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Politik

Hauptsache Tiere

Afrika ist der Kontinent der wilden Tiere. Aber in Mali sind viele davon längst ausgestorben. Wie ein Löwe frisst und faulenzt, erfahren malische Kinder nur im Zoo. Tina Gerhäusser hat den Tierpark in Bamako besucht.

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Esel

Das erste Tier, das ich sehe, ist ein Esel. Er ist klein und grau, mit einem braunen Fellstrich auf dem Rücken und frisst aus einem halbierten rostigen Blechfass. Ich bin erleichtert. Denn ich hatte mir diesen Zoo total elend vorgestellt. Aber der Esel hat genug Platz in seinem Gehege am Hang, mit einem kleinen Fluss und ein paar schattenspendenden Bäumen. Er sieht zufrieden aus. Was der Esel und ich nicht wissen: in ein paar Tagen wird das Tier den Löwen zum Fraß vorgeworfen. "Die Esel und Pferde hier im Zoo sind nur Nahrung für die Raubtiere“, sagt Zoowärter Touré. Er führt mich auf den Hügel zu den Löwen.

Einsame Helden

Die einzigen vier Löwen Malis machen gerade Mittagschlaf. Paul, der Chef, blinzelt von seinem Felsen in die Sonne. Er lebt schon 20 Jahre hier und sieht so aus, als hätte er aufgehört, sich Fragen über die Freiheit zu stellen. Nur Leo, der Thronfolger, ist aktiv. Er läuft in seinem separaten Käfig auf und ab. Und weil er im Zoo geboren ist, lässt er sich dabei bereitwillig von Touré hinter den Ohren kraulen.

Die meisten Besucher stehen vor dem Gorillakäfig. Wenn sie in die Hände klatschen, beginnt Fati - den Namen würde man am liebsten mit "V" schreiben - zu tanzen. Salsa hinter Gittern. Das Publikum aus pubertierenden Jungs johlt. Auch der achtjährige Prince findet den Menschenaffen interessanter als das regungslose Krokodil im trüben Minibecken nebenan.

Tierschwund

Prince ist mit seinem Vater in den Zoo gekommen. Der kennt den Tierpark noch aus seiner eigenen Kindheit. "Ich bin überrascht, dass so viele Tiere verschwunden sind“, sagt er. Vor zwanzig Jahren habe am Eingang ein Elefant gestanden - "den haben wir mit Bananen gefüttert.“ Den Zoo in Bamako gibt es seit der malischen Unabhängigkeit 1960. Zoowärter Touré erzählt, in den 1970er Jahren seien die Gehege in dem weitläufigen Gelände voll mit Tieren gewesen: Giraffen, Zebras, eine Seekuh und das Nilpferd, das vor zwei Monaten gestorben ist. Letzte Woche sei dann auch noch eines von zwei Dromedaren gestorben, sagt Touré traurig.

Rettungsversuche

Warum sterben so viele Tiere? Touré zieht die Schultern hoch und sagt "das Alter“. Böse Zungen von Nichtzoowärtern behaupten dagegen, die Tiere bekämen zu wenig zu essen. Touré sagt, der Zoodirektor habe viele neue Tiere für das Jahr 2006 versprochen. Drei junge Seekühe sollen aus dem Nigerdelta bei Mopti geholt werden. In Bamako wartet ein hellblaues, ungefähr 40 qm großes, überdachtes Schwimmbecken auf sie. Das wird eng.

Bamako Zoo,Totes Walross, Fernschreiber

Damit die Kinder von Bamako nicht erst in einem Jahr erfahren, wie eine Seekuh aussieht, hat sich der Direktor noch etwas einfallen lassen. Touré führt mich zu einer halb kaputten Glasvitrine auf vier Holzbeinen. Erst verstehe ich nicht, was der graue Baumstumpf da drin soll. Aber dann erkenne ich die Gesichtszüge der Seekuh. Nachdem sie im letzten Jahr gestorben sei, habe man sie in der Vitrine ausgestellt, erzählt Touré. Leider sei dann eben der Blitz in die Glasscheibe eingeschlagen… Jetzt können Bamakos Zoobesucher das seltene Tier also sogar anfassen.

  • Datum 05.11.2005
  • Autorin/Autor Tina Gerhäusser, Bamako
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7PUh
  • Datum 05.11.2005
  • Autorin/Autor Tina Gerhäusser, Bamako
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