.

"In der Kinderwelt gibt es keinen Perfektionismus"

Vater Mario pustet Seifenblasen (Foto: DW/Fähnle)

Toben und spielen im Garten

Waschen, putzen, kochen, wickeln – das gehört zu seinem Alltag. Er erledigt die anfallenden Arbeiten wie sie sich ergeben. "Bis ein Uhr morgens bügeln kommt auch schon mal vor", erzählt Mario lachend. Besonderen Wert legt er darauf, mittags immer frisch zu kochen.

Vater Mario wäscht Tochter Ronja auf dem Wickeltisch liegend (Foto: DW/Fähnle)

Einsatz am Wickeltisch

Derweil trägt Ronja kleine Spielzeug-Konservendosen und Miniaturschachteln hin und her. Teilen will sie mit ihrer Spielkameradin aber nicht. "Du musst auch eine Dose abgeben", mischt sich Mario mit ruhiger Stimme ein. Ronja fängt bitterlich an zu weinen. Mario nimmt sie auf den Schoß und tröstet sie: "Du musst noch viel lernen, Ronja, bis dein kleines Schwesterchen kommt. Teilen ist ganz wichtig."

"Gartenarbeit ist ein guter Ausgleich für mich"

"Es gab auch Tage, da ist mir die Decke auf den Kopf gefallen", gibt Mario zu. Aber im Haushalt gebe es immer etwas zu tun, da komme man wieder auf andere Gedanken. Manchmal sei er auch während Ronjas Mittagsschlaf in den Garten gegangen, habe sich die Spitzhacke gegriffen und zwei Stunden lang die Erde in den Beeten aufgelockert. Auch Volleyballspielen tue ihm gut, erzählt Mario. Zweimal die Woche geht er abends zum Volleyballtraining, jedes zweite Wochenende hat er Spiele.

Vater Mario tröstet seine Tochter Ronja auf dem Schoß (Foto: DW/Fähnle)

Papa tröstet

Und welche Zukunftspläne hat der Vollzeit-Familienvater? Zurück in seinen alten Job möchte er nach der Elternzeit nicht, auch wenn er einen Anspruch auf seinen Arbeitsplatz hätte. Bis dahin, so hofft Mario, hat er eine neue Stelle gefunden – in der Nähe. Vielleicht sogar schon vorher, damit seine Frau weniger arbeiten könne. Aber erstmal bleibe alles wie gehabt: Er kümmert sich um Kind und Kegel, seine Frau sorgt für den Lebensunterhalt.

Autor: Anja Fähnle
Redaktion: Nils Naumann/Daphne Grathwohl