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Aktuell Welt

Hauptverdächtiger von Paris weiter auf der Flucht

Bei einer breit angelegten Fahndung im Grenzgebiet nahe Aachen ist er der deutschen Polizei nicht wie erhofft ins Netz gegangen. Sieben Personen waren vorübergehend unter Terrorverdacht festgenommen worden.

Sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière war kurzfristig vor die Presse getreten. Doch dabei wurde schnell klar: Der Hauptverdächtige der Anschläge von Paris, der in Belgien geborene Franzose Salah Abdeslam, ist nicht unter den sieben in Alsdorf bei Aachen gefassten Personen. "Nach wie vor ist es so, dass mindestens ein Täter flüchtig ist", erläuterte der Minister in Berlin. "Es bestand und besteht die Sorge, dass dieser Täter in europäische Nachbarländer flieht." Der Minister betonte zur Situation in Deutschland: "Die Gefährdungslage ist wirklich hoch." Daher sei es richtig, verstärkte Grenzkontrollen aufrechtzuerhalten. Es habe sich auch gezeigt, dass die Sicherheitsbehörden wachsam seien, um Folgeanschläge und Nachahmungstaten zu verhindern."

Fahndungsfoto Salah Abdeslam (Foto: dpa)

Fahndungsfoto Salah Abdeslam

In Alsdorf hatte die Polizei zuvor sieben Ausländer festgenommen. De Maizière machte deutlich, dass die Behörden die Hoffnung hatten, sie seien Abdeslam auf der Spur. Der 26-Jährige ist ein Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris. Anhaltspunkte gab es, weil Salah Abdeslam vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Er sei am 9. September aus Deutschland kommend mit zwei Begleitern nach Oberösterreich eingereist, hatte das österreichische Innenministerium in Wien mitgeteilt.

Tip aus der Bevölkerung

Alsdorf ist eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande. Sie liegt keine zwei Autostunden entfernt von Brüssel, wo Abdeslam mit seinen beiden Brüdern lebte. Der Zugriff der Polizei erfolgte nach einem Hinweis aus der Bevölkerung. Am Vormittag nahm ein Spezialeinsatzkommando zunächst zwei Frauen und einen Mann fest, nachdem diese das Alsdorfer Jobcenter verlassen hatten. Alle drei hatten ausländische Pässe.

Am Nachmittag wurden zwei weitere Männer festgenommen. Später wurden in demselben Haus, in dem schon der vierte und fünfte Verdächtige aufgegriffen worden waren, noch zwei weitere Verdächtige entdeckt. Sie wurden am Abend alle wieder auf freien Fuß gesetzt.

Anschläge vermutlich aus Syrien gesteuert

Abdeslam soll den VW Polo gemietet haben, mit dem die Attentäter am Freitag zur Pariser Konzerthalle "Bataclan" gefahren waren. Allein dort töteten sie fast 90 Menschen. Sein Bruder Brahim Abdeslam sprengte sich in einem Pariser Café in die Luft.

Französische Ermittler gehen davon aus, dass die Anschläge in Paris, bei denen insgesamt mindestens 129 Menschen getötet wurden, von dem Belgier Abdelhamid Abaaoud angeordnet wurden, der in Syrien lebt und für Internet-Propaganda der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich ist. Laut belgischen Medienberichten sollen Abaaoud und Abdeslam vor fünf Jahren gemeinsam im Gefängnis gesessen haben.

Abdelhamid Abaaoud mit der Flagge des Islamischen Staats (Foto: dpa)

Möglicher Drahtzieher der Pariser Terrorserie: Abdelhamid Abaaoud

Rätsel um gefundenen Pass noch ungelöst

Weiter offen ist, ob es sich bei einem in Paris getöteten Attentäter womöglich um einen als Flüchtling getarnten Terroristen handelt oder ob dies eine bewusst vom Terrornetzwerk IS gelegte Spur ist. "Der Sachverhalt ist noch nicht abschließend geklärt", sagte de Maizière. Es scheine so zu sein, dass der Pass mit der gefundenen Person identisch sei. "Aber es ist keineswegs sicher, dass es sich um einen echten syrischen Pass handelt."

Es habe Berichte aus Serbien gegeben, dass ein weiterer Pass mit diesem Namen und einer bestimmten Person aufgetaucht sei. Es lasse sich noch nicht abschließend sagen, ob es sich um einen Flüchtling handele, der vom Terrornetzwerk IS geschickt worden sei, oder um einen geschickten Schachzug, die Menschen so zu verunsichern.

uh/qu (dpa,rtr,afp)

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