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Afrika

Hauptsache interaktiv

Internet hin oder her - viele junge Ägypter verbringen ihre Freizeit vor dem Fernseher. Das heißt aber nicht, dass sie mit dem Angebot zufrieden sind. Viele haben ihre eigenen Vorstellungen von einem guten Programm.

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Sara El Batrawy liebt die Serien und Sitcoms im ägyptischen Fernsehen

Fernsehen und Internet – diese Medien nutzt Hossam El Deen am liebsten. Der junge Mann aus Kairo arbeitet selbst für einen privaten Fernsehsender in Ägypten – und hat beobachtet, dass sich die Medienlandschaft dort gerade in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Vor allem durch die privaten Kanäle sei sie deutlich vielfältiger geworden, sagt Hossam El Deen. Doch zufrieden ist der Reporter aus Kairo damit noch lange nicht: "Wir brauchen mehr Programme für junge Leute", sagt Hossam El Deen. "Und Programme, die sich mehr um Bilder drehen und mehr um das, was Jugendliche wirklich interessiert."

Umgangssprache statt Hocharabisch

Hossam El Deen

Hossam El Deen wünscht sich eine verständlichere Sprache im Nachrichten-Programm

Hossam El Deen hat sich an der deutsch-ägyptischen Talk-Show „Jugend ohne Grenzen“ beteiligt, einem Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Welle und des ägyptischen Staatssenders ERTU. In der jüngsten Sendung, die in Bonn aufgezeichnet wurde, ging es um die Fragen: Welchen Einfluss hat das Fernsehen auf junge Leute? Und: Welche Formate sind gefragt?

Zusammen mit sieben anderen Ägyptern hat Hossam El Deen überlegt, was junge Leute im Fernsehen wirklich begeistern könnte. Kochsendungen, Talk-Shows, Reportagen gehören ihrer Meinung nach dazu. Aber auch Nachrichten, die locker präsentiert werden und verständlich sind. "Neuerdings werden mehr Programme auf Ägyptisch-Arabisch und nicht nur auf Hocharabisch produziert", erzählt Hossam El Deen. "Das gilt auch im Nachrichtenbereich. Wir Jugendlichen in Ägypten haben aber trotzdem den Eindruck, dass in den Programmen, in denen es um Nachrichten, um harte Fakten oder um gesellschaftliche Probleme geht, eine andere Sprache gesprochen wird – nicht die, die wir Jugendlichen sprechen."

Serien passend zur Gesellschaft

Aufzeichnung der TV-Sendung Jugend ohne Grenzen mit deutschen und ägyptischen Jugendlichen

Aufzeichnung der TV-Sendung "Jugend ohne Grenzen" mit deutschen und ägyptischen Jugendlichen

Hossam El Deen glaubt, dass junge Leute auch deshalb so ungern Nachrichten schauen. In Serien und Soaps dagegen wird fast immer die Umgangssprache gesprochen. Sara El Batrawy aus Kairo liebt diese Sendungen – und ist zufrieden mit den Programmen, die im ägyptischen Fernsehen gezeigt werden.

"Es gibt bei uns Serien wie die amerikanische Sitcom 'Friends'", erzählt die junge Künstlerin aus Kairo. "Die Serien werden aber nicht einfach nachgemacht, sondern auf unsere Gesellschaft übertragen – so dass es zu unserer Religion und Tradition und allem passt. Wir mögen das. Viele Leute gucken die Serien und finden sie richtig gut."

Programm zum Mitmachen

Sara El Hammawy

Sara El Hammawy trifft sich gerne mit Freundinnen, um die Sendungen gemeinsam zu schauen

Osama El Sayed Aboelezz reicht das nicht. Wie viele junge Leute ist er ein Internet-Fan. Fernsehprogramme guckt er sich am liebsten auf dem Computer an – wann und wo es ihm gerade passt. Für den 23-Jährigen ist ganz klar, was das Fernsehen am dringendsten braucht: "Es sollte eine Art Interaktion geben", sagt der Architekt. "Aber nicht nur das. Das Publikum sollte zum Programm beitragen."

Ein entscheidendes Tabu

Osama El Sayed Aboelezz

Aufzeichnung der TV-Sendung "Jugend ohne Grenzen" mit deutschen und ägyptischen Jugendlichen

Gut findet Osama El Sayed Aboelezz, dass in den vergangenen Jahren im ägyptischen Fernsehen einige Tabus gebrochen wurden. Hossam El Deen sieht das genauso: Mittlerweile werde im ägyptischen Fernsehen mehr Kritik geübt – und gelegentlich auch über Themen wie Sex gesprochen.

Um sich in Sachen Politik zuverlässig zu informieren, nutzt Hossam El Deen aber vor allem das Internet oder die Programme ausländischer Fernsehsender. Die Meinungsfreiheit in Ägypten habe sich zwar stark entwickelt hat, sagt er. Aber das einzige Tabu-Thema sei ein entscheidendes: den Präsidenten sehr deutlich zu kritisieren oder über seine Nachfolge zu sprechen.

Autorin: Anne Allmeling
Redaktion: Katrin Ogunsade